WM-Debakel der Türkei: Was Güler, Çalhanoğlu, Demiral und Montella sagen

Von der Euphorie zur Ernüchterung in nur fünf Tagen: Die Türkei hat sich bei der WM 2026 bereits nach zwei Gruppenspielen aus dem Turnier verabschiedet. Nach der Auftaktniederlage gegen Australien verlor die Mannschaft von Vincenzo Montella auch das entscheidende Duell mit Paraguay mit 0:1 und steht damit in Gruppe D vorzeitig als ausgeschieden fest. Die Hoffnungen auf die erste K.o.-Runde bei einer Weltmeisterschaft seit 2002 platzten schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Gastgeber USA. Nach dem Schlusspfiff überwogen bei Spielern, Verantwortlichen und Experten vor allem Enttäuschung, Ratlosigkeit und die Frage, wie eine so talentierte Generation derart früh scheitern konnte.

Santa Clara, Kalifornien, USA, 19. Juni 2026: Hakan Çalhanoğlu (10) aus der Türkei reagiert enttäuscht nach der 0:1-Niederlage gegen Paraguay im WM-Gruppenspiel der Gruppe D im San Francisco Bay Area Stadium. (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)
Santa Clara, Kalifornien, USA, 19. Juni 2026: Hakan Çalhanoğlu (10) aus der Türkei reagiert enttäuscht nach der 0:1-Niederlage gegen Paraguay im WM-Gruppenspiel der Gruppe D im San Francisco Bay Area Stadium. (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)
Weltmeisterschaften
20.6.2026
- 5:00
Türkei
1.87
xG
0.29
0 1
Paraguay

 

„Wir haben unser Land enttäuscht“: Spieler übernehmen die Verantwortung

Die Spieler selbst suchten nach dem Ausscheiden keine Ausreden. Stattdessen dominierten Entschuldigungen und Selbstkritik die ersten Reaktionen. Arda Güler sprach von Scham und betonte, dass eine Mannschaft mit der Qualität der Türkei ein solches Turnier nicht derart früh beenden dürfe. Man habe auf dem Platz nicht umsetzen können, was man sich vorgenommen habe, und wolle in den kommenden Turnieren Wiedergutmachung leisten.

Ähnlich äußerten sich Kapitän Hakan Çalhanoğlu, Torhüter Uğurcan Çakır und Innenverteidiger Merih Demiral. Alle drei entschuldigten sich ausdrücklich bei den Fans und dem gesamten Land. Çalhanoğlu verwies darauf, dass die Mannschaft nach 24 Jahren wieder eine Weltmeisterschaft erreicht habe und alles versucht habe, der Fußball jedoch manchmal gnadenlos sein könne. Uğurcan sprach offen davon, die Erwartungen nicht erfüllt zu haben und bezeichnete das Abschneiden als Versagen.

Dieses Fußball-Video könnte dich interessieren:

Besonders emotional zeigte sich Demiral. Der Abwehrspieler schilderte eine von Tränen geprägte Stimmung in der Kabine und bezeichnete die Niederlage gegen Paraguay als das bislang schlimmste Spiel seiner Nationalmannschaftskarriere. Gleichzeitig betonte er mehrfach, dass die gesamte Mannschaft die Verantwortung trage und niemand als einzelner Schuldiger herausgegriffen werden dürfe.

WM Tabelle Gruppe D mit Türkei

#
Team
B
S
U
N
Tore
GT
TD
Pkt.
1
USA
S S
>
2
2
0
0
6
1
5
6
2
2
1
0
1
2
2
0
3
3
2
1
0
1
2
4
-2
3
4
Türkei
N N
>
2
0
0
2
0
3
-3
0

 

Montella verweist auf Pech und verteidigt seine Mannschaft

Nationaltrainer Vincenzo Montella zeigte sich nach dem Ausscheiden tief enttäuscht, stellte sich jedoch demonstrativ vor seine Spieler. Der Italiener verwies auf die aus seiner Sicht außergewöhnlichen Spielstatistiken der ersten beiden Partien und argumentierte, dass die Türkei genügend Chancen für deutlich bessere Ergebnisse herausgespielt habe.

Mehrfach hob Montella hervor, dass seine Mannschaft in zwei Spielen insgesamt mehr als 60 Abschlüsse produziert habe und dennoch ohne eigenen Treffer geblieben sei. Für den Nationaltrainer war dies vor allem eine Frage des fehlenden Glücks. Er könne seinen Spielern weder mangelnden Einsatz noch fehlenden Willen vorwerfen, vielmehr habe die Mannschaft alles gegeben und sei dennoch bestraft worden.

Türkische Pressestimmen zu Türkei – Paraguay (0:1): Galarzas Blitztor, Almiróns historische Rote Karte und das türkische WM-Aus

Auch auf Kritik an seiner Aufstellung reagierte Montella defensiv. Die wiederkehrende Diskussion um den Einsatz eines klassischen Mittelstürmers wies er zurück und verwies darauf, dass die Vielzahl an Torchancen zeige, dass die Probleme nicht allein auf personelle Entscheidungen zurückzuführen seien. Gleichzeitig betonte er, dass die Türkei den eingeschlagenen Weg mit ihren vielen jungen Spielern fortsetzen und sich dauerhaft für große Turniere qualifizieren müsse.

Mert Müldür (l.) und Barış Alper Yılmaz zeigen sich nach der 0:1-Niederlage der Türkei im WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe D gegen Paraguay am 19. Juni 2026 im San Francisco Bay Area Stadium in Santa Clara enttäuscht. (Stu Forster / Getty Images)
Mert Müldür (l.) und Barış Alper Yılmaz zeigen sich nach der 0:1-Niederlage der Türkei im WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe D gegen Paraguay am 19. Juni 2026 im San Francisco Bay Area Stadium in Santa Clara enttäuscht. (Stu Forster / Getty Images)

Şenol Güneş fordert Konsequenzen, vermeidet aber eine Abrechnung

Deutlich kritischer fiel die Analyse des ehemaligen Nationaltrainers Şenol Güneş aus. Zwar räumte auch er ein, dass die Türkei spielerisch über weite Strecken überlegen gewesen sei, doch am Ende zähle im Fußball ausschließlich das Ergebnis.

Güneş kritisierte vor allem die fehlende Effizienz und die mangelnde Qualität in den entscheidenden Momenten. Die Mannschaft habe selbst in Überzahl keine Lösungen gefunden und bereits beim frühen Gegentor grundlegende Fehler gemacht. Zudem sei sichtbar geworden, dass einige Spieler dem Druck einer Weltmeisterschaft noch nicht gewachsen seien.

Besonders bemerkenswert waren seine Aussagen zur Verantwortung des Trainerteams. Montella gebe sein Bestes, erklärte Güneş, doch als Nationaltrainer trage er die Verantwortung für das Abschneiden und müsse sich den Konsequenzen stellen. Gleichzeitig warnte er davor, einzelne Spieler oder Entscheidungen als alleinige Ursache auszumachen. Vielmehr müsse die türkische Nationalmannschaft die Niederlage analysieren, daraus lernen und mit neuen Ideen den nächsten Entwicklungsschritt gehen.