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Spanien hat nach dem überzeugenden Sieg gegen Frankreich die Rolle des Top-Favoriten auf den Titel übernommen. Im Team um Lamine Yamal herrscht nach dem Halbfinale von Dallas echter Triumphrausch, doch für den Europameister ist die Mission noch längst nicht beendet.

Yamal zieht es zur Familie, Spanien denkt schon an New York
Im bislang größten Moment seiner noch jungen Laufbahn suchte Lamine Yamal zunächst die Nähe zu seinen Liebsten. Während draußen der Jubel über den nahezu ungefährdeten Finaleinzug eskalierte und selbst König Felipe auf royale Freudentänze setzte, entspannte der spanische Jungstar frisch geduscht mit seinem dreijährigen Bruder. Die Botschaft aus dem Lager von La Roja war klar. Nach der „unvergesslichen Vorstellung“ gegen Frankreich geht es weiter.
Yamal blickte bereits auf das Endspiel am Sonntag um 21.00 Uhr im New Yorker Glitzer-Setting voraus. In den sozialen Netzwerken schrieb er voller Vorfreude: „New York, wir kommen zu Dir“. Auch Erfolgscoach Luis de la Fuente machte kein Geheimnis daraus, wie sehr das Team mehr will: „Jetzt wollen wir auch den Titel“, sagte er. Wer der Gegner im Finale ist, spielte zunächst keine große Rolle. De la Fuente formulierte die Marschroute für den letzten Schritt so: „Wir treffen auf eines der besten Teams der Welt – sie treffen auf das beste.“

Ein Auftritt nahe der Perfektion
Was Spanien den Franzosen um Kylian Mbappé in Dallas präsentierte, war tatsächlich eine Leistung an der Grenze zur Perfektion. Die Entwicklung im Turnierverlauf erinnert stark an den einzigen bisherigen WM-Triumph der Spanier, die Seleccion tritt fast wie 2010 auf, nur noch reifer und stabiler. Damit rückt sogar das Double aus EM- und WM-Titel in Reichweite. Für Yamal bietet sich am Sonntag die Chance, mit 19 Jahren und sechs Tagen zum jüngsten Spieler zu werden, der Europa- und Weltmeistertitel vereint.
Auch das spanische Königshaus fieberte mit. Unter dem Eindruck der Partie bedankte sich die royale Familie bei X mit den Worten: „Danke, dass wir diese Reise miterleben dürfen“. König Felipe verfolgte das Spiel gemeinsam mit Königin Letizia sowie den Töchtern Leonor und Sofía vor dem Fernseher und gratulierte anschließend persönlich. De la Fuente sprach von einer geschlossenen Euphorie im Land: „Wir sehen, dass das gesamte Land mit uns fiebert“, sagte er und fügte hinzu: „Wir haben noch einen Schritt vor uns.“ Später beschloss die Mannschaft den Abend mit einer kleinen Kabinenfeier bei Pizza und Musik.
Lob von außen, Stärke aus der Einheit
Die internationale Presse überschlug sich nach der „unvergesslichen Vorstellung“ von Marca mit Lob und sah Spanien im „Triumphrausch“, wie es die Gazzetta dello Sport formulierte. Die Anerkennung war verdient. In der Defensive ließ Spanien um den erst 19 Jahre alten Pau Cubarsí über 90 Minuten überhaupt nichts zu, obwohl mit Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise ein französischer Super-Dreizack auflief. Nur ein Gegentor kassierte die Abwehr in sieben Turnierspielen. Vorne sorgten Mikel Oyarzabal und Pedro Porro für die zwei eiskalten Treffer.
Auch Thomas Tuchel geriet ins Schwärmen. „Je größer die Bühne ist, desto ruhiger spielen sie“, sagte Englands Nationaltrainer und ergänzte: „Das ist sehr, sehr beeindruckend.“ Auffällig bleibt dabei, dass Yamal im laufenden Turnier noch nicht am Limit agiert. Für den Angreifer vom FC Barcelona steht bislang nur ein Tor zu Buche, gegen Frankreich führte ein von ihm herausgeholter Foulelfmeter zum 1:0 durch Oyarzabal in der 22. Minute. Porro stellte in der 58. Minute auf 2:0.
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Die Erfolgserzählung lebt vor allem vom Kollektiv. „Wir 26 sind eine Einheit, der ganze Kader“, sagte Torschütze Porro. Cubarsí sprach von einer „großen Familie“. De la Fuente formulierte es noch offener: „Der Raum für Verbesserungen ist unendlich.“ Und genau das klingt für die Konkurrenz eher wie eine Drohung.
Finale als Pflichttermin für Spaniens Selbstverständnis
Für Spanien gehören Endspiele nicht bloß zum Spielplan, sie werden gewonnen. So war es im bislang einzigen WM-Finale vor 16 Jahren, und auch in fünf EM-Endspielen ging La Roja viermal als Sieger vom Platz. Deshalb ist die Partie am Sonntag für de la Fuente „eine große Verantwortung, die wir für das ganze Land haben. Das ist etwas ganz Besonderes für uns.“
Nach dem großen Abend in Dallas musste der Vater des Erfolgs allerdings zunächst selbst wieder zur Ruhe kommen. Mit einem erschöpften Lächeln sagte er: „Jetzt muss ich aber erst einmal runterkommen und das verarbeiten“.