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Deutschland erlebt bei der WM 2026 im Sechzehntelfinale gegen den Außenseiter Paraguay ein bitteres Aus. Nach 120 Minuten steht es 1:1, im Elfmeterschießen verliert die DFB-Elf mit 3:4. Der SID hält den dramatischen Spielverlauf noch einmal fest, der in Foxborough früh ins Wanken gerät und am Ende in Fassungslosigkeit mündet.

Der frühe Plan von Nagelsmann geht nicht auf
Vor dem Anpfiff überrascht Bundestrainer Julian Nagelsmann mit einer personellen Entscheidung und bringt in Foxborough Superjoker Deniz Undav anstelle von Jamal Musiala in der Startelf. Joshua Kimmich beginnt weiter als Rechtsverteidiger. Nagelsmann fordert seine Mannschaft auf, die „Drecksack-Mentalität“ des Gegners anzunehmen.
Doch schon in den Anfangsminuten wird deutlich, wie zäh sich die deutsche Mannschaft gegen den tief stehenden Gegner tut. In der 2. Minute muss Manuel Neuer in seinem 23. WM-Spiel erstmals eingreifen und eine Chance Paraguays nach einer Ecke entschärfen. In der 24. Minute folgt die Trinkpause, verbunden mit Redebedarf, weil die DFB-Elf zwar viel Ballbesitz hat, aber das Aufbauspiel zu langsam bleibt und noch kein deutscher Schuss aufs Tor abgegeben wurde. Der Abwehrriegel der Südamerikaner lässt sich zunächst nicht knacken.
Rückstand, Reaktion und neuer Stillstand
In der 42. Minute setzt es dann die kalte Dusche. Nach einer Ecke klärt Neuer zunächst noch, ehe nach einem defensiven Kollektivaussetzer der nur 1,73 Meter große Julio Enciso völlig frei zum Kopfball kommt und zum 0:1 trifft. Neuer ist machtlos, Magenta-Experte Jürgen Klopp reagiert entsetzt: „Da tränen einem die Augen. Das ist einfach schlecht verteidigt.“
Erst in der Nachspielzeit entsteht zum ersten Mal echte Torgefahr für Deutschland. Zunächst streicht ein gefährlich abgefälschter Schuss von Felix Nmecha knapp am Pfosten vorbei, wenig später muss auch Paraguays Torhüter Orlando Gill gegen Joshua Kimmich eingreifen. Zur Pause zieht Nagelsmann die Konsequenzen und bringt Leon Goretzka für den enttäuschenden Nmecha, der beim Gegentor neben Enciso nur noch hilflos zugesehen hatte.
Nach dem Seitenwechsel rettet Neuer sein Team in der 50. Minute nach einem Kimmich-Patzer vor dem zweiten Treffer durch Enciso. Vier Minuten später gelingt die vermeintliche Wende: Florian Wirtz schlägt die Flanke, Kai Havertz verlängert per Kopf zum 1:1 ins Netz. Der Jubel ist groß, Nagelsmann reckt befreit die Faust in die Luft.
In der 63. Minute kommt Jamal Musiala für Undav, dessen Auftritt lange Zeit kaum Wirkung entfaltet. Auch danach bleibt das Spiel im deutschen Angriff zu statisch. In der 71. Minute gibt es erneut eine Trinkpause, ohne dass sich seit dem Ausgleich viel verändert hätte. Erst in der 79. Minute greift Nagelsmann wieder ins System ein. Waldemar Anton ersetzt Aleksandar Pavlovic, rückt auf rechts nach hinten und schiebt Kimmich auf dessen angestammte Position im zentralen Mittelfeld bei Bayern zurück. Am müden deutschen Offensivspiel ändert das jedoch nichts.
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Verlängerung, Elfmeter und der nächste deutsche Albtraum
In der 90.+5 Minute ertönt der Abpfiff, nach 1:1 geht es in die Verlängerung. Dort scheint Deutschland in der 102. Minute auf Kurs zu sein, als Jonathan Tah nach einer Ecke per Kopf das vermeintliche 2:1 erzielt. Doch nach einem Hinweis von Video-Assistentin Tatiana Guzman schaut sich Schiedsrichter Jalal Jayed die Szene noch einmal an und wertet ein Blocken von Waldemar Anton gegen Torhüter Gill als Foul. Der frühere Bundesliga-Referee Thorsten Kinhöfer sagt im ZDF: „Mir fehlen die Worte“, und ergänzt: „Die Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar.“ Nagelsmann sieht in der Folge Gelb und schimpft später über die „Vollkatastrophe“.
In der 119. Minute bietet sich Anton noch die große Chance auf den „lucky punch“, doch sein Kopfball landet zu zentral bei Gill. Damit geht es ins Elfmeterschießen. Dort hält der paraguayische Keeper die Versuche von Kai Havertz und Nick Woltemade, während Tah den Ball über das Tor setzt. Auch wenn Neuer die DFB-Auswahl zwischendurch noch im Spiel hält, verwandelt José Canale schließlich den dritten Matchball für Paraguay.
Deutschland ist damit nach den Vorrunden-Aus bei der WM 2018 und 2022 erneut vor dem Achtelfinale ausgeschieden. Paraguay jubelt, Deutschland trauert. Nagelsmann sitzt lange fassungslos auf der Bank, die Stars sind erschüttert. Joshua Kimmich bringt es auf den Punkt: „Wir Spieler haben das verbockt. Das war nicht der Trainer, nicht die Medien, nicht der Schiedsrichter, auch nicht der Gegner, sondern das waren einzig und allein wir.“
Im Anschluss beginnt das Scherbengericht. Manuel Neuer, 40 Jahre alt, erklärt endgültig seinen Rücktritt. Nagelsmann hingegen nicht. „Ich bin keiner, der wegläuft. Ich stehe bereit, wenn der DFB das möchte“, sagt der Bundestrainer. Ob der Verband diesen Weg geht, ist offen. Jürgen Klopp gilt als logischer Kandidat für die Nachfolge, betont aber: „Das kann heute Abend nicht mein Thema sein“, sagt der 59-Jährige. „Aber unabhängig von meiner Person müssen sich ganz viele Dinge ändern.“
Sein Schlusswort fällt ebenso deutlich aus: „Es gab nur ein Ziel, einen Traum, der ist geplatzt. Es war dramatisch. Wir haben nicht funktioniert.“