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Nach der 1:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel Ecuador gegen Deutschland hat sich Bundestrainer Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz betont gelassen gegeben. Den Gruppensieg in der Gruppe E hatte die DFB-Elf bereits vor dem Spiel sicher, sportlich ging es also tabellarisch um nichts mehr, dennoch sprach Nagelsmann von einem verdienten Erfolg der Südamerikaner und mahnte vor dem Sechzehntelfinale am Montag in Boston vor allem eines an: mehr Geduld.
Den einzigen deutschen Treffer erzielte Leroy Sané, am Ende setzte sich Deutschlands Gegner Ecuador aber verdient durch. „Erstmal Glückwunsch an Ecuador zum verdienten Sieg, das muss man anerkennen“, sagte Nagelsmann.
Verdiente Niederlage: Nagelsmann fordert mehr Geduld
Den Schlüssel zur Niederlage sah der Bundestrainer im eigenen Verhalten nach dem guten Start. „Wir haben sehr früh, sehr schnell die Positionen verlassen, dann war es schwer anzupassen, als Ecuador früher Druck gemacht hat“, erklärte Nagelsmann. „Wir verlieren nach der Führung ein bisschen die Kontrolle, und das ist das Thema, das wir in Zukunft nicht mehr brauchen.“ Sein zentraler Appell: „Wichtig ist, dass wir das Thema Geduld ein bisschen mehr reinkriegen und am Montag gewinnen.“
Bei den strittigen Szenen blieb Nagelsmann diplomatisch: „Ich hätte das Tor nicht gegeben, aber das tut nichts zur Sache. Ich hätte dafür den Elfmeter gegeben, dann gleicht sich das wieder aus.“ Auch eine vermeintliche Auseinandersetzung mit Ecuadors Trainer Sebastián Beccacece relativierte er: „Während des Spiels habe ich kein Wort mit ihm gewechselt. Vor dem Spiel habe ich Hallo gesagt, nach dem Spiel Glückwunsch.“
Kein Drama vor dem Sechzehntelfinale
Von einer Krisenstimmung wollte Nagelsmann trotz der ersten Niederlage nach elf Siegen in Folge nichts wissen. „Wir bauen die Zelte jetzt nicht ab und packen zusammen, sondern fliegen am Sonntag nach Boston, um am Montag dort zu gewinnen“, betonte er. „Niederlagen sind nie gut, auch nicht in einem Spiel, in dem es tabellarisch um nichts ging. Aber wir müssen die Lehren daraus ziehen und es dann rechtzeitig abhaken.“
Für das anstehende K.o.-Spiel gab sich der Bundestrainer zuversichtlich: „Wir haben elf Spiele in Folge gewonnen, jetzt leider wieder eines verloren. Jetzt geht es darum, am Montag mit dem nötigen Selbstvertrauen ein sehr gutes Spiel zu machen und die nächste Runde zu erreichen.“ An der Einstellung habe es nicht gelegen: „Wir wollten schon gewinnen, das war kein Einstellungsthema. Inhaltlich hätte vielleicht ein bisschen mehr kommen können.“ Die Atmosphäre im Stadion beschrieb er als „Topstimmung“, die sich teilweise „wie in Südamerika“ angefühlt habe. „Daran lag es aus deutscher Sicht auf keinen Fall, dass wir nicht gewonnen haben.“
Die Wechsel, Neuer und die Gegentore
Die vielen Wechsel und die Rotation verteidigte Nagelsmann. „Es war bewusst so gewählt, dass wir die Spielzeit ein bisschen verteilen, wir vertrauen allen Spielern im Kader“, sagte er. Dass es nach den Wechseln lange gedauert habe, bis die Mannschaft wieder Struktur fand, sei „normal, das ist kein Vorwurf“. Kapitän Joshua Kimmich nahm er nach gut einer Viertelstunde bewusst vom Feld: „Das war vorher abgesprochen, er hatte eine sehr anstrengende Saison bei Bayern und reagiert muskulär, wenn er viel spielt. Da wollten wir kein Risiko eingehen, damit er für Montag frisch ist.“
Den zurückgekehrten Torhüter Manuel Neuer nahm Nagelsmann bei den Gegentoren in Schutz. „Beim ersten Tor geht der Ball durch die Beine, das ist für einen Torwart immer schwer, weil du das ganze Tor verteidigen musst. Das zweite ist ein verlängerter Ball am ersten Pfosten, mit dieser Dynamik ist es extrem schwer zu reagieren“, analysierte er. „Das müssen wir vorher anders verteidigen, für den Torwart ist das eine undankbare Situation.“ Die Umstellung auf eine Fünferkette in der Schlussphase wertete er positiv: „Aus diesem tiefen Block haben wir keine Chance mehr zugelassen. Das ist auf jeden Fall auch eine Variante für die Zukunft.“ Mit Blick auf die Körperlichkeit der Ecuadorianer stellte er klar: „Bis Montag werden wir uns im Oberkörperbereich nicht mehr auftrainieren können.“
Sané, Wirtz, Musiala und die Kimmich-Frage
Über den Torschützen Leroy Sané, an dem er trotz Kritik festgehalten hatte, freute sich Nagelsmann sichtlich. Bei Florian Wirtz fehle aktuell noch das Glück: „Flo war heute sehr bemüht, hat Gas gegeben, hatte zwei, drei Top-Dribblings im Strafraum. Ihm fehlt gerade noch das Tor, aber diese Dosenöffner-Aktion wird kommen, da bin ich mir ganz sicher, die kommt am Montag.“ Bei Jamal Musiala setzt der Bundestrainer auf Rhythmus: „Er war über ein Jahr weg, dem müssen wir Rhythmus geben. Wir wissen alle, welche Fähigkeiten er hat. Er muss an sich glauben und gar nicht so viel nachdenken, sondern einfach spielen.“
Eine Rückkehr von Kimmich ins zentrale Mittelfeld schloss Nagelsmann für die WM nicht völlig aus, bremste die Debatte aber: „Inhaltlich vielleicht, aber Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic machen das sehr, sehr gut, ich will auf keinen von beiden verzichten. Jo ist ein Top-Sechser, aber für uns hinten rechts auch ein Top-Aufbauspieler. Im Fußball darf man nie etwas ausschließen, aber akut habe ich das nicht geplant.“ Am Sonntag steht in Boston ein gemeinsames Abschlusstraining an, ehe es am Montag im Sechzehntelfinale um den Einzug in die nächste Runde geht.
Hier kann man das Video bei Youtube anschauen.
