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Die Achtelfinalpaarung zwischen den USA und Belgien bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 weckt sofort Erinnerungen an das selbige Duell in Brasilien bei der WM 2014. Für Ex-USA-Trainer Jürgen Klinsmann ist diese Konstellation mehr als nur ein weiteres K.o.-Spiel. Ein Sieg gegen die Belgier wäre aus seiner Sicht ein echtes Zeichen für die weitere Entwicklung des US-Fußballs.

Belgien als leichter Favorit, die USA mit wachsendem Selbstvertrauen
Als die USA im Achtelfinale auf Belgien gelost wurden, war der Blick unweigerlich zurück auf die WM 2014 gerichtet, als beide Teams bereits in derselben Turnierphase aufeinandertrafen. Damals verpassten die USA den ersten Viertelfinaleinzug seit Korea/Japan 2002 nur hauchdünn. Torwart Tim Howard parierte sensationelle 16 Schüsse, musste sich am Ende aber in der Verlängerung mit 1:2 geschlagen geben.
Bemerkenswert ist auch, dass vier Spieler aus dem belgischen Siegerteam von damals wieder dabei sein werden, wenn Mauricio Pochettinos Mannschaft am Montag in Seattle antritt. Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Axel Witsel stehen erneut im Kader der Roten Teufel. Obwohl Belgien die USA im März bereits in einem Freundschaftsspiel mit 5:2 bezwang, erwartet Klinsmann ein offenes Duell. Die US-Auswahl geht mit viel Selbstvertrauen in die Partie und kann nach dem aberkannten Platzverweis gegen Bosnien und Herzegowina wieder auf Stürmer Folarin Balogun bauen. Belgien wiederum hat nach einem holprigen Start in das Turnier zuletzt an Fahrt aufgenommen.

Klinsmann erinnert sich an Brasilien 2014
Vor dem richtungsweisenden Spiel sprach Klinsmann, inzwischen Mitglied der FIFA Technical Study Group für die WM 2026, mit der FIFA über seine Erinnerungen an Brasilien 2014, über Howards Ausnahmeleistung und darüber, was ein US-Sieg bedeuten würde.
FIFA: Wie beurteilen Sie das bevorstehende Duell der USA mit Belgien?
Jürgen Klinsmann: Ich würde Belgien leicht als Favoriten einstufen, wegen seiner Historie und der Qualität der Mannschaft. Außerdem haben sie im März in dem Freundschaftsspiel sehr stark gegen die USA ausgesehen und 5:2 gewonnen, deshalb sehe ich die Favoritenrolle bei Belgien. Aber das US-Team ist gereift und hat jetzt ein enormes Maß an Selbstvertrauen, auch durch das Heimrecht und den guten Lauf. Sie haben sich im ersten Spiel gegen Paraguay in der ersten Halbzeit selbst eine hohe Messlatte gesetzt und wenn sie diesem Niveau nahekommen, sind sie in der Lage, Belgien zu schlagen.
Belgien ist zunächst etwas schleppend gestartet und hat in den letzten beiden Spielen acht Tore erzielt. Was hat Sie an dieser Mannschaft am meisten beeindruckt?
Ihre Erfahrung. Sie wissen genau, wann sie einen Gang höher schalten und das Niveau anheben müssen. Sie haben Spieler, die in Sekundenbruchteilen den Unterschied ausmachen können. Sie sind an solche Situationen gewöhnt, das ist eine Turniermannschaft. Sie gehören nicht zu den ganz großen Favoriten auf den WM-Titel, können aber jeden Favoriten im Turnier bestrafen, wenn sie wollen. Das ist ein Team mit Qualität und Erfahrung, und es wird sich von 70.000 bis 80.000 Fans, die gegen sie anfeuern, nicht beeindrucken lassen. Für sie ist das ein ganz normaler Arbeitstag.
Die Lehren aus dem Thriller von Rio
Dieses Spiel weckt Erinnerungen an das Duell bei der WM 2014 in Brasilien. Wie zuversichtlich waren Sie vor dieser Partie?
Absolut. Wir gingen mit der Überzeugung hinein, dass wir sie schlagen können, weil wir in der Gruppenphase gezeigt hatten, dass wir die Großen ärgern können. Gegen Portugal waren wir bis zur 94. Minute mit 2:1 in Führung, ehe Ronaldo und Co. in Manaus noch ausglichen. Dann wären wir sogar Gruppenerster gewesen, vor dem Spiel gegen Deutschland, das wir mit ein paar sehr guten Chancen ebenfalls fast erwischt hätten, obwohl wir dort 0:1 verloren.
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Nach dieser sogenannten Gruppe des Todes hatten wir das Gefühl, auch Belgien schlagen zu können. Auch wenn sie an diesem Tag die dominantere Mannschaft waren und mehr Chancen hatten als wir, hätten wir unsere Möglichkeiten gehabt. Natürlich hat Tim Howard fantastisch gespielt und uns mehrfach gerettet. Wenn wir eine dieser Chancen nutzen, hätten wir vielleicht sogar die Gelegenheit zu einem Elfmeterschießen bekommen.
Tim Howard hält mit 16 Paraden bis heute den WM-Rekord. Wie stark war seine Leistung an diesem Tag?
Sie war außergewöhnlich. Solche Tage als Torhüter bleiben ein Leben lang im Gedächtnis, und man kann seinen Enkeln eines Tages viele Geschichten darüber erzählen. Es war fantastisch, wir waren sehr stolz auf Tim. Und wir waren stolz auf die gesamte Mannschaft und das, was sie in Brasilien erreicht hat. Aber es gab damals definitiv eine Chance, Belgien in diesem Achtelfinale zu schlagen.
Zum Schluss: Was würde ein Sieg der USA gegen einen globalen Schwergewicht wie Belgien bei einer Weltmeisterschaft bedeuten?
Es würde sehr viel bedeuten, weil sich das Spiel in den vergangenen drei oder vier Jahrzehnten stetig weiterentwickelt hat. Seit 1990 gab es in den USA so viele Meilensteine, die das gesamte Programm geprägt haben, und ein solcher Erfolg würde diesem Prozess im US-Fußball einen weiteren wichtigen Baustein hinzufügen. Der Sport ist überall enorm populär, aber der Einzug in die nächste Runde einer Weltmeisterschaft würde dem Ganzen noch einmal zusätzlichen Schub geben.