Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
- 1 Tabelle der WM 2026 Gruppe I
- 2 Solbakken schaut bereits über Frankreich hinaus
- 3 Lehren aus der Hitze und dem Senegal-Spiel
- 4 Die Entwicklung des Teams und das Duell mit Mbappé
- 5 Frankreich als Vorbild, Brasilien nur als Ferndebatte
- 6 Solbakken nennt Alternativen für die rechte Abwehrseite
- 7 Haaland denkt an den Teamerfolg statt an die Torjägerkrone
Ståle Solbakken blickt vor dem WM 2026 Gruppenspiel gegen Frankreich nicht nur auf den direkten Showdown, sondern längst auch auf die K.o.-Runde. Der Norwegen-Coach macht klar, dass die Belastung, die Reisestrapazen und der eine zusätzliche Ruhetag im Turnierverlauf größer wiegen als der reine Gruppensieg. Gleichzeitig ordnet er das Duell mit Frankreich als Prüfstein auf höchstem Niveau ein. Norwegen steht vor dem größten Gruppenspiel der FIFA-Weltmeisterschaft 2026. Am Freitag (26. Juni, 21:00 Uhr MESZ) trifft die Mannschaft von Nationaltrainer Ståle Solbakken im Gillette Stadium auf Mitfavorit Frankreich.

Tabelle der WM 2026 Gruppe I
Solbakken schaut bereits über Frankreich hinaus
Im Vorfeld der Partie am Freitag, 26. Juni 2026, um 21 Uhr MESZ im Gillette Stadium in Foxborough machte Solbakken deutlich, dass Norwegen den Blick bereits auf die Sechzehntelfinalrunde richtet. Nach dem dritten Gruppenspieltag der WM 2026 in der Gruppe I steht das Treffen mit Frankreich an, während parallel in Toronto Senegal und Irak ihren letzten Gruppeneinsatz bestreiten. Die Konstellation entscheidet über den Endstand in der sogenannten Todesgruppe.
Der norwegische Nationaltrainer betonte, dass ein möglicher Gruppensieg vor allem wegen der geringeren Reisewege diskutiert werde. Für ihn sei der Unterschied auf dieser Ebene aber nicht entscheidend, weil die Belastung im Turnier ohnehin enorm bleibe. Wichtiger sei, dass der Gruppenzweite im Vergleich einen Ruhetag weniger habe. Genau das sei aus seiner Sicht der größere Nachteil.
Nach dem Senegal-Spiel habe das Team zudem gelernt, wie hoch die körperliche Beanspruchung in dieser WM-Phase tatsächlich ist. Die Partie habe länger gedauert als 90 Minuten, dazu seien in der Schlussphase noch neun Nachspielminuten gekommen. Vor allem in den letzten 15 Minuten habe Norwegen stark gelitten.

Lehren aus der Hitze und dem Senegal-Spiel
Als Hauptgrund für die vielen Krämpfe nannte Solbakken die extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Die medizinische Abteilung und die Athletikexperten hätten das Thema bereits aufgearbeitet, die Auswertung habe ergeben, dass zu viele Spieler in den Pausen zu wenig getrunken hätten. Die Temperatur sei dabei gar nicht der entscheidende Faktor gewesen, wohl aber die Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent. Solbakken sagte sinngemäß, dass man diese Belastung nur mit besserer Vorbereitung und konsequenterer Lösung in den Griff bekomme.
Auf die Frage, ob sich die Situation künftig vermeiden lasse, verwies er darauf, dass man alles daransetzen werde, genau das zu verhindern. Dennoch schloss er nicht aus, dass einzelne Spieler, vor allem in der Defensive, grundsätzlich einmal zu Krämpfen neigen könnten, weil sie auf andere Weise gefordert werden. In diesem Fall hoffe er jedoch vor allem auf die Feuchtigkeit als Ursache, weil man daran konkret arbeiten könne.
Auch beim Thema Belastungssteuerung hielt sich der Coach bewusst bedeckt. Wer gegen Senegal geschont werde, werde sich erst später zeigen, erklärte er den Journalisten. Dass viele Spieler nach den Strapazen ungewöhnlich schnell an ihre Grenzen kamen, nahm er als Warnsignal mit in die weiteren Planungen.
Die Entwicklung des Teams und das Duell mit Mbappé
Rückblickend erklärte Solbakken, dass Norwegen schon 2024 angefangen habe, im offensiven Bereich neue Wege zu gehen. Besonders in den März-Testspielen gegen Slowenien und Tschechien habe man mit zwei offensiven Formationen experimentiert. Diese Phase habe dem Team spürbar geholfen, vor allem beim Nations-League-Heimspiel gegen Slowenien. Auch im verlorenen Vergleich mit Dänemark sei seine Mannschaft klar besser gewesen. Zudem hob er hervor, dass in den vier Freundschaftsspielen keine Belastungsprobleme aufgetreten seien.
Die Entwicklung habe die Mannschaft enger zusammengeschweißt und taktische Varianten ermöglicht, die man später mitgenommen habe. Anders als in einem Testspiel, in dem es keine direkten Folgen gebe, seien die positiven Erkenntnisse dann in den Wettbewerb übertragen worden. Mit dem bisher starken Start zeigte sich Solbakken insgesamt zufrieden. Gegen Irak sei die Mannschaft in der ersten Halbzeit noch etwas gehemmt gewesen, nach dem Seitenwechsel aber deutlich besser aufgetreten. Gegen Senegal habe Norwegen schließlich eine starke bis sehr starke Gesamtleistung gezeigt.

Besonders stolz sei er darauf, dass die Spieler das Wichtigste auf der größten Bühne abgerufen hätten. Für ihn sei das ein gutes Gefühl, auch weil viele Akteure bereits gezeigt hätten, dass sie in entscheidenden Momenten Matchwinner sein können. Familienbesuch und Unterstützung von außen spielten dabei ebenfalls eine Rolle. Solbakken sagte, dass es für jeden wichtig sei, Menschen aus dem privaten Umfeld dabeizuhaben. Seine Familie kenne ihn ohnehin als deutlich fröhlicheren Menschen nach Siegen, und er freue sich, sie im Stadion oder in der Nähe zu haben.
Zum Medienfokus auf Erling Haaland und Kylian Mbappé äußerte sich Solbakken gelassen. Er geht davon aus, dass beide Stars noch viele Jahre weltweit Schlagzeilen liefern werden. Die unterschiedliche Größe der Fußballnationen ändere nichts daran, dass beide zu den besten Spielern ihrer Position gehören. Ein klassisches Duell wie früher zwischen zwei dominierenden Einzelstars sieht er vor allem als Teil ihrer weiteren Karriereentwicklung.
Frankreich als Vorbild, Brasilien nur als Ferndebatte
Frankreich sei für Norwegen nicht nur der große Gegner, sondern auch ein Vorbild, erklärte der Coach. Les Bleus hätten bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften Erfahrung darin gesammelt, im dritten Gruppenspiel zu rotieren oder den Spielplan anzupassen. Genau daraus könne Norwegen lernen, wie man eine solche Turniersituation klug verwaltet. Für Solbakken ist Frankreich ein Team, das bereits mehrfach bewiesen hat, wie man solche Phasen taktisch sauber organisiert.
Frankreich Presskonferenz vor Norwegen mit Guy Stéphan: Les Bleus trotz Deschamps-Ausfall auf Kurs
Dennoch warnte er davor, jetzt zu gierig zu werden. Norwegen müsse smarter statt hungriger auftreten, um den nächsten Schritt zu machen. Die Spieler seien zwar gewohnt, alle drei Tage zu spielen, doch das aktuelle Turnier funktioniere anders. Mit den langen Hotelaufenthalten, häufigen Flügen, wechselnden Unterkünften und dem permanenten Druck entstehe eine völlig andere Art von Belastung. Sein Team dürfe nicht naiv werden, wenn es in der Sechzehntelfinalrunde bestehen wolle.
Dass Frankreich ohne seinen Chefcoach antritt, sah Solbakken als bedauerlich an. Er sprach den Betroffenen und der Familie von Didier Deschamps sein Mitgefühl aus. Zugleich verwies er darauf, dass Frankreich trotzdem in guten Händen sei, weil erfahrene Spieler und ein routinierter Assistent seit 2012 dabei seien. Für ein einzelnes Spiel könne das Team die Situation sehr gut auffangen.

Auch zur historischen Einordnung des norwegischen Laufs bezog Solbakken Stellung. Wenn manche Beobachter die Leistung unterschätzten, liege das auch daran, dass Norwegen seit 28 Jahren auf eine solche Phase gewartet habe. Im Inland sei die Begeisterung enorm, und die Mannschaft spüre diese Wärme rund um die Uhr. Mit dem zweiten Sieg habe Norwegen sich eine gute Ausgangsposition verschafft, um sich auf das Sechzehntelfinale zu konzentrieren, statt nach dem Senegal-Spiel noch um einen Punkt bangen zu müssen. Besonders wichtig sei ihm, dass das Team in den Spielen dann auf höchstem Niveau abliefert, wenn es am meisten zählt. Gegen Irak habe man zunächst Nervosität gespürt, gegen Senegal dann aber die richtige Reaktion gezeigt. Genau darin sehe er den größten Fortschritt.
Solbakken nennt Alternativen für die rechte Abwehrseite
Auf die rechte Abwehrseite angesprochen, nannte Solbakken mit Æger, Heggem, Langås und Aursnes vier mögliche Optionen, falls Julian Ryerson oder Markus Holmgren Pedersen ausfallen sollten. Eine endgültige Entscheidung wollte er vorab nicht verraten. Auch die Frage nach einer möglichen WM-Begegnung mit Brasilien schob er zur Seite. Norwegen habe zwar 2020 in einem Old-Boys-Spiel mit 3:0 gewonnen, dort habe er sich aber schon in der ersten Halbzeit die hintere Oberschenkelmuskulatur verletzt. In der aktuellen Situation sei jedoch allein Frankreich der Fokus, alles andere hänge vom Resultat des nächsten Tages ab.
Haaland denkt an den Teamerfolg statt an die Torjägerkrone
Beim Thema Torschützenkrone stellte Solbakken klar, dass Haaland nicht auf persönliche Auszeichnungen schiele. Für ihn stehe der Erfolg des Teams im Vordergrund. Der Stürmer denke wie ein großer Mannschaftsspieler und freue sich genauso über Treffer von Mitspielern wie über eigene Tore. Natürlich habe er den Instinkt, selbst abzuschließen, doch gerade in den größten Spielen und auf der größten Bühne sei seine wichtigste Qualität, dass er das Kollektiv an erste Stelle setze. Wer in dieser WM die Torschützenliste gewinnen wolle, müsse ohnehin bis ins Finale kommen, und genau dafür brauche selbst Haaland das Team um sich herum.
Vor dem Spitzenspiel gegen Frankreich stellte sich Norwegens Nationaltrainer Ståle Solbakken den Fragen der internationalen Medien.