WM 2026 Spiele schlecht? „Taktisch schlecht“ oder „hässlich und mühsam“?

Bei der laufenden WM 2026 warten die Fans weiter auf echte Fußball-Highlights. Statt großer Turniermomente liefern viele Partien bislang vor allem eines: Kritik an Tempo, Struktur und Qualität. Die Gründe dafür sind vielfältig, von der Hitze bis zur enormen Belastung für die Spieler.

Matheus Cunha von Brasilien wird während des WM-2026-Gruppenspiels der Gruppe C gegen Marokko im New York New Jersey Stadium in East Rutherford, New Jersey, am 13. Juni 2026 von marokkanischen Spielern gestoppt. Darrian Traynor / Getty Images
Matheus Cunha von Brasilien wird während des WM-2026-Gruppenspiels der Gruppe C gegen Marokko im New York New Jersey Stadium in East Rutherford, New Jersey, am 13. Juni 2026 von marokkanischen Spielern gestoppt. Darrian Traynor / Getty Images

Kritik schon zum Auftakt

Die brasilianische Presse reagierte nach dem müden Turnierstart besonders scharf. Nach dem 1:1 gegen Afrikameister Marokko sprach ein Kolumnist der Tageszeitung O Globo von den „schlechtesten 45 Minuten seit dem 7:1“. Ausgerechnet das Spiel, das eigentlich als erstes großes Aushängeschild der Endrunde gedacht war, verfehlte damit die erhoffte Wirkung komplett. Auch die Zauberer vom Zuckerhut konnten für keine Begeisterung sorgen.

Die ersten Stimmen aus dem Expertenlager fielen ebenfalls vernichtend aus. Jürgen Klopp urteilte bei MagentaTV über das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika: „Taktisch einfach schlecht!“, ergänzte aber sofort: „von beiden Mannschaften nicht gut!“ Christoph Kramer zeigte sich im ZDF nach dem 1:1 der ambitionierten Schweizer gegen Außenseiter Katar noch direkter. Aus seiner Sicht dürfe das für die Schweiz „nie und nimmer passieren“, vor allem angesichts der Art und Weise, wie sie Fußball gespielt habe.

Fußball WM heute Nacht Ergebnisse: Was passierte heute Nacht bei der WM?
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Magerkost, große Hitze und viel Rechnerei

Für deutsche Zuschauer fällt manches sportlich Unterdurchschnittliche immerhin in die Nacht. Das 1:0 der WM-Rückkehrer Schottland gegen Haiti wurde von der Daily Mail als „hässlich und mühsam“ beschrieben. Gleichzeitig zeigte sich genau dort, dass andere Qualitäten ins Gewicht fallen können: Was den Schotten auf dem Platz fehlte, machten ihre Fans auf den Tribünen wett. Und auch das gehört zur Realität dieser WM, in der Außenseiter längst ihren Platz haben, so wie schon zu Zeiten, als nur 32 Nationen um den Titel kämpften und nicht 48.

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War es also wirklich überraschend, dass auch Teams wie die hochveranlagten Türken, die ambitionierten Schweizer oder die angriffslustigen Mexikaner nicht immer für Spektakel sorgen? Die Diskussion um die schwierigen Rahmenbedingungen lief schon vor Turnierbeginn. Vor allem die große Hitze und die teils absurde körperliche Belastung standen früh im Fokus. Ilkay Gündogan brachte es in der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt und mutmaßte: „Vielleicht wird am Ende die Mannschaft Weltmeister, die am besten mit ihren Kräften umgeht.“

Blick in das BC Place, auf dessen Rasen vor dem WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe D zwischen Australien und der Türkei die übergroßen Flaggen beider Nationen ausgebreitet sind, in Vancouver, British Columbia, am 13. Juni 2026. Richard Heathcote / Getty Images
Blick in das BC Place, auf dessen Rasen vor dem WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe D zwischen Australien und der Türkei die übergroßen Flaggen beider Nationen ausgebreitet sind, in Vancouver, British Columbia, am 13. Juni 2026. Richard Heathcote / Getty Images

Defensive als Erfolgsrezept?

Nach den bisherigen Eindrücken scheint genau das ein möglicher Weg zu sein. Oder aber der Titel geht an das Team, das defensiv am wenigsten anbietet. Australien zeigte beim 2:0 gegen die Türkei, wie unangenehm sich eine Betonabwehr für den Gegner anfühlen kann. Auch Katar setzte auf Kampf und holte damit überraschend einen Punkt.

Für die Top-Teams ist das womöglich ein Hinweis darauf, dass nicht nur spielerische Klasse zählt. Das Nonplusultra ihres Sports sind WM-Endrunden aus Sicht der Qualität längst nicht mehr, weil der europäische Vereinsfußball gerade auf internationaler Ebene andere Maßstäbe setzt. Dort treten eingespielte Mannschaften an, deren Profis trotz voller Terminkalender noch nicht ganz am Maximum angekommen sind. Gündogan ist sich deshalb sicher, dass sich die verlängerte Endrunde „qualitativ bemerkbar“ machen wird.

Was das für die Zuschauer und die erhofften großen Fußball-Feste bedeutet, ist offen. Bis zur K.o.-Runde dauert es noch, und bis dahin bleibt die Hoffnung, dass sich doch noch die spielerische Klasse durchsetzt. Bislang war davon auf dem Rasen allerdings nicht allzu viel zu sehen.