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Deutschland bekommt im Sechzehntelfinale der WM einen Gegner, der unangenehm werden kann. Paraguay reist mit viel Defensive, wenigen Gegentoren und frischem Selbstvertrauen an und erinnert in seiner Spielanlage an den deutschen Stolperstein Ecuador. Die Partie am Montag beginnt um 22.30 Uhr und wird live im ZDF sowie per Audio-Livereportage und Live-Ticker auf sportschau.de begleitet.

Noch vor zwei Jahren schien Paraguay weit entfernt von einer WM-Teilnahme zu sein, geschweige denn vom Sechzehntelfinale gegen die DFB-Auswahl. Mitte 2024 war die Mannschaft bei der Copa América mit drei Niederlagen sang- und klanglos ausgeschieden, auch in der WM-Qualifikation lief wenig zusammen. Nach sechs Spielen standen nur fünf Punkte auf dem Konto.
Die Wende brachte ein Trainerwechsel. Der Argentinier Gustavo Alfaro ersetzte seinen Landsmann Daniel Garnero und stabilisierte das Team sofort. Der 63-Jährige verlor in den folgenden zwölf Qualifikationsspielen nur einmal und führte Paraguay noch auf Rang sechs. Punktgleich mit Brasilien, Uruguay und Kolumbien reichte das dank der Aufstockung des WM-Feldes zur Endrunde. Für Paraguay ist es die erste WM seit drei verpassten Turnieren, für Alfaro die zweite Teilnahme nach 2022 mit Costa Rica.
WM 2026 Spiele von Paraguay

Alfaro setzt auf eine dichte Defensive
Das Erfolgsrezept des neuen Systems ist klar erkennbar. Alfaro lässt sein Team konsequent gegen den Ball arbeiten, was Deutschland sofort an Ecuador erinnern dürfte. Genau ein abwehrstarker Gegner, der Südamerikas Qualifikation über das Verteidigen löst, passt zum Bild des jüngsten DFB-Rückschlags beim 1:2 gegen die Ecuadorianer. Für Julian Nagelsmanns Mannschaft ist das ein weiterer Prüfstein.
Paraguay hat in der Qualifikation bewiesen, dass es auch Schwergewichte knacken kann. Gegen Brasilien sprang ein 1:0 heraus, gegen Argentinien ein 2:1. In 18 Qualifikationsspielen kassierte die Mannschaft lediglich zehn Gegentore, drei davon per Strafstoß. Auch die taktische Grundordnung passt in dieses Bild. Alfaro arbeitet wie Ecuadors Chefcoach Sebastian Beccacece meist mit einer Viererkette, rückt bei Bedarf aber auch in eine Dreier- oder Fünferkette, wie zuletzt beim 0:0 gegen Australien.
Paraguay in der WM Qualifikation 2026
Deutschlands Schwachpunkt liegt auf der Hand
Gerade dort sieht Nagelsmann die Angriffsfläche für Paraguay. Der Bundestrainer sprach offen darüber, dass es seinem Team an körperlicher Robustheit fehle. „Körperlichkeit ist schwer zu trainieren. Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich“, sagte der Bundestrainer.
Als Reaktion kündigte er andere Lösungen an. „Wir müssen den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen.“ Zudem könne man „im Kollektiv mehr Überzahlsituationen“ herstellen. Genau dort wird sich zeigen, wie gut Deutschland auf einen tief stehenden, aggressiven Gegner vorbereitet ist.

Wenige bekannte Namen, aber viel Widerstand
Die ganz großen Stars bringt Paraguay nicht mit. Anders als Ecuador stützt sich Alfaro auf Routiniers aus Nord- und Südamerika sowie auf Omar Alderete. Der 29 Jahre alte Innenverteidiger spielte 2021/21 in der Bundesliga 17-mal für Hertha BSC und ist inzwischen eine feste Größe beim AFC Sunderland in der Premier League.
Außer Alderete stehen nur drei weitere Profis in Europa unter Vertrag. Julio Enciso läuft für Straßburg auf, Antonio Sanabria für Cremonese und Diego Gomez für Brighton. Gomez fehlt gegen Deutschland wegen einer Gelbsperre. Dafür kehrt Miguel Almiron zurück. Der Rechtsaußen war gegen die Türkei wegen einer neuen Regel mit Rot vom Platz geflogen, nachdem er sich in einem Disput mit einem Gegenspieler den Mund zugehalten hatte. Seine Ein-Spiel-Sperre ist inzwischen abgesessen.
In der Vorrunde wirkte Paraguay nicht durchgehend überzeugend. Das 1:4 gegen die USA zeigte, dass die Defensive angreifbar ist. Das 1:0 gegen die Türkei war in langer Unterzahl zwar beherzt erkämpft, aber auch glücklich. Das abschließende 0:0 gegen Australien war schwere Kost, genügte aber für den Einzug als einer der besten acht Gruppendritten ins Sechzehntelfinale.
Sportschau-WM-Expertin Almuth Schult blickt deshalb mit Zuversicht auf das Duell. „Paraguay hat mich nicht richtig überzeugt, von daher traue ich das der deutschen Mannschaft auf jeden Fall zu – vor allem, wenn sie die Leistung aus den ersten beiden Spielen abrufen.“
Gleichzeitig ist Paraguay ein Team, das Rückschläge wegstecken kann. Auch in der WM-Qualifikation fand die Mannschaft nach einem Fehlstart zurück in die Spur und darf nun als Herausforderer frei aufspielen. „Natürlich wird es schwer, einen der Top-Favoriten auszuschalten. Aber es ist nicht unmöglich. ‚Unmöglich‘ gibt es nicht. Wir werden mit Gelassenheit in die Partie gehen“, sagte Alfaro nach dem letzten Gruppenspiel.
Das erinnerte bereits 2002 an ein enges Duell mit Deutschland. Damals erwies sich „La Albirroja“ im ausgeglichenen Achtelfinale als zäher Gegner, ehe Oliver Neuville kurz vor Schluss den 1:0-Endstand herstellte.
Neuville schießt Deutschland zum Sieg gegen Paraguay
Danach marschierte das damals nicht gerade hochkarätig besetzte DFB-Team sogar noch bis ins Finale. Ein ähnliches Szenario wäre aus deutscher Sicht diesmal erneut ein angenehmes Déjà-vu, falls die Hürde Paraguay überwunden wird.