Jonathan Tah verarbeitet den verschossenen Elfmeter beim WM-Desaster

Jonathan Tah hat verraten, wie er den verschossenen Elfmeter und das frühe WM-Aus mit der deutschen Nationalmannschaft verarbeitet hat. Der Innenverteidiger des FC Bayern setzt dabei bewusst auf Distanz zu sozialen Medien und auf einen strukturierten Reflexionsprozess statt auf schnelle Verdrängung.

Jonathan Tah verschießt den sechsten Elfmeter Deutschlands im Elfmeterschießen des WM-2026-Sechzehntelfinales gegen Paraguay am 29. Juni 2026 im Boston Stadium in Foxborough, Massachusetts. (Foto: Megan Briggs/Getty Images)
Jonathan Tah verschießt den sechsten Elfmeter Deutschlands im Elfmeterschießen des WM-2026-Sechzehntelfinales gegen Paraguay am 29. Juni 2026 im Boston Stadium in Foxborough, Massachusetts. (Foto: Megan Briggs/Getty Images)

Bewusste Analyse statt Verdrängung

Auf der Vereinsseite des FC Bayern schilderte Tah seine persönliche Methode, mit Rückschlägen umzugehen. „Ich lasse solche Situationen zuerst wirken und analysiere sie dann sehr bewusst: Was ist passiert, warum fühle ich mich so, ist das berechtigt oder spielt sich vieles nur in meinem Kopf ab?“, erklärte der Abwehrspieler. Dabei helfe ihm eine Art schriftliche Aufarbeitung. „Ich schreibe mir meine Gedanken auf, schaue sie mir in Ruhe an und wenn ich das getan habe, ist es für mich irgendwann erledigt und ich kann den Fokus wieder auf die neue Saison legen.“ Erst durch diesen bewussten Abschluss gelingt es dem 30-Jährigen offenbar, den Kopf für neue Aufgaben freizubekommen.

Rückzug aus sozialen Netzwerken nach dem Elfer-Drama

Tah hatte im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Paraguay im Elfmeterschießen den entscheidenden Fehlschuss verursacht. In der Folgezeit mied der Nationalspieler bewusst die digitalen Plattformen. Gerade in der heutigen Zeit sei „die Gefahr groß, dass man sich zu schnell in Social Media und den vielen Meinungen verliert“, so der Verteidiger. „Direkt nach der WM war ich deshalb gar nicht auf Social Media aktiv, ich habe keine Kommentare gelesen.“ Über Umwege habe er dennoch erfahren, dass es unter den Reaktionen auch rassistische und hasserfüllte Nachrichten gegeben habe. „Leider hatte ich das vorher schon geahnt“, fügte er hinzu, was auf eine bittere Erfahrung mit früheren Anfeindungen hindeutet.

Fokus auf positive Stimmen und mentale Stärke

Trotz der Hetze im Netz betonte Tah, dass es gleichzeitig sehr viele positive Rückmeldungen gegeben habe. „Auf diese Stimmen möchte ich meinen Fokus legen. Statt mich von Anfeindungen im Internet beeinflussen zu lassen, bleibe ich bei mir, spreche mit meiner Frau oder engen Freunden, das bringt mich weiter“, sagte der Bayern-Profi. Für ihn sei diese Erfahrung eine Lehre für die gesamte Gesellschaft. Er glaube, „wir alle können daraus lernen, wie wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Wenn es viele positive Stimmen gibt, werden die negativen automatisch leiser.“ Tah machte deutlich, dass dieses Prinzip nicht nur für den Profifußball gelte. „Das gilt nicht nur, wenn ich einen Elfmeter verschieße. Das gilt genauso, wenn ein Junge in der Schule geärgert wird oder wenn jemand auf der Straße beleidigt wird. Mentale Stärke braucht jeder, nicht nur Profis.“