Kommt er zum FC Bayern? Anthony Gordon’s Newcastle Zukunft

Anthony Gordon könnte Newcastle United im Sommer verlassen. Bayern München und Chelsea gehören zu den konkreten Interessenten, während sich auch Arsenal seit Längerem mit dem englischen Nationalspieler beschäftigt.

Anthony Gordon vom Newcastle United kontrolliert den Ball beim Premier-League-Spiel zwischen Crystal Palace und Newcastle United im Selhurst Park am 12. April 2026 in London. (Steve Bardens / Getty Images)
Anthony Gordon vom Newcastle United kontrolliert den Ball beim Premier-League-Spiel zwischen Crystal Palace und Newcastle United im Selhurst Park am 12. April 2026 in London. (Steve Bardens / Getty Images)

Ein Abschied des 25-Jährigen wird nach Informationen aus Transferkreisen zunehmend wahrscheinlich. In Newcastle herrscht zugleich die Haltung, dass ein Verkauf zum richtigen Preis Teil einer strategischen Kadererneuerung sein kann.

Newcastle ist offen für einen Verkauf

Im Umfeld des Klubs wird betont, man müsse den Spielerhandel „normalisieren“, also auch Leistungsträger in ihrer höchsten Wertphase abgeben und die Abgänge mit passenden Nachfolgern auffangen. David Hopkinson, seit vergangenem Monat CEO, sagte bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2024-25, Newcastle werde in diesem Sommer „proaktiv“ mit Verkäufen umgehen. Das steht im Gegensatz zum Vorjahr, als die Eigentümer monatelang darauf beharrten, dass Alexander Isak nicht gehen werde.

Mit einem Gordon-Verkauf ließe sich ein großer Umbau des Kaders finanzieren. Unabhängig davon, ob Eddie Howe als Chefcoach bleibt, steht im ersten Team ein erheblicher personeller Umbruch bevor. Gleichzeitig passt die Idee, die besten Profis zu veräußern, nur bedingt zu Hopkinsons „Vision 2030“, mit der Newcastle bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts in der Premier League um den Titel mitspielen soll. Intern verweist man aber darauf, dass der Klub mittelfristig stärker werden könne, auch wenn dafür kurzfristig wertvolle Spieler abgegeben werden.

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Mehrere Quellen aus dem Transferumfeld, die wie alle in diesem Artikel zitierten Gesprächspartner anonym blieben, um Beziehungen zu schützen, schildern Newcastle als offen für einen Gordon-Abgang, eher als bei Sandro Tonali, Tino Livramento oder Bruno Guimaraes, die ebenfalls mit einem Wechsel in Verbindung gebracht werden. Für Tonali könnte der Preis Premier-League-Klubs abschrecken, Manchester United schaut sich offenbar anderswo um, und eine Rückkehr nach Italien gilt ebenfalls als unwahrscheinlich.

Newcastle erwartet bei Gordon einen deutlichen Gewinn auf die 40 Millionen Pfund plus 5 Millionen Pfund Bonuszahlungen, die der Klub im Januar 2023 an Everton überwiesen hat. Intern heißt es, man sei kein „Forced Seller“, also kein Verkäufer unter Zwang, deshalb müsse der Preis stimmen. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gibt es auch Stimmen im Verein, die Gordons Zeit auf Tyneside als natürlich näher an ihrem Ende sehen. Der Außenstürmer kommt in dieser Saison auf 17 Tore, davon zehn in der Champions League, doch in der Premier League stehen nur sechs Treffer und zwei Assists zu Buche. Dort waren seine Leistungen oft wechselhaft und mitunter enttäuschend.

Bayern meint es ernst, Chelsea hält sich bereit

Das Interesse des FC Bayern ist nach übereinstimmenden Informationen echt. Die Münchner wollen im Sommer noch einen weiteren Flügelspieler verpflichten, und Gordon gehört bei ihnen weit oben auf die Liste. Topziel ist Yan Diomande von RB Leipzig, doch die vermutlich zu hohe Ablöse macht den 19-jährigen Flügelstürmer schwer erreichbar. Deshalb wird Gordon intensiv als Alternative geprüft.

Der englische Nationalspieler hat im Bayern-Umfeld mehrere Befürworter, und die Verantwortlichen glauben, ihn nach München und zu Harry Kane locken zu können. Der Rekordmeister würde damit einen bereits klaren Trend fortsetzen. Schon im vergangenen Sommer holte Bayern Luis Diaz aus Liverpool für zunächst 70 Millionen Euro, ein Jahr zuvor Michael Olise von Crystal Palace, an dem auch Newcastle ernsthaft interessiert gewesen war. Kane selbst kam 2023 von Tottenham Hotspur. Zu einem Kontakt zwischen Klub und Klub mit Newcastle ist es bislang aber noch nicht gekommen.

Auch Chelsea beschäftigt sich mit Gordon. Ein möglicher Transfer soll nicht daran hängen, ob die Londoner die Champions League erreichen. Die Blues waren schon 2022 an einer Verpflichtung aus Everton interessiert, haben aber derzeit andere Prioritäten. Nach der schwachen Serie, die Liam Rosenior den Job kostete, liegt der Fokus zunächst auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer.

Dennoch existiert bereits eine Ziel-Liste für den Sommer. Vorrang haben Premier-League-erprobte Profis, die die hohe Belastung mit vier Wettbewerben kennen. Zudem sucht Chelsea nach Spielern mit emotionaler Reife und starker Persönlichkeit. Auf den Außenbahnen besteht Bedarf, und auch wenn Geovany Quenda von Sporting CP bereits kommt, soll ein weiterer Offensivmann folgen. Gordons Tempo in die Tiefe würde der Mannschaft eine neue Variante geben, weil Chelsea bislang an Endgeschwindigkeit vermissen ließ. Nicolas Jackson ist derzeit an Bayern ausgeliehen.

Liverpool ist raus, Arsenal bleibt ein Beobachter

Liverpool, das Gordon früher stark auf dem Zettel hatte, will das Thema in diesem Sommer nicht neu aufmachen. Als Newcastle im Juni 2024 wegen der PSR-Regeln unter Druck stand, war intern ein Wechsel zum Boyhood-Klub des Flügelspielers im Gespräch. Demnach gab es eine Einigung über einen Transfer für 75 Millionen Pfund zu Liverpool, während Joe Gomez für 45 Millionen Pfund den umgekehrten Weg gehen sollte. Newcastle zog den Deal jedoch zurück und verkaufte stattdessen Elliot Anderson für 35 Millionen Pfund an Nottingham Forest sowie Yankuba Minteh für 30 Millionen Pfund an Brighton & Hove Albion.

Obwohl der Tausch platzte, hatten einige bei Newcastle das Gefühl, Gordon sei damals mit dem Kopf schon weg gewesen. Im August sagte er dem Daily Mail, diese Phase sei für ihn „really difficult“ gewesen. Seine Form litt darunter auch in der vergangenen Saison, als er in der Premier League nur sechs Tore und fünf Vorlagen sammelte. Im Oktober 2024 unterschrieb er anschließend einen verbesserten Vertrag.

Arsenal verfolgt Gordon ebenfalls seit längerer Zeit. Schon im vergangenen Sommer stand er auf der Liste der Gunners für Spieler auf den offensiven Außenbahnen. Mikel Artetas Team will in diesem Jahr einen linksfüßigen Angreifer holen, doch ob der 25-Jährige dabei weit oben steht, ist offen. Tempo und Vielseitigkeit gelten als große Pluspunkte, allerdings könnte auch hier die Ablöse wegen seines Alters und seiner bisherigen Bilanz zu hoch ausfallen.

Die verlangte Ablöse und Evertons Anteil

Newcastle strebt nach eigener Vorstellung die zweithöchste Verkaufssumme der Vereinsgeschichte an, übertroffen nur von den 125 Millionen Pfund, die Liverpool für Isak zahlte. The Times berichtete in dieser Woche, Newcastle wolle 75 Millionen Pfund für Gordon, während Bayern ihn eher bei 55 Millionen Pfund sieht. Der Klub hat sich öffentlich nicht auf eine Summe festgelegt, doch Quellen mit Kenntnis der Lage sagen, dass rund 80 Millionen Pfund als Wunschpreis gelten.

Hinzu kommt eine Klausel zugunsten Evertons. Der Merseyside-Klub sicherte sich beim Verkauf Gordons nach Tyneside 15 Prozent des Gewinns, den Newcastle bei einem Weiterverkauf erzielt. Dieser Faktor spielt also auch in den internen Überlegungen zur Ablöse eine Rolle.

Gordon selbst hat sich seit den jüngsten Berichten nicht mehr öffentlich geäußert. Er hat weder einen Wechsel beantragt noch einen Weggang signalisiert. Wie bei Isak wurde ihm die Vision eines Klubs verkauft, der regelmäßig um große Titel mitspielt, inklusive eines neuen Stadions und eines neuen Trainingsgeländes. Diese großen Infrastrukturprojekte sind bislang aber nicht angekündigt, während Newcastle als Mannschaft Rückschritte macht.

Dem Umfeld des Spielers zufolge wird die Vorstellung, er dränge aktiv auf einen Abschied, heruntergespielt. Gleichzeitig räumen Vertraute ein, dass er seine Optionen prüfen würde, falls Newcastle die Champions League verpasst. Im Klub wird dieser Gedanke zurückgewiesen. Dort verweist man darauf, dass die Gründe für Isaks Forderung nach einem Abgang breiter gewesen seien, darunter höhere Gehälter und die Möglichkeit, jedes Jahr um Trophäen mitzuspielen.

Newcastle wies zudem Berichte zurück, Gordons Hüftverletzung werde im Zusammenhang mit den Spekulationen um seine Zukunft übertrieben dargestellt. Am Freitag sagte Eddie Howe: „Anthony Gordon ist verletzt, zu 100 Prozent.“ Bereits im Februar war Gordon auf das Arsenal-Gerücht angesprochen worden und hatte erklärt: „Es ist immer dasselbe, immer dasselbe. Ich habe nichts gehört, vielleicht wollen sie es mir sagen, bevor sie es euch, also der Medien, sagen. Ich habe schon genug Transfersachen durchgemacht, um zu wissen, dass das alles ein Haufen Unsinn ist.“