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Julian Nagelsmann hat den 4:0-Sieg gegen Finnland mit einem klaren Auftrag an seine Mannschaft eingeordnet. Der Bundestrainer lobte den starken Beginn, monierte aber auch die Ungeduld seiner Spieler und sprach von „zu viel Lust“ im Offensivspiel. Gleichzeitig hob er mehrere Personalien hervor, darunter Deniz Undav, Lennart Karl, Leroy Sané, Kai Havertz und die Optionen auf der Doppelsechs.

„Zu viel der Lust“ im Angriffsspiel
„Es gibt nie Spiele, wo alles perfekt läuft. Die ersten 15 Minuten waren bärenstark, dann sind die Jungs zu gierig, Tore zu schießen, dass sie ungeduldig werden. In der zweiten Halbzeit war das viel besser. Wir müssen da mehr unserer eigenen Stärke vertrauen“, sagte Nagelsmann nach der Partie. Die Nationalelf habe viele gute Fußballer, die „immer Bock haben“, doch „manchmal ist es zu viel der Lust“. Er wolle die Spieler nicht ausbremsen, sondern „in die richtige Bahn lenken“.
Im Mittelpunkt stand auch Deniz Undav, der mit zwei Treffern und einer Vorlage zum Matchwinner avancierte. Nagelsmann lobte den Angreifer als „sehr gefährlich in der Box“ und bescheinigte ihm ein gutes Spiel. Das erste Tor sei in seiner aktuellen Form „einfach“ gewesen, beim zweiten habe Undav mit einem sehr guten Laufweg und viel Ruhe überzeugt. Zugleich verwies der Bundestrainer auf die hohe Belastung des Stürmers, der in Stuttgart extrem viel gespielt und kaum Pause gehabt habe. Deshalb müsse man ihn „ein bisschen dosieren“. In der Kabine habe er jedoch einen glücklichen Eindruck gemacht.
Karl, Sané und die Optionen im Mittelfeld
Auch Lennart Karl blieb ein Thema. Ob der Youngster in der Startelf noch wegzudenken sei, will Nagelsmann in den nächsten eineinhalb Wochen beurteilen. Bei ihm sei in den vergangenen Monaten viel passiert, und genau das zu verarbeiten, sei in seinem Alter eine der größten Herausforderungen. Karl habe es gut gemacht und Raum für andere geschaffen. Gleichzeitig erinnerte Nagelsmann an die Einwechslung von Leroy Sané, die „top“ gewesen sei. Der Offensivmann bringe „eine unfassbare Dynamik“. Nur in einer Szene habe Jamal Musiala ihn sehr gut „verteidigt“, sonst hätte Sané getroffen. Zudem habe mit Jamie Leweling noch eine weitere Option bereitgestanden.

Zu Karl sagte Nagelsmann außerdem, der Angreifer sei ein Straßenkicker, den man nicht in Strukturen pressen dürfe, weil er sonst seinen Flow verliere. Vieles mache er bereits richtig, vieles könne er noch verbessern. Einen einzelnen Schwachpunkt gebe es aber nicht. „Er ist gerade erst Profi geworden und erst am Start des Rennens“, so der Bundestrainer.
Auf der Doppelsechs überzeugten Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha, doch eine WM-Festlegung wollte Nagelsmann daraus nicht ableiten. Die beiden hätten sehr gut zusammen funktioniert. Dennoch nannte er weitere Kandidaten: Ange Stiller habe eine sehr gute Saison gespielt, Pascal Groß sei etwas offensiver ausgerichtet und in Brighton im Aufschwung gewesen, und Leon Goretzka habe im Training stark gearbeitet. Pavlovic sei fleißig und viel unterwegs, ebenso Nmecha, der bei der Nationalmannschaft etwas höher stehe als bei Borussia Dortmund. Mit beiden sei er zufrieden gewesen.
Baumann, Havertz und der Blick auf die USA
Mit großem Wohlwollen registrierte Nagelsmann die Reaktion des Publikums auf Oliver Baumann. Die Zuschauer hätten den Torhüter sehr gut empfangen und im Spiel gefeiert, das sei ein schönes Zeichen gewesen. Baumann sei ein wichtiger Teil der Mannschaft, habe großen Sportsgeist gezeigt und ein tolles Spiel gemacht.
Auch Kai Havertz hat beim Bundestrainer einen festen Platz im Plan. Der Angreifer werde direkt in die USA zum Team stoßen, weil er darauf brenne. Nagelsmann betonte die Bedeutung des Offensivspielers, dessen Tor im Champions-League-Finale außergewöhnlich gewesen sei. Man habe seine Relevanz gesehen, ebenso seinen Fleiß gegen den Ball und seine brutale Kopfballstärke auch bei defensiven Standards. Havertz sei ein sehr guter Mensch, ein richtig guter Typ und ein Topspieler, der gute Leistungen zeigen werde.

Links hinten hat Nathaniel Brown zunächst den Vorzug vor David Raum erhalten. Nagelsmann beschrieb Brown als Spieler mit viel Potenzial, stark im Eins gegen eins, schnell, clever und im Halbraum sehr wohl fühlend. Raum habe zudem ein paar Wehwehchen aus Leipzig mitgebracht. Beide verkörperten einen unterschiedlichen Stil und könnten jeweils in der Startelf stehen.
Generalprobe gegen Gastgeber USA
Von der WM-Generalprobe gegen die USA am 6. Juni in Chicago erwartet Nagelsmann ein besonders emotionales Spiel. In einer Stadt ohne WM-Partie treffe Deutschland auf den Gastgeber, der seinen letzten Test bestreite. Für die Vereinigten Staaten sei es das größte Spiel seit langem, vermutlich seit 1994, was die Partie für eine sehr große Nation besonders mache. Eine klare taktische Idee, die einen deutschen Gruppengegner widerspiegele, habe das Duell nicht. Es gehe vielmehr darum, die Atmosphäre aufzusaugen und im Turnier anzukommen.