Italien setzt bei der dringend nötigen Neuordnung seiner Nationalmannschaft auf einen alten Bekannten. Roberto Mancini kehrt als Chefcoach zurück und soll die Squadra Azzurra nach der verpassten WM-Qualifikation wieder zu besseren Zeiten führen.

Rückkehr des Europameister-Machers
Nach einer wochenlangen Suche fiel die Entscheidung auf Roberto Mancini. Pep Guardiola hatte abgewinkt, Carlo Ancelotti wollte lieber in Brasilien bleiben und Andrea Pirlo war bereits wieder aus dem Rennen, bevor er das Amt überhaupt antreten konnte. Nun soll Mancini das sportliche und organisatorische Chaos im italienischen Fußball ordnen.
Der 61-Jährige übernimmt die italienische Auswahl zum zweiten Mal. Zwischen 2018 und 2023 hatte er die Azzurri bereits betreut und sie 2021 überraschend zum Europameistertitel geführt. Dieser Triumph zählt zu den wenigen großen Lichtblicken der jüngeren Fußballgeschichte des viermaligen Weltmeisters. Entsprechend groß ist die Hoffnung, dass Mancini an diesen Erfolg anknüpfen kann.
Verbandspräsident Giovanni Malago, der selbst massiv unter Druck steht, begründete die Entscheidung am Dienstag: „Ich bin der Meinung, dass Roberto Mancini der richtige Mann für diese Position ist.“ Seine offizielle Vorstellung ist für Mittwoch vorgesehen. Unterstützung erhält der neue Nationalcoach von Claudio Ranieri. Der 74-Jährige wird künftig als Sportdirektor arbeiten.
Italien nach der WM-Krise vor einem Umbruch
Ranieri, der Leicester City einst sensationell zur englischen Meisterschaft führte, folgt auf Paolo Maldini. Der frühere italienische Weltklassespieler hatte die Funktion allerdings nur wenige Tage ausgeübt. Zuvor war Italien nach der erneut verpassten Weltmeisterschaft in eine schwere sportliche und sportpolitische Krise gestürzt.
Auch Mancinis Vergangenheit sorgt für Diskussionen. Obwohl sein Vertrag noch lief, verließ er die Nationalmannschaft 2023 und wechselte nach Saudi-Arabien. Dieser Schritt brachte ihm in seiner Heimat heftige Kritik ein. Nun wird er im Verband dennoch wieder als möglicher Retter begrüßt. Der neue Übungsleiter muss einen tiefgreifenden Umbruch moderieren. Italien hatte bereits die WM-Endrunden 2018 in Russland und 2022 in Katar verpasst.
Ranieri soll Mancini dabei mit seiner Erfahrung zur Seite stehen. Bis 2025 war er als Trainer der AS Rom tätig. „Wir haben jetzt einen neuen Trainer und einen neuen Sportdirektor“, sagte Malago. Der Verbandschef will den Blick trotz der enormen Probleme nach vorne richten.
+++ 🔴 Ein Abo statt Senderchaos: 📺 Joyn+ bündelt über 100 TV-Sender im Livestream, in HD, mit deutlich weniger Werbung und Restart-Funktion für jedes Spiel. Neukunden testen kostenlos ➡️ 🔴 +++
Pirlo, Maldini und Leonardo scheitern an der Verbandskrise
Zuletzt hatte vieles auf eine Ernennung von Fan-Idol Andrea Pirlo hingedeutet. Wegen seiner Verbindungen zum russischen Wettanbieter Fonbet war der Weltmeister von 2006 für den Verband FICG jedoch nicht mehr tragbar. Pirlo erklärte, er habe diese Entscheidung „mit großer Bitterkeit“ aufgenommen.
Im Zusammenhang mit der Absage an Pirlo legten auch Maldini und Berater Leonardo ihre Ämter nieder. Beide waren erst 16 Tage im Verband tätig gewesen. Zwischenzeitlich galt zudem Giorgio Chiellini als möglicher Nachfolger Maldinis. Der Manager von Rekordmeister Juventus Turin erteilte den Überlegungen jedoch rasch eine Absage.
„Ich möchte klarstellen, dass ich mit meiner Rolle bei Juventus glücklich bin und Giovanni Carnevali in seiner Funktion unterstützen möchte“, sagte Chiellini. Beim Europameisterschafts-Triumph vor fünf Jahren im Londoner Wembley-Stadion hatte der frühere Abwehrchef die Azzurri noch als Kapitän angeführt.
Comeback gegen Belgien im Nations League
Mancini soll die italienische Nationalmannschaft nun zur Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland führen. Sein Comeback an der Seitenlinie ist für den 25. September vorgesehen. Dann trifft Italien im Nations-League-Heimspiel auf Belgien. Mit dieser Partie soll im italienischen Fußball eine neue Zeitrechnung beginnen.