Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
Die DFB-Auswahl steht im Sechzehntelfinale gegen Paraguay unter maximalem Druck. Für Julian Nagelsmann ist die Partie in Foxborough auch persönlich ein Endspiel, nachdem Deutschland die Vorrunde mit dem 1:2 gegen Ecuador enttäuschend abgeschlossen hat. Rudi Völler versucht zwar zu beruhigen, doch das Motto ist klar: Siegen oder fliegen. Für Deutschland beginnt nun der Do-or-Die-Modus der WM. Hier gibt es alle wichtigen Informationen zum Duell mit Paraguay am Montag, den 28. Juni, um 22.30 Uhr MESZ. Live im ZDF und bei MagentaTV.

DFB-Team vor einem echten K.o.-Spiel
Beim Abschlusstraining in Winston-Salem war Nagelsmann die Anspannung noch nicht anzumerken. Der Bundestrainer lachte mit seinen Kollegen aus dem Stab, hielt im Kreis den Ball hoch und machte beim Spielchen mit zwei Kontakten mit. Dass er dabei nicht ganz so elegant agierte wie Deniz Undav und die übrigen Spieler aus dem WM-Kader, spielte keine Rolle.
Schon vor dem Abflug nach Boston hatte Völler die nervösen Gemüter besänftigt. Der DFB-Sportdirektor gab sich gelassen und sagte: „Ich bin völlig beruhigt und relaxt, die Mannschaft wird alles reinhauen“. Zugleich machte Geschäftsführer Andreas Rettig die Lage unmissverständlich klar. „Wir wissen, dass wir das Messer am Hals haben“, betonte er. Auch Völler glaubt an den großen Kraftakt und ergänzte: „Der Glaube“, versicherte Völler, „ist da, dass wir ans Limit gehen.“

Nagelsmann sucht Lösungen gegen die Körperlichkeit
Die Niederlage gegen Ecuador hatte eine ganze Reihe von Problemen offengelegt, vor allem in den Zweikämpfen. Toni Kroos fasste die Lage mit Blick auf die Belastbarkeit der Mannschaft kritisch zusammen: „Tah, Rüdiger und mit Abstrichen Nmecha können über 90 Minuten physisch dagegenhalten, ansonsten sind das alles keine physischen Monster“. Diese Einschätzung hat auch Nagelsmann registriert. Körperlichkeit lasse sich in so kurzer Zeit kaum verbessern, räumte er ein. „Körperlichkeit“, sagte Nagelsmann, „ist schwer zu trainieren.“ Bis zum Duell mit Paraguay werde man sich „nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich“.
Deshalb setzt der Bundestrainer auf andere Stellschrauben. Im Offensivspiel soll es weniger „Harakiri bei der Positionierung“ geben, außerdem sollen die Kombinationen schneller laufen. „Wir müssen den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen. Oder wir schaffen im Kollektiv mehr Überzahlsituationen“, erklärte Nagelsmann. Personell kann er dabei aus dem Vollen schöpfen. Nathaniel Brown ist nach leichten Adduktorenproblemen wieder ins Training eingestiegen und dürfte links hinten in die Viererkette zurückkehren. Auch Kapitän Joshua Kimmich ist trotz der öffentlichen Debatte weiter als Rechtsverteidiger eingeplant.

Völler bleibt gelassen, Neuer steht im Fokus
Völler wischte die Diskussionen um Kimmich beiseite. „Die Diskussionen gab es schon immer. Er ist auf beiden Positionen Weltklasse“, sagte er und nannte Nagelsmann zugleich „einen absolutem Top-Trainer“. Gegen Paraguay sollen zudem Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic nach dem schwachen Auftritt gegen Ecuador erneut gemeinsam im Zentrum beginnen. Größere Überraschungen in der Startelf sind kaum zu erwarten. Das von Nagelsmann getestete 5-4-1 gegen den Ball gilt gegen Paraguay nicht als wahrscheinlich, eher als Option für ein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich.
Mit Frankreich will sich die DFB-Seite aber bewusst nicht befassen. „Mit Frankreich“, stellte Völler klar, „befassen wir uns gar nicht. Da gibt es überhaupt keinen Grund für.“ Im Hinterkopf hat er ohnehin noch die nicht vergessenen Vorrunden-Ausfälle von 2018 und 2022. Gleichzeitig weiß er aus eigener Erfahrung, wie unangenehm Paraguay auftreten kann. Im WM-Achtelfinale 2002 mühte sich das deutsche Team unter Völler zu einem 1:0, Oliver Neuville traf erst in der 88. Minute. „Damit könnte ich auch dieses Mal gut leben“, sagte Völler und grinste.
Damit ihm das Lächeln nicht vergeht, muss auch Manuel Neuer zulegen. Der 40-Jährige kassierte gegen Ecuador vier Gegentore bei sieben Schüssen auf sein Tor und leistete sich erstmals einen Patzer. Dass der Rückkehrer mit Drucksituationen umgehen kann, hat er zwar immer wieder bewiesen. Doch ob das auch für den Rest der Mannschaft gilt, wird sich gegen Paraguay zeigen. Andreas Rettig erinnerte bei MagentaTV an die Situation vor der WM-Qualifikation gegen die Slowakei. Auch damals sei der Druck enorm gewesen. In Leipzig folgte im November dann ein eindrucksvolles 6:0, mit dem sich der viermalige Weltmeister das Turnierticket sicherte. Genau ein solcher Auftritt würde die Fußball-Nation nun sofort wieder beruhigen.