Ein Comeback zum Vergessen für Adi Hütter: Nach 1933 Tagen kehrte der Österreicher als Trainer an die Seitenlinie des Deutsche Bank Parks von Eintracht Frankfurt zurück und musste eine bittere 1:4-Heimniederlage gegen den FC Augsburg hinnehmen. Die Fuggerstädter nutzten ihre Effizienz gnadenlos aus und stehen dank sechs Punkten und einem Torverhältnis von 7:1 erstmals in der Vereinsgeschichte an der Spitze der Fußball-Bundesliga.

Dabei hatte alles nach einem klaren Frankfurter Erfolg ausgesehen. Die Hessen dominierten über weite Strecken der Partie, ließen aber wegen anhaltender Abwehrschwächen den ersten Saisonsieg fahrlässig liegen. Jonathan Burkardt brachte die Eintracht früh in Führung, ehe Augsburg nach der Pause binnen weniger Minuten das Spiel komplett drehte.
Frankfurt verschenkt frühe Führung
Bereits in der 6. Minute schlug Burkardt zu. Nach einem feinen Steckpass von Can Uzun brachte Younes Ebnoutalib das Spielgerät an den zweiten Pfosten, wo Burkardt sich im Luftduell gegen Hennes Behrens durchsetzte und wuchtig einköpfte. Die Eintracht blieb tonangebend und hätte früh nachlegen können. Robin Koch scheiterte per Kopf (8.), auch Uzun (11.) nach einem Lupfer von Ebnoutalib fand keinen Weg ins Tor. Erst nach rund 20 Minuten stabilisierte sich die Augsburger Defensive etwas. Offensiv blieb beim FCA, der ohne den kurzfristig wegen muskulärer Probleme ausgefallenen Anton Kade auskommen musste, allerdings fast nichts zu holen. Einzig ein Freistoß von Fabian Rieder knapp vorbei (45.+1) sorgte für Aufregung im gegnerischen Strafraum. Dass es zur Pause nur 1:0 stand, lag vor allem an zwei vergebenen Großchancen von Ebnoutalib (39., 41.), der die Vorentscheidung hätte einleiten können.

Augsburgs Aufholjagd nach der Pause
Was dann folgte, glich einem Erdrutsch. Schon 28 Sekunden nach Wiederanpfiff fälschte Elias Baum einen Kopfball von Arijon Ibrahimovic unhaltbar zum Ausgleich ab. Nur eine Minute später, in der 47. Minute, patzte Frankfurts neue Nummer eins Noah Atubolu bei einem eigentlich harmlosen Schuss und ließ das Spielgerät fallen, Robin Fellhauer bedankte sich und stellte auf 2:1 für die Gäste. Die Eintracht verlor daraufhin komplett den Faden und fand keine Antworten mehr. Augsburg nutzte die Verunsicherung der Frankfurter clever für Kontersituationen. Einwechselspieler Alexis Claude-Maurice erhöhte in der 65. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer auf 3:1, ehe Rieder in der 89. Minute per direkt verwandeltem Freistoß den 4:1-Endstand besiegelte. Manuel Baums Mannschaft agierte in der ersten Halbzeit phasenweise desolat, konnte sich den Auswärtserfolg durch die enorme Leistungssteigerung nach der Pause aber letztlich verdient erarbeiten. An die überzeugende Vorstellung beim 3:0 gegen Schalke knüpften die Augsburger damit zwar erst spät, dafür umso wirkungsvoller an.

Abseits des sportlichen Geschehens herrschte bei der Eintracht in der Woche der Schließung des Transferfensters ohnehin schon Unruhe. Vor allem Gerüchte um einen möglichen Abschied von Sportvorstand Markus Krösche sorgten für Wirbel im Umfeld. Nach einer Sitzung des Aufsichtsrats erhielt Krösche zwar eine vorsichtige Rückendeckung, von echter Ruhe kann am Main aber weiterhin keine Rede sein. In diesem angespannten Umfeld rückte Last-Minute-Neuzugang Lilian Brassier gleich in die Startelf, um der zuletzt wackligen Abwehr mehr Stabilität zu verleihen. Gefordert war die Defensive zunächst kaum, ehe sie in der zweiten Halbzeit umso deutlicher an ihre Grenzen stieß.