Im Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs setzt DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke nicht auf einen Eklat, sondern auf Einsicht. Er hoffe, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino von sich aus das Amt räumt, sagte Watzke im Deutschlandfunk. Ein solcher Schritt sei zumindest denkbar, so der 67-Jährige.

Watzke begründete seine Hoffnung mit der Sorge um die Einheit des Fußballs. Ein freiwilliger Rückzug Infantinos sei notwendig, „um den Fußball nicht so einer Zerreißprobe auszusetzen“, erklärte er. Wörtlich fügte er hinzu: „Ich hoffe, dass er das irgendwann selbst realisiert.“ Vor dem Hintergrund des aktuellen FIFA-Machtkampfs ist Watzkes Position damit eindeutig.
Watzke lobt Geschlossenheit der UEFA
Der DFB-Funktionär, der auch Mitglied im Exekutivkomitee der UEFA ist, zeigte sich erschüttert über die Entwicklungen, die sich zuletzt im Weltverband abgespielt haben. Umso positiver bewertete er den geschlossenen Widerstand der europäischen Verbände gegen Infantinos Kurs. „Das war für mich auch ein gutes Zeichen der UEFA, dass wir das so geschlossen abgelehnt haben“, betonte Watzke.
Besonders wichtig sei es gewesen, klare Verhältnisse zu schaffen, so der ehemalige Dortmund-Boss weiter. Man habe eine „glasklare und nicht verhandelbare schriftliche Aussage der FIFA“ verlangt, „dass dieses Ding nicht nur tot ist, sondern dass auch niemand versucht, das wieder zum Leben zu erwecken“. Auslöser der Krisenstimmung war ein inzwischen verworfener Plan, wonach Anteile an FIFA-Turnieren an private Investoren veräußert werden sollten, darunter auch Geldgeber aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump. Die Rolle, die Infantino bei diesem Vorhaben spielte, hat das Vertrauen innerhalb des Verbandes nachhaltig erschüttert. Die UEFA hatte daraufhin zunächst sogar mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben gedroht.
UEFA bereitet Strafanzeige vor und drängt auf Rückzug
Der Konflikt hat inzwischen eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die UEFA fordert offen den Rücktritt Infantinos und bereitet eine Strafanzeige in der Schweiz gegen den FIFA-Chef vor. Ziel der europäischen Dachorganisation ist es, den Schweizer noch vor der Präsidentschaftswahl beim FIFA-Kongress im März 2027 zur Aufgabe zu bewegen.
Watzke machte deutlich, dass er in dieser Frage die offizielle Linie der UEFA vertritt. Ein Weiterregieren Infantinos sei aus seiner Sicht keine Option mehr, „allein schon aus Vertrauensgründen“. Gleichzeitig stellte er klar, dass man ein anderes Ergebnis akzeptieren würde, sollte sich die demokratische Basis anders entscheiden. Werde Infantino trotz allem wiedergewählt, wolle man dies respektieren, so Watzke. Eine erneute Boykottdrohung gegen die FIFA schloss er für diesen Fall ausdrücklich aus.