Mario Götze (34) hat im April seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis 2028 verlängert, obwohl viele nur mit einem weiteren Jahr gerechnet hatten. In BILD am SONNTAG erklärt der Weltmeister von 2014, warum er sich so langfristig gebunden hat, was ihn am neuen Trainer Adi Hütter beeindruckt, wie er auf die turbulenten Monate unter Vorgänger Albert Riera blickt und was ihn mit 34 überhaupt noch antreibt.

Die Verlängerung bis 2028: eine Familienentscheidung
Götze macht aus der Vertragsverlängerung keine sportpolitische Wette, sondern eine bewusste Lebensentscheidung. Er sei ein Fan davon, Dinge langfristig zu betrachten, sagt er, und in den Gesprächen mit dem Klub sei klar benannt worden, was er der Mannschaft geben könne und umgekehrt der Verein ihm.
Dass sich mit 34 die Voraussetzungen verschoben haben, verschweigt er nicht: Er brauche heute mehr Regeneration als früher. Sein Anspruch bleibe trotzdem derselbe, dem Klub und der Mannschaft zu helfen, auf und neben dem Platz, mit Erfahrung und mit nach wie vor großer Lust.
Adi Hütter: der Anruf, die Klarheit, die Wirkung
Der neue Trainer meldete sich direkt nach seiner Verpflichtung telefonisch bei Götze. Für den Offensivspieler war das ein Signal, viel stärker gewirkt hat aber, was er seither im Alltag sieht: die Art, wie Hütter trainieren lässt, und wie er mit Menschen umgeht, nicht nur mit der Mannschaft.
Die vier Monate unter Albert Riera: „eine sehr spezielle Zeit“
Der Wechsel auf der Trainerbank war die Konsequenz aus einem Frühjahr, das in Frankfurt niemand so geplant hatte. Götze nennt die Phase unter Hütters Vorgänger Albert Riera (40) extrem intensiv, vieles sei nicht so gelaufen wie gedacht, für ihn persönlich, für den Verein und für die Mannschaft. Der Klub habe daraufhin schnell und konsequent gehandelt.
Die verbreitete Erklärung, die Kommunikation sei nicht Rieras Stärke gewesen, will Götze so nicht stehen lassen, jedenfalls nicht als Alleinschuld: Jeder solle seine Leistung reflektieren, nur so könne es besser werden.
Die Nachtritte des Ex-Trainers
Nach seinem Aus hatte Riera sinngemäß erklärt, nur weil jemand Weltmeister sei, könne er nicht machen, was er wolle. Götze reagiert betont ruhig, er habe bisher mit jedem Trainer seiner Karriere ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Widersprechen mag er allerdings bei einem Punkt, der Darstellung nämlich, er und Riera hätten häufig miteinander gesprochen.
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Was ihn mit 34 noch antreibt
Die vergangene Spielzeit bewertet Götze offen als schwächste seiner vier Frankfurter Jahre, für ihn persönlich wie für die Mannschaft. Analysiert und abgehakt sei sie, jetzt gehe es darum, nach vorne zu schauen und die Dinge besser zu machen. Der Antrieb dafür kommt nach eigener Aussage von innen.
Verändert hat sich vor allem der Maßstab. Früher zählten die großen Ziele: Deutscher Meister werden, Titel gewinnen. Heute reicht ein richtig gutes Training oder eine gelungene Aktion, um Zufriedenheit auszulösen. Statt ständig zu fragen, was in zwölf Monaten erreicht sein soll, fokussiert er sich auf das Naheliegende.
Der Blick über die Karriere hinaus
Über Jürgen Klopp, seinen Förderer aus Dortmunder Zeiten und heutigen Bundestrainer, fällt im Gespräch der wohl wärmste Satz des Interviews.
Dass viele Profis nach der Karriere in ein Loch fallen, ist Götze bewusst. Angst hat er trotzdem keine, komplett schützen könne sich davor aber wohl niemand, das sei in anderen Berufsgruppen ähnlich. Fußball sei seit über 20 Jahren sein Leben. Vorgesorgt hat er dennoch: mit einem Umfeld, dem er vertrauen kann, und mit seiner Firma, Start-ups und Investments.