Für Manuel Neuer wurde das Champions-League-Halbfinale bei Paris Saint-Germain zu einem statistischen Ausreißer, der den tatsächlichen Spielverlauf nur bedingt abbildet. Beim wilden 4:5 im Prinzenpark fand sich der Bayern-Kapitän immer wieder in Situationen wieder, in denen er kaum eingreifen konnte. Trotzdem steht am Ende eine bemerkenswerte, für ihn bittere Marke.

Der FC Bayern hatte die Partie aus Münchner Sicht zunächst ordentlich begonnen und früh die Führung übernommen. Im weiteren Verlauf verlor die Mannschaft jedoch zunehmend die Ordnung gegen einen Gegner, der die entstehenden Räume konsequent bespielte und vor dem Tor extrem effizient auftrat.
Historische Statistik für den 40-Jährigen
Laut ESPN ist Neuer der erste Torhüter in den vergangenen 16 Champions-League-Spielzeiten, der in einem K.o.-Spiel fünf oder mehr Gegentore hinnehmen musste, ohne auch nur einen Schuss zu parieren. Diese Zahl macht die Runde, weil sie auf den ersten Blick verheerend wirkt, zugleich aber nur einen Teil der Wahrheit beschreibt.
Der 40-Jährige konnte sich in Paris kaum auszeichnen, weil die Abschlüsse der Gastgeber nahezu perfekt platziert waren. Khvicha Kvaratskhelia traf zweimal präzise, Ousmane Dembélé verwandelte zunächst sicher vom Punkt und legte später mit einem flachen Abschluss über den Innenpfosten nach. Zudem köpfte João Neves nach einer Ecke ein.
„Manuel Neuer did not save a single shot vs. PSG.“
„He is the first goalkeeper in the last 16 UCL seasons to concede 5+ goals WITHOUT recording a single save in a KO stage match 😭 pic.twitter.com/v1lSZ6KnKc“
Für Neuer bedeutete das vor allem: kaum Chancen, seine Klasse im Eins-gegen-eins oder mit Paraden zu zeigen. Die meisten Pariser Abschlüsse kamen aus kurzer Distanz oder in Momenten, in denen die Münchner Defensive nicht entscheidend klären konnte.
Mit Blick auf das Rückspiel
Im Vergleich zu anderen Auftritten unterscheidet sich dieser Abend deutlich. Anders als etwa im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid, als Neuer bei Gegentoren unglücklich wirkte, war er in Paris weitgehend machtlos. Dennoch bleibt der Makel von fünf Gegentreffern in einem Champions-League-Halbfinale bestehen, unabhängig von der individuellen Schuldfrage.
Für den FC Bayern ist die Aufgabe für das Rückspiel in München damit klar umrissen. Offensiv bestätigten die Münchner ihre Qualität, defensiv müssen sie aber deutlich stabiler auftreten, um ihren Kapitän besser zu schützen. Trotz der Niederlage ist die Konstellation offen, denn vier Auswärtstore halten den Rekordmeister im Rennen um das Finale. In der Allianz Arena bekommt Neuer die Chance, dieses Kapitel mit einer starken Leistung neu zu schreiben.