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Die Entlassung von Tunesiens Nationaltrainer Sabri Lamouchi nach dem 1:5 gegen Schweden sorgt weltweit für Schlagzeilen. Schließlich sind Trainerwechsel während einer laufenden Weltmeisterschaft eine absolute Seltenheit. Tatsächlich gab es in der WM-Geschichte nur eine Handvoll vergleichbarer Fälle.

Lamouchi war erst im Januar 2026 verpflichtet worden und stand bei der Endrunde in Nordamerika erst zum fünften Mal an der Seitenlinie Tunesiens. Die deutliche Auftaktniederlage gegen Schweden brachte das Fass jedoch offenbar zum Überlaufen. Berichten zufolge soll Ex-Nationaltrainer Mondher Kbaier übernehmen.
1998: Das große Trainersterben
Wer nach historischen Vergleichen sucht, landet fast zwangsläufig bei der WM 1998 in Frankreich. Damals verloren gleich mehrere Nationaltrainer während des laufenden Turniers ihren Job.

Den Anfang machte der brasilianische Weltmeistertrainer Carlos Alberto Parreira. Nach Niederlagen gegen Dänemark und Gastgeber Frankreich wurde er von Saudi-Arabien noch vor dem letzten Gruppenspiel entlassen. Sein Nachfolger wurde ausgerechnet Otto Pfister.
Nur wenige Tage später traf es auch Südkoreas Nationaltrainer Cha Bum-kun. Die koreanische Fußball-Legende musste nach einem demütigenden 0:5 gegen die Niederlande gehen. Bis heute gilt dies als einer der bekanntesten Trainer-Rauswürfe in der Geschichte der Weltmeisterschaften.

Ebenfalls betroffen war Tunesien. Der Pole Henryk Kasperczak hatte die Nordafrikaner erstmals seit 20 Jahren wieder zu einer WM geführt, wurde aber nach Niederlagen gegen England und Kolumbien noch vor dem letzten Gruppenspiel entlassen. Interimsweise übernahm Ali Selmi.
Tunesien wiederholt eigene Geschichte
Damit wiederholt sich für Tunesien nun eine bemerkenswerte Geschichte. Bereits 1998 wurde während einer Weltmeisterschaft der Trainer entlassen. Fast drei Jahrzehnte später trifft es erneut den tunesischen Nationalcoach während des laufenden Turniers.
Der Unterschied: Kasperczak durfte damals immerhin zwei Gruppenspiele bestreiten. Lamouchi verliert seinen Posten offenbar bereits nach dem ersten WM-Auftritt. Sollte die Entlassung offiziell bestätigt werden, wäre dies einer der schnellsten Trainerwechsel in der Geschichte der Weltmeisterschaften.
Ein äußerst seltener Vorgang
Historische Übersichten führen im Wesentlichen nur die Fälle Parreira, Cha Bum-kun und Kasperczak als eindeutig dokumentierte Trainerentlassungen während einer laufenden Männer-Weltmeisterschaft an. Deshalb gilt die WM 1998 bis heute als Ausnahmeereignis.

Nun könnte die WM 2026 um ein weiteres Kapitel ergänzt werden. Tunesien hat noch zwei Gruppenspiele gegen Japan und die Niederlande vor sich. Ob der drastische Schritt die Wende bringt oder lediglich ein Symbol der Verzweiflung bleibt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Eines steht jedoch fest: Trainerentlassungen während einer Weltmeisterschaft sind so selten, dass zwischen Tunesiens beiden Fällen fast 28 Jahre liegen.