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Houston, wir haben kein Problem: Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM mit einem klaren 7:1 gegen den Außenseiter Curacao gestartet. Nach einer kurzen Schwächephase feierte das Team von Julian Nagelsmann den ersten Auftaktsieg seit dem WM-Triumph 2014 in Rio und ließ sich auch von einem zwischenzeitlichen Ausgleich nicht aus dem Tritt bringen.

Vor 40 Jahren stand mit Manuel Neuer zudem der älteste deutsche Nationalspieler überhaupt zwischen den Pfosten. Am Ende trafen Felix Nmecha, Nico Schlotterbeck, Kai Havertz per Foulelfmeter, Jamal Musiala, Nathaniel Brown und Joker Deniz Undav für den vierfachen Weltmeister, der damit den zehnten Sieg in Serie holte. Für Curacao, den kleinsten Teilnehmer der WM-Geschichte, erzielte Livano Comenencia das 1:1.
Starker Auftakt mit kleinem Dämpfer
In der Astronauten-Stadt Houston lieferte die DFB-Elf zunächst den erhofften Raketenstart. Zwar tönte siebenmal „Major Tom“ aus den Boxen, doch „völlig losgelöst“ war das Team noch nicht unterwegs. Gegen die Nummer 82 der Weltrangliste dominierte Deutschland lange mit Spielwitz und viel Durchschlagskraft durch die Mitte, ehe sich nach einigen ausgelassenen Chancen Konzentrationsfehler einschlichen.
Nagelsmann hatte vor dem Anpfiff ausdrücklich vor der niederländisch geprägten Spielweise der Karibik-Auswahl gewarnt und ein „David-Goliath-Prinzip“ befürchtet. Curacao? Fußball-Zwerg? Von wegen, lautete seine Botschaft. Doch auf dem Feld schrumpfte der Außenseiter rasch auf Normalmaß. Nach einem Doppelpass mit Florian Wirtz brachte Nmecha die deutsche Auswahl in Führung. Der Mittelfeldspieler war erst kurz vor der WM wieder fit geworden und hatte sich seinen Platz neben Aleksandar Pavlovic erarbeitet. Auch die linke Abwehrseite war wie erwartet besetzt, dort überzeugte der frühere Frankfurter Brown.

Curacao nutzt den Moment, Deutschland antwortet
Die deutsche Defensive und Neuer wurden zunächst kaum geprüft. Die wenigen meist langen Bälle auf den früheren Bundesliga-Stürmer Jürgen Locadia waren sichere Beute. Dann aber leistete sich Deutschland mehrere Unaufmerksamkeiten. Nach einem Fehler von Jonathan Tah agierte auch Nico Schlotterbeck unglücklich, Joshua Kimmich fälschte den Schuss von Comenencia unhaltbar für Neuer ab und Curacao stand plötzlich zum 1:1 da.
„Jetzt ist das Schlimmste eingetroffen“, sagte Rio-Weltmeister Bastian Schweinsteiger in der ARD. „Der Glaube bei Curacao ist da!“ Die erste Trinkpause wirkte anschließend fast wie der rettende Gong für einen angeschlagenen Boxer. Leroy Sané vergab nach einem Traumzuspiel von Wirtz die nächste große Gelegenheit, der Druck auf den Favoriten wuchs. Dann brachte ein Standard die Erlösung, als Schlotterbeck eine von Brown getretene Ecke einköpfte. Kurz vor der Pause erhöhte Havertz nach einem Foul an Nmecha per Elfmeter auf 3:1, die gesamte deutsche Bank sprang dabei geschlossen auf und feierte sichtbar den Teamgeist.

Blitzstart nach der Pause und klare Verhältnisse
Zur Pause spielte die klimatisierte und überdachte Arena des Footballteams Texans Deutschland zusätzlich in die Karten, denn die Mittagshitze blieb ohne Einfluss. Direkt nach Wiederanpfiff sorgte Musiala nach Kimmich-Vorlage schon nach 68 Sekunden aus spitzem Winkel für das 4:1. Eine Stunde war gespielt, als La Ola durchs Stadion schwappte. Sané, für den verletzt abgereisten Lennart Karl in die Startelf gerückt, scheiterte zudem allein vor dem Tor an einer weiteren Topchance.
Danach wechselte Nagelsmann mehrfach durch und gönnte einigen Reservisten Einsatzzeit. Der bei den Fans beliebte Undav ersetzte den nach einem Foul leicht humpelnden Musiala und bereitete wenig später Browns fünften Treffer vor. Anschließend traf Undav selbst aus Mittelstürmerposition und legte per Steilpass auch noch das 7:1 auf, das Havertz mit einem eleganten Lupfer vollendete. Für die DFB-Auswahl war es der zweithöchste WM-Sieg der Verbandsgeschichte nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002.
Vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag um 22.00 Uhr deutscher Zeit in Toronto gegen die deutlich stärkere Elfenbeinküste stand dennoch eine Warnung im Raum. Zwar könnte der Sieg gegen Curacao wegen des Turniermodus mit acht von zwölf Gruppendritten für die K.o.-Runde bereits reichen, doch vom Weg Richtung fünftem Stern war die deutsche Mannschaft trotz des Kantersiegs noch ein Stück entfernt.