Spanien ist die Fußballnation 2026: 17 Titel in fünf Jahren

Fünf Jahre, 17 Titel und kein Ende in Sicht: Spanien dominiert den Fußball auf sämtlichen Ebenen, bei Männern und Frauen gleichermaßen. Was sich beim WM-Finale der Männer in einer bemerkenswerten Szene zwischen Rodri und Aitana Bonmati zeigte, ist längst mehr als nur ein einmaliger Erfolg, sondern das Ergebnis einer über Jahre aufgebauten Dynastie.

Weltfußballerin Aitana Bonmatí verfolgt am 19. Juli 2026 das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium in East Rutherford. (David Ramos / Getty Images North America via Getty Images)
Weltfußballerin Aitana Bonmatí verfolgt am 19. Juli 2026 das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium in East Rutherford. (David Ramos / Getty Images North America via Getty Images)

Weltmeisterschaften
19.7.2026
- 21:00
Spanien
1 0
Argentinien

Die spanische Nationalelf hatte gerade den WM-Pokal gewonnen, als Kapitän Rodri die Medaille um den Hals trug und Aitana Bonmati, dreimalige Weltfußballerin, als TV-Expertin ans Spielfeld eilte. Es entstand ein Gespräch auf Augenhöhe, wie es der Fußball zuvor so nicht gesehen hatte: ein amtierender Weltmeister im Austausch mit einer amtierenden Weltmeisterin, beide aus demselben Land. Rodri selbst zeigte sich beeindruckt von Bonmatis Wirken und sagte: „Ich hoffe, dass ich irgendwann ihr Level erreichen kann.“ Bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie erfolgsverwöhnt der Mittelfeldspieler selbst längst ist.

Noch nie zuvor hatte eine Nation gleichzeitig den WM-Titel der Männer und der Frauen innegehabt. Spanien schreibt damit Geschichte, selbst Deutschland kam diesem Kunststück 2002/2003 nur nahe, als die Männer WM-Zweiter und die Frauen ein Jahr später Weltmeister wurden.

Rodri hebt den WM-Pokal neben US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino, nachdem Spanien das Finale 2026 gegen Argentinien gewonnen hat. (Carl Recine / Getty Images North America via Getty Images)
Rodri hebt den WM-Pokal neben US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino, nachdem Spanien das Finale 2026 gegen Argentinien gewonnen hat. (Carl Recine / Getty Images North America via Getty Images)

Eine Titelsammlung ohne Beispiel

Die Liste der spanischen Erfolge liest sich wie ein Katalog des kompletten Fußballs. Neben dem WM-Titel der Männer und der Frauen stehen aktuell auch der Olympiasieg der Männer und der Gewinn der Nations League bei den Frauen zu Buche. Im Nachwuchsbereich setzt sich das Bild fort: Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen ist Spanien amtierender U19-Europameister. 2022 holte sich zudem die U20-Frauenauswahl den WM-Titel, 2024 krönten sich die A-Männer zum Europameister. Macht in Summe 17 Trophäen innerhalb von nur fünf Jahren.

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Die New York Times nahm das WM-Finale zum Anlass, um auf dieses Phänomen hinzuweisen. Echte Dynastien seien im modernen Fußball selten geworden, doch Spanien setze gerade „ganz neue Maßstäbe“, insbesondere mit Blick auf beide Geschlechter. Der Erfolg einer Fußballnation, so die Zeitung weiter, müsse „immer sowohl an den Männer- als auch an den Frauenteams gemessen werden“.

Erfolge der spanischen Männer Nationalmannschaft

  • Weltmeister (WM-Titel)

  • Europameister 2024

  • Olympiasieger

  • U19-Europameister

Erfolge der spanischen Frauen Nationalmannschaft

  • Weltmeisterinnen (WM-Titel)

  • Nations-League-Siegerinnen

  • U20-Weltmeisterinnen 2022

  • U19-Europameisterinnen

Dabei war diese Vormachtstellung keineswegs vorgezeichnet. Über Jahrzehnte spielte Spanien auf internationaler Bühne kaum eine Rolle. Vor 2010 scheiterten die Männer bei jeder Weltmeisterschaft spätestens im Viertelfinale. Die Frauen wiederum verpassten sechsmal in Folge die WM-Qualifikation, ehe ihnen 2015 endlich der Sprung zum Turnier gelang. Nur acht Jahre später standen Bonmati und ihre Mitspielerinnen bereits als Weltmeisterinnen fest.

System, Nachwuchsarbeit und der Exportschlager Trainer

Hinter dem plötzlichen Höhenflug steckt kein Zufall, sondern eine über Jahre konsequent verfolgte Philosophie. Ein klar definierter Spielstil zieht sich durch sämtliche Altersklassen und durch beide Geschlechter, was für Kontinuität und Wiedererkennbarkeit sorgt. Gerade im Frauenfußball wurden zudem die strukturellen Bedingungen in den Nachwuchsakademien spürbar verbessert. Die BBC ergänzte, das entscheidende i-Tüpfelchen sei „eine Kultur des Respekts gegenüber den Gegnern und dem Prozess“.

Diese Entwicklung produziert nicht nur Titel, sondern auch gefragte Übungsleiter für den internationalen Markt. Selbst nach dem Abschied von Pep Guardiola bei Manchester City stammt weiterhin ein Viertel aller Cheftrainer der englischen Premier League aus Spanien. Dazu zählen Mikel Arteta beim FC Arsenal, Xabi Alonso beim FC Chelsea, Andoni Iraola beim FC Liverpool, Unai Emery bei Aston Villa und Álvaro Arbeloa beim FC Fulham. Einheimische englische Trainer sind im eigenen Oberhaus mittlerweile in der Minderheit.

Der Nachwuchs lässt weitere Dominanz erwarten

Ein Abflachen dieser Erfolgswelle ist derzeit nicht erkennbar. Im WM-Finale der Männer standen mit Lamine Yamal und Pau Cubarsí zwei gerade einmal 19 Jahre alte Teenager in der Startelf. Auch bei den Frauen sorgt mit Vicky Lopez, ebenfalls erst 19 und bereits dreimalige Champions-League-Siegerin, der nächste Ausnahmetalent für Zuversicht.

Selbst Männer-Nationaltrainer Luis de la Fuente lässt der Konkurrenz kaum Hoffnung auf eine Wachablösung. Er habe sich zwar durchaus gefragt, „was es denn noch zu gewinnen gibt, nachdem wir alles gewonnen haben“, verriet er kürzlich. Seine Antwort darauf fiel jedoch eindeutig aus: „Es zählt das nächste Spiel im September. Diese Mannschaft ist unersättlich.“