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Deutschland raus! Die WM 2026 endete zu früh und nun die Frage: Wie geht’s weiter? Nach dem krachenden Ende der Titelmission steht Julian Nagelsmann vor einer ungewissen Zukunft. Der Bundestrainer will weitermachen, doch beim DFB beginnt die Debatte über die nächsten Schritte. Auch Namen wie Jürgen Klopp werden bereits in den Raum gestellt.

Völler stärkt Nagelsmann, Klopp hält sich bedeckt
In der unruhigen US-Nacht im „Spukschlösschen“ von Winston-Salem verdichteten sich die Spekulationen rund um den deutschen Rückschlag in Foxborough zu einem echten Donnerwetter. Rudi Völler versuchte noch, als Blitzableiter zu wirken, doch nach dem 3:4 im dramatischen Elfmeterschießen gegen Paraguay forderten viele Beobachter, auch Jürgen Klopp und die enttäuschte Fußballnation, harte Konsequenzen.
Nagelsmann selbst schloss einen Rücktritt kategorisch aus. „Ich bin keiner, der wegläuft. Ich stehe bereit, wenn der DFB das möchte“, sagte der 38-Jährige nach der nächsten schmerzhaften Turnierbilanz. Sein Vertrag läuft bis zur EM 2028, trotzdem scheint offen, ob der Verband mit ihm weitermacht.
Klopp war am frühen Morgen deutscher Zeit bei MagentaTV noch oder wieder auf Sendung, wollte sich aber nicht festlegen. „Unabhängig von meiner Person muss sich vieles ändern“, verlangte er nach dem WM-Aus. „Wir werden sehen, wer Bundestrainer ist, das wird in den kommenden Wochen und Monaten entschieden. Wahrscheinlich Julian Nagelsmann.“
Genau dieses „wahrscheinlich“ zeigt die Lage. Der DFB wirkt alles andere als entschlossen, und die bekannten Mechanismen greifen nach Nagelsmanns Worten offenbar wieder nicht automatisch. Völler stellte sich zwar erneut vor den Chefcoach und sagte: „Ich bin immer noch davon überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, aber ich bin nicht der DFB alleine.“ Gleichzeitig betonte er, Nagelsmann sei „weiterhin ein absoluter Toptrainer“ und „die richtige Person am richtigen Ort“.
Klopp selbst wollte aus der Ferne keine Personaldebatte befeuern. „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird, aber das ist nicht der Moment, darüber zu sprechen – und vor allem nicht mit mir“, erklärte der frühere Erfolgscoach von Dortmund und Liverpool.

Der DFB muss entscheiden und aus alten Fehlern lernen
Während Völler öffentlich Position bezog, schwiegen Präsident Bernd Neuendorf und Geschäftsführer Andreas Rettig zunächst. Mit einer schnellen Entscheidung rechnet auch Nagelsmann nicht. „Die drei Herren haben aber Charakter und werden nicht zwischen Tür und Angel entscheiden“, sagte er.
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Gerade deshalb verweist vieles auf die Vergangenheit. Der DFB hielt nach dem Vorrunden-Aus 2018 an Joachim Löw fest und nach dem frühen Aus 2022 an Hansi Flick. Beide Male erwies sich das als großer Fehler, wertvolle Zeit für einen Neubeginn ging verloren. Auch diesmal steht der Verband unter Zugzwang, viele Stellschrauben müssen justiert werden.
Nagelsmann und Klopp sind sich dabei einig, dass die Probleme weit tiefer liegen als nur auf der Trainerbank. „Wir haben seit zwölf Jahren gar nichts gerissen“, sagte Nagelsmann. „Es wäre daher vermessen zu sagen, wir gehören noch zur Weltspitze. Das tun wir nicht.“
Selbstkritik nach dem Aus gegen Paraguay
Die Niederlage nach den Fehlschüssen von Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah im Sechzehntelfinale hinterließ auch bei Klopp Ratlosigkeit. „Es gibt 500.000 Wege, ein Fußballspiel zu gewinnen. Du musst nur einen finden“, sagte er. „Wir haben nicht funktioniert.“
Die deutsche Auswahl hatte trotz des immer wieder gelobten Teamgeists zu viele Baustellen. Florian Wirtz und Jamal Musiala konnten ihre Klasse nicht entscheidend ausspielen, andere Spieler blieben deutlich hinter ihrem Leistungsvermögen zurück. Dazu kam Verletzungspech mit Ausfällen von Serge Gnabry, Max Karl und Nico Schlotterbeck.
Immerhin übernahmen die Profis Verantwortung. Joshua Kimmich erinnerte daran, wie Deutschland aus Kindheitstagen vor dem Fernseher mit Halbfinale und Finale verbunden war. „Natürlich will man das auch den Kindern und den Menschen und der jetzigen Generation geben“, sagte der Kapitän zerknirscht. Schuld seien „nicht der Trainer, nicht die Medien, nicht der Schiedsrichter, auch nicht der Gegner, sondern das waren einzig und allein wir“.
Auch Havertz ordnete das Aus selbstkritisch ein. „Es hat nicht so viel gepasst, wenn man gegen Paraguay ausscheidet, bei allem Respekt“, sagte der Angreifer, der in der regulären Spielzeit noch zum Ausgleich getroffen hatte. Nadiem Amiri sprach von einer deutlichen sportlichen Unterlegenheit in anderen Bereichen. „Fußballerisch waren wir besser, dafür sind die in anderen Sachen viel weiter als wir“, sagte er.

Neue Debatte vor dem Start der Nations League
Nach der Rückkehr in die Heimat beginnt die Aufarbeitung. Klopp forderte weitreichende Änderungen. „Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern. Da können wir bei der U10 anfangen und ein paar Jahre warten, was oben rauskommt“, sagte er. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht.
Schon am 24. September beginnt die neue Nations League mit dem Auftaktspiel bei Erzrivale Niederlande. Dann wird die Mannschaft personell anders aussehen. Manuel Neuer hat seinen erneuten Abschied bereits angekündigt, Antonio Rüdiger ließ seine Zukunft offen, bei Leon Goretzka steht ein Fragezeichen. Kimmich bleibt dagegen an Bord und stellte klar: „Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: aufgeben.“
Auch international löste das deutsche Ausscheiden heftige Reaktionen aus. Die spanische „Marca“ schrieb: „Von Deutschland ist nichts mehr übrig“. Die italienische „Gazzetta dello Sport“ titelte mit „Flop Germania!“. Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte, Trost zu spenden, und schrieb im Netz: „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Diese Sicht dürfte er exklusiv vertreten.