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Eine Liebeserklärung unter Weltmeistern: Vor dem WM-Viertelfinale Argentinien gegen Schweiz widmete sich MagentaTV-Experte Mats Hummels ausführlich Lionel Messi, dem er selbst im WM-Finale 2014 gegenüberstand. In der knapp fünfminütigen Analyse erklärt der Rio-Weltmeister, warum der Argentinier für ihn der Beste ist, den er je erlebt hat, und wie Messi seine Gegenspieler zur Verzweiflung bringt. Alle Spiele von Messi und Argentinien laufen live bei MagentaTV.

„Er sieht Räume, die sich erst auftun werden“
„Er ist der Beste, den ich je erlebt habe. Ich liebe es, ihm beim Fußballspielen zuzusehen“, schwärmte Hummels. „Er hat alles, nicht nur Dribbling und Torgefahr, er kreiert auch so viel, er sieht so viele Räume, die niemand sieht. Er hat eine Vision auf dem Platz, er sieht Räume, die sich erst auftun werden. Alles an ihm ist spektakulär.“ Im Gespräch blickt Hummels auch auf seine eigenen Duelle mit Messi zurück, vom WM-Finale 2014 bis zu Dortmunder Champions-League-Nächten gegen Barcelona.
Das Gespräch im Transkript
Automatische Verschriftlichung, leicht geglättet. Quelle: MagentaTV.
Moderation: Was soll uns beschäftigen? Der Künstler selbst, Lionel Messi, der achtfache Ballon-d’Or-Sieger, der außergewöhnlichste Fußballer dieser Generation. Man kann ihn mit Johan Cruyff, Franz Beckenbauer und Pelé so schlecht vergleichen.
Mats Hummels: Finde ich auch. Ich nenne ihn zwar nicht den Besten, der je gespielt hat, aber den Besten, den ich je erlebt habe. Und das ist er. Generationenvergleiche machen keinen Sinn, weil Maradona, wenn er jetzt spielen würde, durch moderne Trainingsmethoden auch noch mal andere Qualitäten hätte. Allein die acht Tore jetzt und hier, trotz der zwei verschossenen Elfmeter, viermal Man of the Match, dazu die Torschüsse. Das ist unfassbar, und das sind ja nur die Werte.
Moderation: Man hat ja auch keine andere Wahl, als eine Lobhudelei anzubringen. Irgendwas, was er nicht kann, ist schwer zu finden.
Mats Hummels: Der rechte Fuß ist okay, aber der ist immer noch sehr gut. Ich liebe es, ihm beim Fußballspielen zuzusehen. Er hat alles: Er hat nicht nur dieses Dribbling und die Torgefahr, er kreiert auch so viel. Er sieht Räume, die andere nicht sehen. Er hat eine Vision auf dem Platz, er sieht Räume, die sich erst auftun werden oder die er mit seinen Bewegungen erst erschafft. Alles an ihm ist spektakulär. Und seine Mitspieler wissen, wo er ist. Im Spiel Argentinien gegen Österreich hat einer einfach nur die Beine auseinandergemacht und den Pass durchgelassen. Er musste gar nicht gucken, er wusste, da steht Lionel Messi und macht das Tor.
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Moderation: Wie ist es, gegen ihn zu spielen, ihn zu treffen, ein paar Worte zu wechseln? Das muss ja auch für einen Fußballprofi ein besonderer Moment sein.
Mats Hummels: Ehrlicherweise war es auch für mich etwas Besonderes, gegen ihn zu spielen. Vor allem, weil es nicht so oft passiert ist. Wir sind auf vier gemeinsame Duelle in meiner Karriere gekommen, darunter das WM-Finale 2014. Auf dem einen Bild klärt Jérôme den Ball, das sieht so aus, als hätte ich einen Zweikampf gewonnen. Das andere ist Dortmund gegen Barça, da haben wir leider 1:3 verloren und ich habe einen Riesenbock gemacht. So etwas vergisst man nicht. Und ein Testspiel gegen Argentinien gab es auch noch, da musste ich mit einer Gehirnerschütterung raus, ich bin mit Holger Badstuber zusammengerasselt und habe nur noch Sterne gesehen.
Moderation: Wir haben das WM-Finale 2014 gemeinsam nachkommentiert, und du hast gesagt, der Kerl ist so schwer zu verteidigen, weil Messi einfach schon weg ist, wenn du Körperkontakt aufnehmen willst.
Mats Hummels: Ganz genau. Er ist vor allem so schlau, weil er den Duellen aus dem Weg geht, in denen man den Körper gegen ihn einsetzen könnte. Er macht die Bewegung früh genug, sodass große Spieler wie ich nicht mit der Reichweite der Beine oder dem Körper arbeiten können, und bringt sich selbst immer in die Situationen, in denen er mit seiner Wendigkeit und seinem Antritt den Vorteil hat. Ich sage es, wie es ist: Es ist ein bisschen frustrierend, gegen ihn zu spielen, weil er Dinge so anders macht als alle anderen und Situationen löst, die fast kein anderer auf der Welt löst. Man denkt, den habe ich jetzt, und dann guckt man hinter sich und er ist fünf Meter weiter immer noch am Ball, und du weißt gar nicht genau, was passiert ist.
Moderation: Defensivaufgaben übernimmt er aus Prinzip nicht. Wenn er einen Zweikampf verliert, rennt er auch nicht hinterher, er straft den Gegner mit Missachtung. Aber wenn er will, ist er trotz des fortgeschrittenen Alters unglaublich schnell, mit diesen Tippelschritten kann er richtig Fahrt aufnehmen.
Mats Hummels: Ja, er hat auch noch richtig Tempo. Vielleicht nicht auf der Strecke, er gewinnt wahrscheinlich kein 50-Meter-Rennen gegen Erling Haaland, aber auf den ersten Metern ist er unheimlich fix, unheimlich wendig, und er weiß es einzusetzen. Er kennt genau seine Vorteile und bringt sie perfekt ins Spiel. Dazu kommen dann noch Dinge wie Technik, Schusstechnik, Übersicht.
Moderation: Und dieser Lionel Messi macht seine Belastungssteuerung auf ganz persönliche Art und Weise. Die Qualifikation hat er nicht gespielt, die Reisen hat er sich geschenkt. Er spielt in Amerika auf einem Niveau, das besser ist, als viele von außen glauben. Im Spiel selbst bewegt er sich dosiert: Ein durchschnittlicher Spieler läuft zwischen 11 und 12 Kilometer, wir haben ihn gegen Österreich mit 7,9 gemessen. Das ist eher ein Sonntagnachmittag-Spaziergang.
Mats Hummels: Es gibt sogar Spiele, in denen er noch weniger hat. An der Defensive nimmt er ehrlicherweise kaum teil, nur wenn es zwingend notwendig ist und seine Mannschaft in den letzten Minuten in Rückstand liegt, sieht man ihn auch mal pressen. Er lässt diese Arbeit von sich weg, aber er ist der eine auf der Welt, der das darf. Auch im Ballbesitz hat man manchmal das Gefühl, er schlendert ein bisschen herum, schaut sich die Situation an, wer sich wie positioniert. Und wenn er der Meinung ist, jetzt kann ich eingreifen, dann ist er auf einmal da.