Bundesliga-Trainerkarussell: Die Presseschau nach dem 2. Spieltag

Nach zwei Spieltagen zeichnen sich erste Risse ab: Bei Gladbach und dem HSV wächst der Druck konkret, in Leipzig und Hoffenheim wird die Luft dünner. Auch Frankfurt und Union Berlin geraten nach dem Wochenende in den Blick. Noch hat niemand seinen Stuhl geräumt – aber die ersten Diskussionen laufen.

Adi Hütter reagiert am 6. September 2026 an der Seitenlinie im Deutsche Bank Park. Der Trainer von Eintracht Frankfurt verfolgt das Bundesliga Spiel gegen den FC Augsburg. (Alex Grimm / Getty Images Europe via Getty Images)
Adi Hütter reagiert am 6. September 2026 an der Seitenlinie im Deutsche Bank Park. Der Trainer von Eintracht Frankfurt verfolgt das Bundesliga Spiel gegen den FC Augsburg. (Alex Grimm / Getty Images Europe via Getty Images)

Es ist der klassische Zeitpunkt im Bundesliga-Kalender: Die Euphorie der Vorbereitung ist verflogen, die ersten Punkte sind vergeben – und bei manchen Vereinen stimmt die Bilanz nicht mit den Erwartungen überein. Nach zwei Spieltagen lässt sich noch keine Saison bewerten. Aber man kann sehr wohl erkennen, wo die ersten Trainerdiskussionen begonnen haben.

Eine Bestandsaufnahme an sechs Orten, an denen die Temperatur bereits gestiegen ist.

Borussia Mönchengladbach – Eugen Polanski: Der konkreteste Fall

Wenn ein Sportchef nach zwei Niederlagen das Wort „Druck“ in den Mund nimmt, ist die Botschaft angekommen. Rouven Schröder tat genau das nach dem 0:3 gegen Leipzig und dem anschließenden 3:4 gegen Elversberg im Pokal – ein Spiel, das Gladbach zwischenzeitlich 3:1 geführt hatte.

Das ist mehr als ein Fehlstart. Das ist ein Muster.

Eugen Polanski, Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach, gibt vor dem Bundesligaspiel gegen RB Leipzig in der Red Bull Arena in Leipzig am 11. April 2026 ein Interview. (Maja Hitij / Getty Images Europe via Getty Images)
Eugen Polanski, Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach, gibt vor dem Bundesligaspiel gegen RB Leipzig in der Red Bull Arena in Leipzig am 11. April 2026 ein Interview. (Maja Hitij / Getty Images Europe via Getty Images)

Laut WELT wurde Polanskis Zukunft bereits im Sommer intern diskutiert. Damals noch hypothetisch, jetzt mit Handlungsdruck untermauert. Zwei Pflichtspiele, null Punkte, sieben Gegentore – und ein Trainer, der im Sommer noch als langfristige Lösung präsentiert wurde.

Quelle: WELT: „Nach Fehlstart: Druck auf Trainer Polanski wächst“

Der GladbachLIVE-Bericht vom September 2025, wonach nach der Bremen-Niederlage eine Krisensitzung stattfand und ein Seoane-Nachfolger bereitstand, zeigt: In Gladbach geht es schnell, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Historischer Kontext, keine aktuelle Meldung – aber ein Fingerzeig für die Mechanik am Bökelberg.

Hintergrund-Quelle: GladbachLIVE: „Nach Bremen-Pleite: Gladbach-Krisensitzung abgeschlossen“

Fazit: Polanski sitzt auf einem der wackeligsten Trainerstühle der Liga. Nicht allein wegen zweier Spiele, sondern wegen der Vorgeschichte und des bereits öffentlich angesprochenen Drucks.

Hamburger SV – Merlin Polzin: Der spektakulärste Fehlstart

Zahlen lügen nicht: 0 Punkte, 0:7 Tore. 0:2 gegen Dortmund, 0:5 gegen Mainz. Ausgerechnet nach einem Transfer-Endspurt, der die Erwartungen in Hamburg auf Aufstiegsniveau gehoben hatte.

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Polzin beschönigt nichts. Die Süddeutsche Zeitung (dpa) titelt: „Polzin ist gefordert“. Die WELT spricht vom „Debakel“. Sports Illustrated analysiert bereits die Stellschrauben, an denen der Trainer vor dem Leipzig-Spiel drehen muss.

Besonders brisant: Noch vor dem Mainz-Spiel hatte Polzin selbst vor überzogenen Zielen gewarnt – nach den Transfers. Die WELT dokumentiert diese Warnung. Jetzt ist der Kader da, die Punkte nicht. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität könnte zum Problem werden.

Quellen:

Fazit: Sportlich ist es der dramatischste Fehlstart. Polzin hat Kredit – aber der schmilzt mit jedem Spieltag, an dem die Null steht.

TSG Hoffenheim – Christian Ilzer: Die drohende Null-Punkte-Krise

Zwei Spiele, zwei Niederlagen – aber wie: 2:3 in Köln, 2:3 gegen Dortmund nach 2:0-Führung. Die Rhein-Neckar-Zeitung formuliert es drastisch: „Hoffe wird im Windkanal weggefegt“. Ilzer kritisierte nach dem Dortmund-Spiel die Schiedsrichter, betonte aber gleichzeitig, keine Ausreden suchen zu wollen.

Am Samstag kommt Stuttgart. Verliert die TSG auch dieses Spiel, steht sie nach drei Spieltagen bei null Punkten. Dann wird aus „stürmisch“ schnell eine ernsthafte sportliche Krise.

Quellen:

Fazit: Noch kein Trainerstuhl auf drei Beinen. Aber das Stuttgart-Spiel ist ein früher Wendepunkt.

RB Leipzig – Martín Demichelis: Der erste Warnschuss

Vorsicht ist geboten. Demichelis ist seit Juni im Amt, sein Vertrag läuft bis 2028. Der Saisonstart gegen Gladbach gelang mit einem 3:1, dann folgte das 1:3 in Bremen – deutlich, personell geschwächt, aber eben eine Niederlage.

Martín Demichelis, Cheftrainer von RCD Mallorca, beobachtet das LaLiga-EA-Sports-Spiel zwischen RCD Mallorca und Real Oviedo am 23. Mai 2026 im Estadio de Son Moix auf Mallorca. Rafa Babot / Getty Images
Martín Demichelis, Cheftrainer von RCD Mallorca, beobachtet das LaLiga-EA-Sports-Spiel zwischen RCD Mallorca und Real Oviedo am 23. Mai 2026 im Estadio de Son Moix auf Mallorca. Rafa Babot / Getty Images

BILD berichtet von internem Klartext am Cottaweg nach der Partie. Unmittelbar steht zudem der Start in die Champions League an. Die Personalsituation bleibt schwierig, unter anderem wegen der Ausfälle von Castello Lukeba, Brajan Gruda und Rômulo.

Quellen:

Fazit: Noch keine Krise. Aber Leipzig hat hohe Ansprüche und wenig Geduld. Wenn die Ergebnisse in den nächsten Wochen nicht stimmen, wird aus dem Warnschuss schnell mehr.

Eintracht Frankfurt – Adi Hütter: Das 1:4 verschärft die Lage

Auch Eintracht Frankfurt gehört nach dem Wochenende in diese Betrachtung. Bereits vor dem Spiel gegen Augsburg wurde Hütter als Trainer unter Druck beschrieben. Die Eintracht war saisonübergreifend seit mehreren Spielen ohne Sieg, entsprechend groß war die Bedeutung des Heimauftakts.

Dann folgte das 1:4 gegen Augsburg. Besonders problematisch war dabei der Spielverlauf: Frankfurt führte zur Pause 1:0 und hatte die Partie zunächst kontrolliert. Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel innerhalb kurzer Zeit vollständig.

Damit steht Frankfurt nach zwei Spieltagen bei nur einem Punkt. Die sportliche Situation ist umso bemerkenswerter, weil Hütter erst im Sommer zurückgeholt wurde und der Verein mit entsprechend hohen Erwartungen in die Saison gegangen ist.

Quellen:

Fazit: Frankfurt ist aktuell ein ernsthafter Beobachtungskandidat. Die Trainerdiskussion ist noch nicht konkret, aber die Kombination aus schwachem Saisonstart, dem 1:4 gegen Augsburg und den bereits vor dem Spiel vorhandenen Drucksignalen macht Hütter zu einem der interessanteren Fälle.

Union Berlin – Mauro Lustrinelli: Noch kein Traineralarm, aber erste Fragezeichen

Union Berlin ist nach dem Wochenende ebenfalls näher an die Diskussion gerückt. Beim 0:4 in Leverkusen wurde deutlich, dass die Mannschaft in mehreren Bereichen noch nicht stabil ist. Vor allem die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, Probleme im Spielaufbau und eine noch nicht eingespielte Defensive fielen auf.

Kapitän Rani Khedira bezeichnete die Partie anschließend als „Lehrstunde“.

Mauro Lustrinelli applaudiert den Fans nach dem Bundesliga-Spiel von Union Berlin gegen Bayer Leverkusen
LEVERKUSEN, DEUTSCHLAND – 5. September 2026: Mauro Lustrinelli, Trainer von 1. FC Union Berlin, applaudiert den Fans nach dem Bundesliga-Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen in der BayArena. (Foto: Pau Barrena/Getty Images)

sprach von fehlenden Prozenten und forderte eine Reaktion. Das ist nach zwei Spieltagen noch kein Anzeichen für eine bevorstehende Trennung. Der Trainer ist neu und Union befindet sich selbst in einem Umbruch.

Dennoch kommt das nächste Spiel zur richtigen Zeit: Am Freitag empfängt Union den FC Schalke. Nach der deutlichen Niederlage in Leverkusen muss die Mannschaft zeigen, dass die Probleme tatsächlich mit einem frühen Anpassungsprozess zu erklären sind.

Quellen:

Fazit: Union ist ein Beobachtungskandidat, aber derzeit kein konkreter Krisenfall. Für Lustrinelli ist vor allem wichtig, wie die Mannschaft auf das 0:4 reagiert.

Weitere Trainer bleiben zunächst außen vor

Nicht jeder schwache Saisonstart führt automatisch zu einer Trainerdiskussion. Werder Bremen etwa hatte vor dem Heimspiel gegen Leipzig bereits mit Druck und Unruhe zu kämpfen. Der 3:1-Sieg gegen RB verändert die Lage jedoch deutlich. Daniel Thioune hat damit zunächst wichtige Argumente gesammelt.

Auch Bayer Leverkusen hat sich mit dem 4:0 gegen Union nach der überraschenden Auftaktniederlage gegen Elversberg stabilisiert. Beim 1. FC Köln sorgt der Sieg gegen Hoffenheim ebenfalls für Entspannung. Schalke holte gegen Bayern einen Punkt und lieferte damit eher ein positives Signal als Argumente für eine Trainerdebatte.

Sechs Trainer im Blick – aber noch keine Nachfolger-Spekulationen

Nach zwei Spieltagen lassen sich die Fälle klar voneinander unterscheiden. Gladbach und der HSV stehen bereits deutlich unter Druck. Frankfurt, Hoffenheim, Leipzig und Union Berlin liefern erste Argumente für eine genauere Beobachtung, wobei die Ausgangslage jeweils unterschiedlich ist.

Verein Trainer Temperatur Auslöser
Gladbach Eugen Polanski Hoch 0 Punkte, sieben Gegentore, interne Diskussion im Sommer, öffentlicher Druck
HSV Merlin Polzin Hoch 0 Punkte, 0:7 Tore, hohe Erwartungen nach dem Transfer-Endspurt
Eintracht Frankfurt Adi Hütter Erhöht 1 Punkt, 1:4 gegen Augsburg, bereits vorher als Druckspiel bezeichnet
Hoffenheim Christian Ilzer Erhöht 0 Punkte, zweimal Führung verspielt, Stuttgart als nächster Prüfstein
RB Leipzig Martín Demichelis Erhöht 1:3 in Bremen, Champions-League-Start, Personalsorgen, interner Klartext
Union Berlin Mauro Lustrinelli Beobachtung 0:4 in Leverkusen, erkennbare strukturelle Probleme

Von konkreten Nachfolgern ist dagegen noch keine Rede. Dafür ist es nach zwei Spieltagen zu früh. Entscheidend ist zunächst, ob sich die sportlichen Probleme verfestigen und ob die Vereinsführungen öffentlich oder intern reagieren.

Die nächsten Spiele können die Rangfolge verändern

Schon der dritte Spieltag könnte für Bewegung sorgen. Gladbach tritt in Freiburg an, der HSV empfängt Leipzig und Hoffenheim spielt in Stuttgart. Für Frankfurt geht es gegen Mainz weiter, während Union am Freitag Schalke empfängt.

Mehrere der Kandidaten stehen damit unmittelbar vor Partien, die ihre Situation verbessern oder verschärfen können. Besonders interessant ist das Duell zwischen HSV und Leipzig: Während Polzin dringend ein Erfolgserlebnis benötigt, muss auch Demichelis nach der Niederlage in Bremen zeigen, dass Leipzig schnell wieder in die Spur findet.

Noch hat niemand seinen Stuhl geräumt. Aber bei mehreren Vereinen sind die ersten Risse sichtbar. Ob daraus tatsächlich Trainerdiskussionen entstehen, entscheidet sich nicht nach zwei Spieltagen – sondern in den nächsten Wochen.

Stand: 7. September 2026. Der Artikel verzichtet bewusst auf Nachfolgerspekulationen. Im Mittelpunkt stehen die aktuellen sportlichen Entwicklungen und die ersten belastbaren Anzeichen für wachsenden Druck auf einzelne Trainer.