In der neuesten Folge unseres WM 2026 Podcasts „Der 5. Stern“ geht es um einen bitteren Tag für den deutschen Fußball: Das WM-Aus der DFB-Elf im Sechzehntelfinale gegen Paraguay – und das Ende eines 64 Jahre alten Elfmeter-Mythos.
Der Mythos zerbricht: Deutschland verliert im Elfmeterschießen
64 Jahre lang war die deutsche Nationalmannschaft im Elfmeterschießen ungeschlagen – gegen Paraguay ist diese historische Serie zerbrochen. Nach einer zähen Abnutzungsschlacht, Julio Encisos früher Führung und Kai Havertz‘ Kopfball-Ausgleich fiel die Entscheidung erst vom Punkt: 3:4 nach Elfmeterschießen. Den kompletten Spielbericht zum Aus gegen Paraguay findest du hier.
Das aberkannte Tah-Tor und die Psychologie des Scheiterns
Der entscheidende Knacks: In der Verlängerung trifft Jonathan Tah, doch das Tor zählt wegen eines vermeintlichen Foulspiels am Torwart nicht. Im Podcast sprechen wir darüber, wie ein aberkanntes Tor in einer Hitzeschlacht die Köpfe leert – und warum die sonst so verlässliche „unsichtbare Rüstung“ der deutschen Schützen ausgerechnet jetzt riss.
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Die Trainerfrage: Völler, Hummels und ein Beben beim DFB
Nach dem frühen Aus eines viermaligen Weltmeisters prallen zwei Welten aufeinander: Rudi Völler stellt sich demonstrativ vor Julian Nagelsmann, während Mats Hummels den harten Schnitt fordert. Jürgen Klopp verfolgt das Drama entsetzt von der Tribüne. Wie es mit dem Bundestrainer weitergeht, liest du in unserem Artikel „Bleibt Nagelsmann Bundestrainer?“ sowie in den MagentaTV-Stimmen von Nagelsmann im Video.
Die Themen der Folge im Überblick
64 Jahre Elfmeter-Mythos: Wie die historische Serie gegen Paraguay zerbrach
Der Spielbericht: Abnutzungsschlacht, Encisos 0:1, Havertz‘ Ausgleich
Das aberkannte Tah-Tor in der Verlängerung als entscheidender Knacks
Die Psychologie des Elfmeterschießens: Wenn das Urvertrauen kippt
Die Trainerfrage: Völlers Rückendeckung vs. Hummels‘ Forderung nach dem harten Schnitt
Klopp im Stadion: „500.000 Wege zu gewinnen“ – und die unruhige Zeit, die dem DFB bevorsteht
Alle Folgen findest du in unserem Podcast „Der 5. Stern“ – jetzt abonnieren und keine Ausgabe verpassen!
[00:00:00] Sprecher 1: 64 Jahre. So lange war die deutsche Nationalmannschaft im Elfmeterschießen ungeschlagen. Wenn ihr letzte Nacht vor dem Bildschirm mitgefiebert habt, habt ihr wahrscheinlich auch gespürt, wie dieser historische Nimbus in tausend Teile zersprungen ist. Willkommen zur neuesten Folge des Podcasts „Der fünfte Stern“, täglich Nationalelf- und WM-2026-News, hier an diesem 30. Juni am heutigen Mittag. Ein wirklich bitterer Tag für den deutschen Fußball.
[00:00:29] Sprecher 1: Wir nehmen uns für unsere heutige Ausgabe die offiziellen Spielberichte, die ersten Reaktionen der Beteiligten und die internationalen Pressestimmen zum Aus gegen Paraguay vor. Unsere Mission heute ist zu begreifen, warum diese mentale Rüstung gerade jetzt gerissen ist und was dieses sportliche Beben für den DFB bedeutet.
[00:00:49] Sprecher 2: Wobei man beim Spielbericht festhalten muss, dass das 3:4 nach Elfmeterschießen der Schlusspunkt einer echten Abnutzungsschlacht war. Paraguay hat eine unglaublich kompakte Defensivwand aufgezogen. Die haben wirklich jede Leichtigkeit im deutschen Spielaufbau erstickt. Julio Enciso macht dann in der 42. Minute auch noch das 0:1 für Paraguay. Da dachte ich am Bildschirm schon, das wird eine ganz zähe Nummer. Wurde es auch.
[00:01:16] Sprecher 1: Dann kam aber der Ausgleich durch Kai Havertz per Kopf, 54. Minute. Da dachte man für einen Moment, jetzt dreht sich das Spiel in die richtige Richtung. Und das Momentum schien ja bei uns zu liegen, besonders in der Verlängerung, als der Ball durch Jonathan Tah plötzlich im Netz zappelte.
[00:01:32] Sprecher 2: Aber das Schiedsrichtergespann pfeift ein Foul am Torwart, Orlando Gill. Richtig, das Tor zählt nicht. Das war aus meiner Sicht der entscheidende Knacks für das Team von Julian Nagelsmann. Ein aberkanntes Tor in so einer Hitzeschlacht frisst enorme kognitive Ressourcen.
[00:01:49] Sprecher 1: Da hake ich direkt ein: Du bereitest dich auf dem Platz in dem Moment voll auf den Jubel vor. Und im nächsten Moment stehst du wieder bei Null. Die Beine sind nach 120 intensiven Minuten sowieso schwer wie Blei. Was mich direkt zu dieser unsichtbaren Rüstung bringt, die deutsche Spieler bei Elfmetern angeblich immer tragen. Normalerweise zittert ja eher der Gegner. Das war die letzten Jahrzehnte zumindest so.
[00:02:13] Sprecher 2: Aber Paraguay hat nach der überstandenen Verlängerung einfach gemerkt, dass die deutsche Mannschaft schlagbar ist. Und dann verschießen mit Havertz, Woltemade und Tah gleich drei Schützen auf unserer Seite. Manuel Neuer hält zwar noch einen Ball, aber José Canale verwandelt den entscheidenden Schuss für Paraguay. Weil der psychologische Vorteil in dem Moment komplett gekippt war.
[00:02:33] Sprecher 1: Für die deutschen Schützen war dieses kollektive Urvertrauen auf einmal weg. Der Druck war förmlich greifbar im Stadion. Das war halt keine souveräne Routine mehr, sondern einfach nur blanke Nervenbelastung.
[00:02:48] Sprecher 2: Womit wir bei der Trainerfrage sind. Na ja, Nagelsmann hat einen Vertrag bis 2028 und hat direkt signalisiert, dass er weitermachen will, sofern der DFB das wünscht. Seine taktische Flexibilität stieß gestern Abend halt an ihre Grenzen. Rudi Völler hat sich dann noch in der Nacht demonstrativ vor den 37-Jährigen gestellt. Er nannte Nagelsmann den wahrscheinlich Richtigen für die Zukunft.
[00:03:12] Sprecher 1: Wobei man das im Kontrast sehen muss. Mats Hummels saß im TV als Experte und hat mehr oder weniger einen harten Schnitt gefordert. Er pocht darauf, dass alles auf den Prüfstand muss. Da prallen zwei Welten aufeinander. Ein so frühes Aus eines viermaligen Weltmeisters führt unweigerlich zu einer Zerreißprobe im Verband. Völler will Stabilität demonstrieren und Hummels fordert das reine Leistungsprinzip.
[00:03:34] Sprecher 2: Die internationale Presse spricht hier völlig zu Recht von einem Erdbeben. Zumal Jürgen Klopp das Ganze live im Stadion verfolgt hat und ziemlich entsetzt gewirkt haben soll über dieses Sechzehntelfinale. Klopp hat da auf der Tribüne einen bemerkenswerten Satz fallen lassen. Er sagte, es gibt 500.000 Wege, ein Fußballspiel zu gewinnen, man muss nur einen finden.
[00:03:58] Sprecher 1: Ein prägnantes Zitat. Und die harte Realität ist halt, dass Julian Nagelsmann diesen einen Weg gestern nicht gefunden hat. Der Verband muss nun evaluieren, ob das aktuelle Personal noch in der Lage ist, so einen neuen Weg zu ebnen. Das wird die Diskussion der nächsten Wochen. Da kommt eine sehr unruhige Zeit auf den DFB zu.
[00:04:16] Sprecher 2: Wir danken euch fürs Einschalten bei dieser Mittagsausgabe. Klopp meinte, es gäbe 500.000 Wege zu gewinnen. Es bleibt der Gedanke, ob der DFB in der anstehenden Zeit genau diesen einen neuen Weg finden wird, sei es nun mit oder ohne die aktuellen Verantwortlichen.