Früherer DFB-Manager Bierhoff rät DFB bei USA-WM zu Zurückhaltung

Oliver Bierhoff rät dem DFB mit Blick auf die WM im Sommer zu einem klaren Schutzkurs für die Mannschaft. Angesichts der politischen Debatten um US-Präsident Donald Trump solle der Verband die Spieler aus allen Moraldebatten heraushalten und den Fokus allein auf den Sport legen. Der frühere DFB-Manager warnt zugleich davor, dass ein einzelner kritischer Kommentar eines Nationalspielers an Trumps möglicher Instrumentalisierung des Turniers nichts ändern werde.

DFB Pressekonferenz der Nationalmannschaft - Liveticker mit Manuel Neuer & Oliver Bierhoff
DFB Pressekonferenz der Nationalmannschaft – Liveticker mit Manuel Neuer & Oliver Bierhoff

Spieler schützen, Debatten aus der Kabine halten

Im Gespräch mit dem Magazin stern machte Bierhoff deutlich, die Nationalspieler dürften sich nicht treiben lassen. „Die Spieler müssen geschützt werden. Sie dürfen sich nicht treiben lassen. Man sollte ihnen sagen: Lasst die Medien meckern und konzentriert euch auf den Sport“, sagte der 58-Jährige. Der DFB sollte sich bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada einmal positionieren und dann unmissverständlich klarstellen: „Lasst die Mannschaft in Ruhe! Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler.“

Aus Bierhoffs Sicht wäre es falsch, die Nationalmannschaft als moralische Gegenstimme zu Trump einzusetzen. Er verwies auf die engen wirtschaftlichen Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und darauf, dass auch die deutsche Regierung weiter um gute Beziehungen bemüht sei. „Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?“, fragte Bierhoff. Die meisten Diskussionen empfinde er ohnehin als „verlogen“.

Rückblick auf Katar und Kritik an der Verbandsspitze

Der frühere DFB-Manager erinnerte zugleich an die WM 2022 in Katar. Damals hatte sich der Verband unter seiner Führung positioniert und das Tragen der „One Love“-Binde angekündigt, war auf Druck der FIFA am Ende aber eingeknickt. Heute ziehe er daraus eine klare Lehre. „Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert“, sagte Bierhoff. Die Verantwortung für solche Botschaften sieht er nicht bei den Spielern, sondern bei der „politischen Führung“ des Verbandes.

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Auch die damalige Rollenverteilung bewertet er im Rückblick kritisch. Für die WM vor vier Jahren hätte er sich gewünscht, „dass sich das Präsidium des Verbandes klarer zu Katar äußern und vor die Mannschaft stellen würde“. Stattdessen habe er den Eindruck gehabt, „dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt“. Nach dem Vorrundenaus in Katar trennten sich der DFB und Bierhoff nach 18 Jahren.

DFB will Fehler vermeiden

Verantwortliche des DFB betonten zuletzt, dass die „Fehler“ aus Katar nicht wiederholt werden sollen und politische Themen aus der Kabine herauszuhalten sind. Gleichzeitig wächst die Aufmerksamkeit von außen: Menschenrechtsorganisationen beobachten seit Monaten mit Besorgnis die Entwicklung der USA unter Trumps Führung.