Deutscher U21-Nationalspieler vor Wechsel: Karim Coulibaly geht offenbar zu Racing Straßburg

Werder Bremen steuert offenbar auf den zweitteuersten Transfer der Vereinshistorie zu. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat der Bundesligist das dritte und wohl finale Angebot von Racing Straßburg für Abwehrtalent Karim Coulibaly (19) akzeptiert. Damit rückt ein Wechsel des deutschen U21-Nationalspielers in die Ligue 1 in greifbare Nähe.

BREMEN, DEUTSCHLAND - 29. November 2025: Karim Coulibaly von Werder Bremen in Aktion während des Bundesliga-Spiels gegen den 1. FC Köln im Weserstadion. (Foto: Stuart Franklin/Getty Images)
BREMEN, DEUTSCHLAND – 29. November 2025: Karim Coulibaly von Werder Bremen in Aktion während des Bundesliga-Spiels gegen den 1. FC Köln im Weserstadion. (Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Die vereinbarte Summe bleibt deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen der Grün-Weißen, die im Vorfeld angeblich auf bis zu 40 Millionen Euro spekuliert hatten. Dennoch wollten die Bremer Verantwortlichen einen überhasteten Verkauf unter Zeitdruck kurz vor Ende der Transferperiode unbedingt vermeiden und ließen sich auf ein tragfähiges Angebot ein.

Basisablöse von 20 Millionen Euro plus Boni

Konkret soll Coulibaly für eine Grundablöse von 20 Millionen Euro nach Frankreich wechseln. Hinzu kommen mögliche Bonuszahlungen von bis zu 5 Millionen Euro, sodass sich das Gesamtpaket auf bis zu 25 Millionen Euro belaufen kann. Das liegt zwar leicht unter dem aktuellen Marktwert des Innenverteidigers von 28 Millionen Euro, könnte aber durch eine vereinbarte Weiterverkaufsbeteiligung von 10 Prozent künftig noch übertroffen werden. Damit würde sich Coulibaly in der Rangliste der teuersten Bremer Abgänge unmittelbar hinter Diego (41) einordnen, der 2009 für 27 Millionen Euro zu Juventus Turin wechselte, und zunächst gleichauf mit Thomas Delaney (34), der 2018 zum BVB ging. Bei Straßburg würde Coulibaly finanziell mit Rekordzugang Abakar Sylla (23) gleichziehen, der 2023 vom FC Brügge kam, dort bislang aber nicht überzeugen konnte. Der Medizincheck soll für den Defensivspieler bereits freigegeben worden sein, eine zeitnahe Anreise nach Frankreich gilt als wahrscheinlich. In der vergangenen Spielzeit hatte Coulibaly als gerade 18-Jähriger den Sprung in die Bundesliga geschafft und stand in 24 von 27 möglichen Partien in der Startelf. Den gesamten Sommer über wurde er bei den finanziell angespannten Bremern als möglicher Verkaufskandidat gehandelt, dessen Ablöseerlös helfen soll, weitere Transfers zu stemmen.

SKIEN, NORWEGEN - 08. Oktober 2025: Francis Onyeka und Karim Coulibaly feiern den dritten Treffer der deutschen U19-Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen Armenien im Odd Stadium. (Foto: Marius Nordnes/Nordnes Foto/Getty Images für DFB)
SKIEN, NORWEGEN – 08. Oktober 2025: Francis Onyeka und Karim Coulibaly feiern den dritten Treffer der deutschen U19-Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen Armenien im Odd Stadium. (Foto: Marius Nordnes/Nordnes Foto/Getty Images für DFB)

Vom Plattenbau in Steilshoop zum Bundesliga-Profi

Die sportliche Geschichte des gebürtigen Hamburgers liest sich wie ein Aufstiegsmärchen. 1999 war Coulibalys Vater aus der Elfenbeinküste nach Deutschland gekommen und hatte als Logistiker Arbeit gefunden. Sieben Jahre später holte er seine Ehefrau nach, im Mai 2007 kam Karim als erstes von später fünf Kindern zur Welt. Aufgewachsen ist er in der Hamburger Sozialbausiedlung Steilshoop, zwischen grauen Hochhausblöcken, wo ihm sein Vater früh die Grundlagen des Fußballs vermittelte. 2012 schloss sich der damals Fünfjährige dem Bramsfelder SV an, seinem ersten Verein, dem er bis heute dankbar verbunden ist. Nach vier Jahren führte ihn sein Weg in die Jugend von Barmbek, wo der HSV auf ihn aufmerksam wurde und ihn bereits im Alter von zehn Jahren verpflichtete. Beim Hamburger Traditionsklub reifte Coulibaly zum echten Perspektivspieler. 2022 unterschrieb er bei der Berateragentur Total Sport Agency, ein Schritt, der sich später als entscheidend für seinen Wechsel nach Bremen erweisen sollte. Agentur-Chef Nochi Hamasor stellte den Kontakt zu den Werder-Verantwortlichen her. Nach konstruktiven Gesprächen mit Kaderplaner Johannes Jahns, Ex-Sportchef Frank Baumann und dessen Nachfolger Clemens Fritz stand früh fest, dass Coulibaly, um den auch Klubs wie Inter Mailand und Benfica Lissabon geworben hatten, im Sommer 2024 an die Weser wechseln würde.

Durchbruch nach Verletzungspause und Verteidiger-Not

In Bremen gewann Coulibaly nach einer längeren verletzungsbedingten Pause zunächst den DFB-Pokal mit der U19, bevor er mit den Profis ins Trainingslager nach Österreich reiste und dort zeigte, dass er auch im Herrenbereich bestehen kann. Als zu Saisonbeginn vor allem in der Abwehr personelle Engpässe entstanden, erhielt das Talent früh seine Chance in der Bundesliga und nutzte sie konsequent. Vor dem Auswärtsspiel in Heidenheim hatte Coulibaly bereits 462 von 540 möglichen Bundesliga-Minuten gesammelt und dabei Routinier Amos Pieper in der internen Hierarchie überholt. Sein Marktwert stieg binnen wenigen Monaten um 700 Prozent, von einer auf acht Millionen Euro. Der nun anstehende Wechsel nach Straßburg wäre somit nur das vorläufig letzte Kapitel einer bemerkenswerten Entwicklung, die längst noch nicht am Ende angekommen scheint. Auch Jürgen Klopp wird die Entwicklung aufmerksam verfolgen.