Mit Tränen im Gesicht und einer ungeliebten Silbermedaille um den Hals verabschiedete sich Lionel Messi möglicherweise für immer von der großen WM-Bühne. Nach der verlorenen Finalpartie gegen Spanien meldete sich der Superstar erst mit fast 19 Stunden Verspätung zu Wort und offenbarte dabei tiefe emotionale Wunden, ohne konkret über seine sportliche Zukunft zu sprechen.

Minutenlang stand der 39-Jährige nach dem Abpfiff regungslos vor den argentinischen Anhängern, die unablässig seinen Namen skandierten. Sichtlich überwältigt von der Situation, mochte er sich nicht einmal umdrehen, um die Feierlichkeiten der neuen Weltmeister aus Spanien mitanzusehen. Wie betäubt schlich er schließlich vom Rasen, nachdem sein drittes WM-Endspiel und die zweite Finalniederlage seiner Karriere mit dem 0:1 nach Verlängerung besiegelt waren. Weder gegenüber den wartenden Journalisten auf dem Weg zum Mannschaftsbus noch unmittelbar nach der Partie fand Messi Worte für das Geschehene.
Erst rund 19 Stunden später wandte sich der Rekordweltfußballer über Instagram an seine Fans. „Der Schmerz ist riesig. Es wird Zeit brauchen, bis diese Wunde verheilt“, schrieb er und ergänzte: „Heute fällt es schwer, das Erreichte wirklich zu würdigen, aber diese Mannschaft hat tatsächlich zum zweiten Mal in Folge das Finale einer Weltmeisterschaft erreicht.“ Er betonte zudem den nationalen Zusammenhalt, den das Team ausgelöst habe, das Land sei erneut „vereint im großen Stolz, Argentinier zu sein“ hinter der Albiceleste gestanden. Zu dem Post stellte Messi ein Foto, das ihn mit der Silbermedaille und tränenden Augen zeigt. Auch die argentinische Nationalmannschaft richtete über die sozialen Netzwerke emotionale Zeilen an ihren Kapitän: „Deine Tränen sind auch unsere, Kapitän. Du hast uns die größten Freuden unseres Lebens geschenkt. Danke für die Hingabe, für die Magie und dafür, bis zur letzten Sekunde alles zu geben. Wir lieben dich für immer, Leo!“

Eine Karriere voller Extreme zwischen Triumph und Tränen
Seine erste Weltmeisterschaft bestritt Messi beim deutschen Sommermärchen 2006, seither war er bei jedem Turnier dabei und durchlebte sportliche Höhen und Tiefen. 2014 musste er sich im Finale gegen Deutschland nach Verlängerung geschlagen geben, ehe ihm 2022 in Katar die Erlösung gelang: Mit dem WM-Titel führte er sein Heimatland 36 Jahre nach Diego Maradonas Triumph von 1986 zurück an die Weltspitze. Nun, vier Jahre später, musste Messi eine erneute Finalniederlage verkraften, dieses Mal ohne die Möglichkeit einer Wiedergutmachung in naher Zukunft. Nationaltrainer Lionel Scaloni nannte seinen Schützling ungeachtet der Enttäuschung „den besten Fußballer der Geschichte“ und würdigte dessen „unglaubliche Leistung“ über all die Jahre. Zur sportlichen Zukunft seines Kapitäns wollte sich der Coach jedoch nicht festlegen. „Es ist kristallklar, dass er so lange spielt, wie er es möchte. Ich hoffe, dass jeder auf ihn stolz ist und darauf, was er erreicht hat“, sagte Scaloni, dem die Niederlage selbst spürbar zusetzte. Auch seine eigene Zukunft ließ der Trainer offen: „Ich verdiene es, mir Zeit zu nehmen, um zu entscheiden, was ich tun werde. Es bildet sich kaum noch einmal eine so wunderbare Gruppe wie diese, und es tut mir in der Seele weh.“ Unter Tränen brach er die anschließende Pressekonferenz schließlich ab.

„Sein letzter Tango“ – Argentinien steht vor einem Umbruch
Der argentinischen Nationalmannschaft steht nun ein tiefgreifender Strukturwandel bevor, über dem unübersehbar Messis mögliche Entscheidung zum Karriereende in der Albiceleste schwebt. Die Tageszeitung Clarín brachte die Szenen nach dem Abpfiff pointiert auf den Punkt: „Abseits seiner Teamkollegen, die Hände in die Hüften gestemmt, wird ihm die Realität bewusst: Dies war sein letzter Tango.“ Im Finale von East Rutherford, in dem Messi seine außergewöhnliche Laufbahn eigentlich mit einem zweiten Weltmeistertitel krönen wollte, blieb der achtmalige Weltfußballer weitgehend blass. Die spanische Mannschaft agierte zu dominant und ließ den Argentiniern nicht einen einzigen Torschuss, sodass selbst Messis individuelle Klasse gegen diese Übermacht wirkungslos verpuffte. Am Ende blieb nur ein tränenreicher Abschied, der sich als endgültig erweisen könnte. Zur WM 2030 wäre Messi bereits 43 Jahre alt, und schon jetzt teilt er sich seine körperlichen Kräfte sehr dosiert ein. Dennoch bleibt ein kleines Hintertürchen: In vier Jahren wird ein WM-Spiel in Buenos Aires ausgetragen, ein Umstand, der für den Superstar durchaus reizvoll sein könnte. An diesem von Tränen geprägten Abend in East Rutherford wollte davon jedoch niemand aus dem argentinischen Lager etwas wissen.