WM 1974 in Deutschland

Die WM 1974 war das zehnjährige Jubiläum der Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft. Erstmals fand eine WM in der Bundesrepublik Deutschland statt, knapp 30 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Wie schon bei den meisten Weltmeisterschaften profitierte auch diesmal der Gastgeber vom Heimvorteil. So gewann Deutschland nach dem Wunder von Bern 1954 zum zweiten Mal eine Weltmeisterschaft.

Kapitän Franz Beckenbauer erhält den WM-Pokal nach dem 2:1 Sieg gegen Holland am 07. Juli 1974 . Deutschlands damaliger Bundespräsident Walter Scheel (L) applaudiert. (Foto AFP)

Deutschland wird Weltmeister 1974

Nachdem der deutsche Fußballverband sich bereits mehrmals um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft beworben hatte, gaben die FIFA Funktionäre 1966 den Deutschen den Zuschlag für die Ausrichtung der WM 1974. Kurze Zeit vorher hatte München bereits den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1972 bekommen. Nach über zwanzig Jahren nach dem Ende der NS-Herrschaft kann man sagen, dass die Bundesrepublik Deutschland wieder ein angesehenes und gleichberechtigtes Mitglied der internationalen Sportgemeinschaft war.

WM 1974 Teilnehmer

Deutschland 🇩🇪 Brasilien 🇧🇷 Schweden 🇸🇪 Italien 🇮🇹
Chile 🇨🇱 Jugoslawien 🇷🇸 Bulgarien 🇧🇬 Haiti 🇭🇹
DDR 🇩🇪 Zaire 🇨🇩 Uruguay 🇺🇾 Polen 🇵🇱
Australien 🇦🇺 Schottland 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 Niederlande 🇳🇱 Argentinien 🇦🇷

Das WM Finale 1974

Datum Ort Team 1 Team2 Ergebnis
07.07.74 München   Deutschland 🇩🇪   Niederlande 🇳🇱 2:1 (2:1)
Tore: 0:1 Neeskens (2., Foulelfmeter, Cruyff), 1:1 Breitner (25., Foulelfmeter, Hölzenbein), 2:1 Müller (43.)

In neun verschiedenen Städten Westdeutschlands wurde die WM 1974 veranstaltet. Mit 85.000 Zuschauern war das Berliner Olympiastadion die größte Austragungsstätte. Mit nur 53.000 Zuschauern war das heute größte deutsche Stadion in Dortmund bei der WM 1974 paradoxerweise noch die kleinste Austragungsstätte.

Mit 9 Nationen kamen das Gros der WM-Teilnehmer vom europäischen Kontinent, während fünf weitere Nationalmannschaften vom amerikanischen Kontinent stammten – darunter der Fußballzwerg Haiti aus der Karibik. Zudem komplettierten das afrikanische Land Zaire und Australien das Teilnehmerfeld der WM 1974. Diese Nationalmannschaften profitierten von der Regelung, dass nunmehr zum zweiten Mal jeweils ein Platz für ein asiatisches und ein afrikanisches Team reserviert war.

Torwart Sepp Maier fängt den Ball vor dem Holländer Johan Cruyff, Franz Beckenbauer kommt zu spät im WM-Finale 1974. Deutschland schlägt mit 2:1 die niederlande und wird nach 1954 das zweite Fußball-Weltmeister. AFP PHOTO

Torwart Sepp Maier fängt den Ball vor dem Holländer Johan Cruyff, Franz Beckenbauer kommt zu spät im WM-Finale 1974. Deutschland schlägt mit 2:1 die niederlande und wird nach 1954 das zweite Fußball-Weltmeister. AFP PHOTO

Und auch bei dieser WM gab es eine Neuerung – ein neuer Modus wurde eingeführt. Zunächst spielten die Teams wieder in vier Vierergruppen, deren Gruppenersten und -zweiten weiterkamen. Anschließend gab es jedoch anstatt von Viertelfinalspielen eine weitere Gruppenphase mit zwei Gruppen á vier Nationalmannschaften. Die beiden Gruppensieger kamen dann ins Finale. Die beiden Zweitplatzierten mussten das Spiel um Platz drei austragen.

Bei der WM 1974 gab es dazu eine historische Premiere. Obwohl die rote Karte bereits vier Jahre zuvor eingeführt wurde, gab es die erste rote Karte bei einer Weltmeisterschaft im Jahr 1974. Der Chilene Carlos Caszely bekam nach einem Foul an Berti Vogts den Platzverweis in Form einer roten Karte und wird auf ewig in den Geschichtsbüchern der Fußballwelt stehen.

Zudem gab es den ersten Dopingsünder aller Zeiten bei einer Fußball-WM. Ein Spieler des Fußballzwergs Haiti wurde 1974 positiv auf die verbotene Substanz Ephedrin getestet.

Die Deutsche Nationalmannschaft bei der WM 1974

Für Brisanz sorgte schon die Auslosung der WM-Gruppen. Die deutsche Nationalmannschaft musste erstmals gegen die DDR-Elf spielen. Westdeutschland gegen Ostdeutschland. Kapitalismus gegen Sozialismus. Oder einfach: die BRD gegen die DDR. Das einzige Duell der beiden deutschen Nationalmannschaften fand bei der WM 1974 statt. Der große Favorit, die Bundesrepublik Deutschland, musste sich hier dem ostdeutschen Pendant mit 1:0 geschlagen geben. Aufgrund von zwei Siegen in den restlichen Vorrundenspielen kam die westdeutsche Mannschaft allerdings noch auf Platz 2 in der Gruppe, hinter der DDR. Die deutsche Elf war somit für die erstmals ausgetragene Zwischenrunde qualifiziert, auch wenn die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft keineswegs überzeugten.

WM 1974 Spielplan – DFB Spiele WM 1974

Phase Datum Team1 Team 2 Ergebnis
Vorrunde 14.06.1974 Deutschland 🇩🇪 Chile🇨🇱 1:0
Vorrunde 18.06.1974 Australien🇦🇺 Deutschland 🇩🇪 0:3
Vorrunde 22.06.1974 DDR 🇩🇪 Deutschland 🇩🇪 1:0
Finalgruppe B 26.06.1974 Jugoslawien🇷🇸 Deutschland 🇩🇪 0:2
Finalgruppe B 30.06.1974 Deutschland 🇩🇪 Schweden🇸🇪 4:2
Finalgruppe B 03.07.1974 Polen🇵🇱 Deutschland 🇩🇪 0:1
Endspiel 07.07.1974 Niederlande 🇳🇱 Deutschland 🇩🇪 1:2

Der Wendepunkt der WM 1974 war ein Riesenkrach nach der verlorenen Partie gegen die DDR. Der Star und Libero der deutschen Elf Franz Beckenbauer initiierte nach dem Spiel eine Krisensitzung. Beckenbauer berichtete später, dass an diesem Abend aus dem zerstrittenen Haufen mit Spielern aus unterschiedlichen Vereinen ein Team und eine Einheit wurde. Bei dem Treffen der deutschen Nationalspieler sollen sich die Spieler untereinander beschimpft und angeschrien haben. Allerdings schweißte dieser Abend die Mannschaft zusammen, sodass die Krisensitzung gut und gerne als Wendepunkt der WM 1974 bezeichnet werden kann.

DDR-Nationalspieler Jürgen Sparwasser (Links) erzielt das Siegtor gegen Westdeutschland. Im Bild sind Horst Hoettges (C), Berti Vogts (2) und Torwart Sepp Maier am 22. Juni 1974 in Hamburg. AFP PHOTO

In der folgenden Zwischenrunde lief es dann für die deutsche Nationalmannschaft wie am Schnürchen. Deutschland gewann souverän jedes einzelne Spiel. 2:0 gegen Jugoslawien, 4:2 gegen Schweden und 1:0 gegen Polen waren die Ergebnisse. Somit stand fest: Deutschland war Gruppenerster und zog aufgrund des neuen Modus in das Finale der Heim-Weltmeisterschaft ein.

Es hieß Finale: Finale gegen die Nachbarn. Finale gegen die Holländer. Zu denkbar schlechter Zeit befand sich die holländische Nationalmannschaft in überragender Form. Für die meisten Experten war die Oranje-Elf um den Topstar Johan Cruyff die beste Mannschaft des Turniers. Doch auch das Finale musste erst einmal gespielt werden.

Nach wenigen Minuten gingen die Holländer bereits per Strafstoß in Führung. Allzu lange währte die Führung jedoch nicht, da Paul Breitner nach 25 Minuten ausglich. Noch vor der Halbzeit erzielte der deutsche Bomber Gerd Müller die Führung. Da die Holländer nicht mehr ins Spiel zurückkamen, sollte dieses Tor auch der Siegtreffer gewesen sein. Deutschland war erneut Weltmeister. Nicht ganz so überraschend wie 1954: allerdings gewannen die deutschen Kicker erneut gegen einen Favoriten ihren zweiten Titel.

 

DFB Kader WM 1974

Welche deutschen Nationalspieler wurden Weltmeister 1974?

RN Name Pos. Verein Geburtstag
22 Wolfgang Kleff TW M’gladbach 16.11.1946
21 Norbert Nigbur TW Schalke 04 08.05.1948
1 Sepp Maier TW FC Bayern 28.02.1944
2 Berti Vogts AB M’gladbach 30.12.1946
8 Bernd Cullmann AB 1.FC Köln 01.11.1949
4 Georg Schwarzenbeck AB FC Bayern 03.04.1948
16 Rainer Bonhof AB M’gladbach 29.03.1952
6 Horst-Dieter Höttges AB SV Werder 10.09.1943
5 Franz Beckenbauer AB FC Bayern 11.09.1945
20 Helmut Kremers AB Schalke 04 24.03.1949
15 Heinz Flohe MF 1.FC Köln 28.01.1948
12 Wolfgang Overath MF 1.FC Köln 29.09.1943
10 Günter Netzer MF Real Madrid 14.09.1944
3 Paul Breitner MF FC Bayern 05.09.1951
17 Bernd Hölzenbein MF Frankfurt 09.03.1946
14 Uli Hoeneß MF FC Bayern 05.01.1952
11 Jupp Heynckes ST M’gladbach 09.05.1945
18 Dieter Herzog ST Düsseldorf 15.07.1946
19 Jupp Kapellmann ST FC Bayern 19.12.1949
9 Jürgen Grabowski ST Frankfurt 07.07.1944
13 Gerd Müller ST FC Bayern 03.11.1945
7 Herbert Wimmer ST M’gladbach 09.11.1944
Helmut Schön TR 15.09.1915
Jupp Derwall CO-TR 10.03.1927