Nach dem geplatzten Investorendeal geht die UEFA in die Offensive: Der europäische Fußball-Dachverband droht FIFA-Präsident Gianni Infantino mit rechtlichen Konsequenzen und fordert die Sicherung sämtlicher Unterlagen zu dem gescheiterten Projekt.

Brisantes Schreiben an FIFA-Chef Infantino
Die UEFA hat gegenüber dem SID bestätigt, dass ein offizielles Schreiben zur Beweissicherung an Infantino verschickt wurde. Zuerst hatten die britische Zeitung Telegraph sowie die BBC über den Vorgang berichtet. Wie es in dem Dokument laut BBC heißt, prüfe man derzeit „aktive rechtliche Schritte, Schiedsverfahren und/oder Beschwerden bei Aufsichtsbehörden“ im Zusammenhang mit den Plänen, die der Weltverband ausgearbeitet hatte. Der Ton des Schreibens lässt keinen Interpretationsspielraum: Die europäische Fußball-Union verlangt von den FIFA-Verantwortlichen unmissverständlich, keine Dokumente zu vernichten, die im Zuge des Verfahrens relevant werden könnten.
UEFA fordert sofortige Sicherung aller Dokumente
Konkret erwarte man „sofortige Maßnahmen zur Identifizierung, Lokalisierung und Sicherung“ der entsprechenden Unterlagen sowie „elektronisch gespeicherter Informationen, die sich in Ihrem oder dem Besitz, der Verwahrung oder der Kontrolle der FIFA befinden“. Die UEFA stellt dabei klar, dass diese Verpflichtungen unabhängig von etwaigen internen Aufbewahrungsrichtlinien der FIFA gelten. Wörtlich heißt es in dem Schreiben weiter: „Und sie haben Vorrang vor allen routinemäßigen Richtlinien zur Vernichtung oder Löschung von Dokumenten, die andernfalls gelten würden.“ Damit signalisiert der Verband, dass er sich auf einen möglichen Rechtsstreit bereits juristisch vorbereitet.
FIFA zieht Investorenpläne nach Kritik zurück
Hintergrund des Konflikts ist das Aus für die umstrittenen Investorenpläne der FIFA, die nach heftiger Kritik, unter anderem von Seiten der UEFA, aufgegeben wurden. Infantino selbst verkündete den Rückzieher in der Nacht zum Samstag in einer offiziellen Stellungnahme. Vorgesehen war ursprünglich die Gründung der FIFA Forward Enterprise (FFE), einer Tochtergesellschaft, in der sämtliche kommerziellen Aktivitäten sowie die Organisation von Turnieren gebündelt werden sollten. Über diese Konstruktion wäre es möglich gewesen, auch Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an externe Investoren zu veräußern, ein Vorhaben, das branchenweit für erhebliche Unruhe gesorgt hatte.