DFL & DFB: Wer zahlt künftig die Polizeikosten bei Hochrisikospielen?

DFL & DFB: Wer zahlt künftig die Polizeikosten bei Hochrisikospielen? Innenminister aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen bringen die Möglichkeit ins Spiel, Vereine für Einsätze bei Hochrisikospielen zur Kasse zu bitten. Herbert Reul und Armin Schuster üben scharfe Kritik an DFL und DFB und werfen den Verbänden mangelnde Umsetzung vereinbarter Maßnahmen vor. Im Raum steht auch die Frage, ob ausbleibendes Eingreifen der Fanszene und halbherzige Stadionverbots-Regelungen die öffentliche Hand zu härteren Maßnahmen treiben.

Bundesverfassungsgericht: Polizeikosten bei Hochrisikospielen zulässig (Foto Depositphotos.com)
Bundesverfassungsgericht: Polizeikosten bei Hochrisikospielen zulässig (Foto Depositphotos.com)

Innenminister fordern Debatte über Kostenbeteiligung bei Polizeieinsätzen

Armin Schuster (CDU), Innenminister von Sachsen, schließt nicht aus, dass Fußballklubs künftig für Polizeikosten bei Hochrisikospielen zahlen müssen. „Diesen Weg halte ich aus unterschiedlichen Gründen für falsch“, sagte Schuster im Interview mit dem kicker, ergänzte aber, der Druck auf ihn wachse „angesichts des Verhaltens spezieller Fans und des Nichteingreifens des Fußballs“. Im politischen Raum gebe es laut Schuster immer mehr Vertreter, die dafür plädieren, „das Problem auf die Weise zu lösen, dass endlich Rechnungen geschrieben werden“. Diese Debatte verbindet Sicherheitskosten, Einsatzplanung und die Frage nach finanzieller Verantwortung von Vereinen.

Kritik an DFL und DFB: Glaubwürdigkeitsverlust durch zögerliche Umsetzung

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein‑Westfalen, wirft der DFL und dem DFB vor, Verabredungen auf Bundesebene nicht ausreichend umzusetzen. Reul kritisierte, viele Vorschläge aus der Innenministerkonferenz blieben nur in Ansätzen erhalten, und speziell die Regelungen zu Stadionverboten seien „weichgespült“. Er warnte, wenn die Verbände nun weiter „auf Zeit spielen“, schade das ihrer Glaubwürdigkeit und gebe jenen Auftrieb, die fordern, man solle „den Vereinen Rechnungen schreiben“. Reul bemängelte zudem, in der Debatte stehe man „im Grunde wieder bei null“.

Stadionverbote und unabhängige Kommission: Beschlusslage und Streitpunkte

Im Dezember hatten die Innenminister unter anderem die Schaffung einer unabhängigen Kommission für Stadionverbote beschlossen. Reul beklagt nun, die Verbände stünden nicht mehr zum ausgehandelten Kompromiss, wodurch die geplante Kommission und die schärfere Durchsetzung von Stadionverboten an Wirkung verlieren könnten. Gleichzeitig signalisiert die Debatte, dass die Innenminister bereit sind, politische Instrumente wie Kostenverteilung oder strengere Verbotsordnungen wieder stärker in Erwägung zu ziehen, falls die Selbstkontrolle durch Vereine und Verbände ausbleibt.

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Ausblick: Entscheidung bei der Innenministerkonferenz im Juni

Reul hofft, dass bis zur nächsten Innenministerkonferenz Mitte Juni geklärt ist, „dass und wie es eine neue Stadionverbots-Ordnung gibt“. Er stellte zugleich klar, sollte der bereits sehr weiche Beschluss der Verbände weiter verwässert werden, „dann mache ich das nicht mit“. Damit setzt er DFL und DFB unter Druck, konkrete Maßnahmen zur Fan‑ und Stadionsicherheit vorzulegen, andernfalls rückt die Forderung nach finanzieller Beteiligung an Polizeieinsätzen stärker in den Fokus der Politik.