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Nach dem peinlichen WM-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft gilt Jürgen Klopp in Fußball-Deutschland als Wunschlösung für den Bundestrainerposten. Der frühere Erfolgscoach von Borussia Dortmund und Liverpool stünde vor einem Auftrag mit gewaltigem Umbaupotenzial, das Experten vor allem in vier Bereichen sehen. Es geht um Kader, Nachwuchs, Spielidee und den richtigen Ton im Umgang mit der Nationalmannschaft. Nun könnte es ganz schnell gehen!

Ein Kader im Umbruch
Die Folgen des WM-Debakels sind längst über die Zukunft von Julian Nagelsmann hinaus spürbar. Laut Spiegel zitierte ein „einflussreicher Topmanager eines Spitzenklubs“ der Bundesliga die Erwartung, Klopp werde übernehmen, „so sicher wie das Amen in der Kirche“. Sollte es dazu kommen, müsste der neue Mann zunächst klären, wie tief der personelle Schnitt ausfällt.
Manuel Neuer ist endgültig Geschichte, andere dürften oder müssten ihm folgen. Aus der Ü30-Gruppe wären Oliver Baumann oder Antonio Rüdiger naheliegende Kandidaten für einen Abschied. Zugleich stellt sich die Frage, ob Klopp auch die „Generation nix“ anfasst, also die starken Jahrgänge 1995 und 1996 rund um Kapitän Joshua Kimmich. Ein Abgang von Leroy Sané oder Leon Goretzka wirkt dabei ebenfalls logisch. Klopp müsste also sehr genau prüfen, wer die DFB-Auswahl der Zukunft tragen kann.

Neue Talente, neue Achse
Mit dem personellen Umbau verbunden ist die Suche nach frischen Gesichtern. Klopp hat in seiner Karriere immer wieder bewiesen, dass er junge Spieler entwickeln kann. Mario Götze führte er einst in die Weltklasse. Beim DFB könnte sich ihm nun eine ganze Reihe an Talenten anbieten.
Lennart Karl, Assan Ouédraogo, Said El Mala oder Nicolò Tresoldi gelten als Kandidaten für neue Chancen. Dazu kommen mit Jamal Musiala, Florian Wirtz, Nathaniel Brown und Aleksandar Pavlovic weitere Spieler, die alle noch keine 24 Jahre alt sind. Auch Jonas Urbig drängt in München wie beim DFB ins Tor. Philipp Lahm formulierte es so: „Unser System wird immer gute Spieler hervorbringen“, wichtiger sei es aber, „eine Nationalmannschaft zu entwickeln“. Und dafür brauche es, wie der frühere Weltmeister-Kapitän ergänzte, „wieder mehr Klarheit, wie wir Fußball spielen wollen.“
Mehr Klarheit im Spiel
Genau an diesem Punkt wird Klopps Profil besonders interessant. Gegen Paraguay hatte die DFB-Elf über drei Viertel der Spielzeit den Ball, doch am Ende sprang nur ein mickriges Törchen heraus. Lahm kritisierte, es habe „keine Idee, wie sie agieren, wie sie zu Torchancen kommen, wie sie den Gegner vom eigenen Tor fernhalten will“.
Klopp bringt dagegen eine klare Vorstellung mit. Während Nagelsmanns Vorgaben den Spielern mitunter „zu kompliziert“ gewesen seien, steht Klopp für einen einfacheren, schnörkellosen Heavy-Metal-Fußball. Genau das könnte der Auswahl helfen, wieder eine belastbare Struktur zu finden und nicht nur den Besitz, sondern auch die Wirkung des Spiels zu verbessern.
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DNA, Kommunikation und Ausbildung
Die Identität spielt dabei eine zentrale Rolle. Für den früheren DFB-Kapitän Ilkay Gündogan ist sie das A und O. „Ich hatte bei der WM aber das Gefühl, dass die Spieler selbst nicht so richtig wussten, was unsere DNA ist.“ Klopp hatte als TV-Experte bereits gefordert, die Nationalelf müsse „runter vom hohen Vier-Sterne-Ross“ und sich auch einmal als Außenseiter begreifen. Über Zweikämpfe in eine Partie zu finden, erst einmal Gegentore verhindern zu wollen, auch das gehört für ihn zu dieser neuen Haltung. Bei einer WM gelang das letztmals im Finale 2014.
Hinzu kommt der Umgang mit der Gruppe. Nagelsmann habe in den USA selbst eingeräumt, dass die Last der ewig hohen Erwartung zu Hektik, Ungeduld und Chaos geführt habe, „Harakiri!“, rief er verzweifelt. Auch er habe die Mannschaft zuletzt wohl verloren, hieß es. Einzelkritik, das ständige Hin und Her bei Personalien, das In-den-Senkel-Stellen von Stars wie Fanliebling Deniz Undav, die missglückte Moderation der Neuer-Personalie und eine teils selbstverliebte Art kamen nicht gut an. Klopp trägt sein Ego zwar ebenfalls sichtbar vor sich her, kann aber eine Wagenburgmentalität erzeugen. „Wir gegen die! Und sei es gegen den Rest der Welt!“ So könnte er auch die Fans mitnehmen, die nach einem Jahrzehnt voller Fehlschläge nach einem Messias suchen.
Ganz am Ende steht die Ausbildungsfrage. Klopp hatte schon gefordert, „ab der U10“ müsse beim DFB alles strukturell hinterfragt werden. Gündogan riet ebenfalls dazu, „sich jetzt auch mal die Dynamiken innerhalb des DFB“ anzuschauen, „bis hinunter in die Jugendakademien“. Der Verband hat den Mangel erkannt und steuert seit 2024 gegen. Klopp sollte dabei nicht in Allmachtsfantasien verfallen, sondern gute Leute wie Hannes Wolf einfach arbeiten lassen.