Der FC Augsburg hat mit einem furiosen 4:1 bei Eintracht Frankfurt die Spitze der Bundesliga übernommen. Manuel Baum will den historischen Moment festhalten und den Tabellen-Screenshot künftig in seinem Büro sehen. Entscheidend war nach Ansicht des FCA-Chefcoachs einmal mehr die enorme Wirkung seiner Einwechselspieler.

Erstmals in der Vereinsgeschichte steht der FC Augsburg an der Spitze der Bundesliga. Nach dem 4:1-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt am zweiten Spieltag griff Manuel Baum unmittelbar zum Handy. „So haben wir uns auf das Spiel vorbereitet. Wir wollten dieses Ziel schaffen, erstmals die Bundesliga anzuführen. So etwas gab es in Augsburg noch nie. Ich habe mir gleich einen Screenshot gemacht und werde den mir zu Hause ausdrucken und ins Büro hängen. Das sieht bestimmt ganz geil aus.“
Der FCA drehte die Partie nach einer schwachen ersten Hälfte mit vier Treffern nach der Pause. Baum sah den Schlüssel dabei vor allem in der Tiefe seines Kaders. „Ich finde, wir haben einfach eine unfassbare gute Bank. Wir haben schon in Cottbus und gegen Schalke die zweite Hälfte mit 2:0 gewonnen, und heute die zweite Halbzeit mit 4:0. Da stimmt schon die These, dass nicht die erste Elf die zwingend wichtigere ist, sondern die letzte.“
Augsburg dreht nach Dahmens Paraden auf
Vor dem Seitenwechsel hatte Frankfurt das Geschehen laut Baum klarer im Griff. Der Augsburger Coach hob besonders Finn Dahmen hervor, der den FCA mit mehreren Paraden im Spiel hielt. „In der ersten Hälfte habe ich mich schon sehr geärgert und da müssen wir uns auch bei Finn Dahmen bedanken, dass er so viele Chancen pariert hat. Er hat uns im Spiel gehalten und in der zweiten Hälfte haben wir dann umgestellt und es lief viel besser.“

Dahmen bestätigte diese Einschätzung und räumte ein, dass Augsburg zunächst nicht an sein Limit gekommen sei. „Die erste Hälfte war von uns ganz schlecht, dennoch zeigt es auch unsere Qualität, dass wir auswärts mit einem Selbstverständnis aus der Kabine kommen und das Spiel am Ende noch verdient gewinnen.“
Der Torhüter bezog zudem Stellung zu einer umstrittenen Szene mit Frankfurts Jonathan Burkardt. „Ich war schon am Ball dran, das ist auf keinen Fall ein Elfmeter.“ Burkardt sah die Aktion anders: „Ich weiß, dass ich den Ball spiele und denke, dass da ein leeres Tor steht und ich nur einschieben muss. Finn Dahmen trifft mich in diesem Moment. Der Schiedsrichter meinte dann, wir hätten beide den Ball gespielt. Ich denke, bei so einer Aktion könnte der Unparteiische auch auf den Punkt zeigen.“
Auch Arijon Ibrahimovic, der als „Man of Match“ ausgezeichnet wurde, unterstrich den gelungenen Start der Augsburger. „Es ist ein super Start und das gegen Frankfurt war eine tolle Teamleistung. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und ich bin glücklich, für den FCA spielen zu dürfen.“ Über seine ersten Tage beim neuen Klub sagte er: „Ich würde sagen, wir sind eine Einheit, die zusammenhält. Wir haben eine gute Stimmung in der Mannschaft. Da macht es Spaß Fußball zu spielen.“
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Baum muss allerdings den Ausfall von Anton Kade im Blick behalten. Der Angreifer hatte sich im Training verletzt. „Das wissen wir noch nicht so genau. Er hat muskuläre Probleme, da müssen wir von Tag zu Tag schauen. Im Training hat er sich durch einen Spreizschritt an den Adduktoren verletzt und da wollen wir jetzt keine Gefahr eingehen. Wir wissen bisher nicht, ob es für die nächste Woche reicht.“
Michael Gregoritsch hatte vor der Begegnung vor Frankfurts Offensivqualität gewarnt: „Es ist ein komplett anderes Spiel. Wir spielen auswärts und gegen eine offensiv sehr starke Mannschaft.“
Manuel Baum war am 9. Mai 2026 vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach in der WWK-Arena in Augsburg als FCA-Cheftrainer zu sehen.
Die aktuelle Bundesliga Tabelle Top 10
Frankfurts Einbruch nach starkem Beginn
Bei der Eintracht überwog nach dem Abpfiff die Enttäuschung. Adi Hütter konnte sich den drastischen Leistungsabfall nach einer dominanten ersten Halbzeit nicht erklären. „Aktuell überwiegt erst einmal die Enttäuschung. So eine Niederlage war nach der ersten Hälfte, wo wir das Spiel klar dominiert haben, auch nicht zu erwarten. Zwei Sachen müssen wir ändern. In der ersten Hälfte unsere Chancenverwertung und dann dürfen wir so schnell ein Spiel nicht aus der Hand geben, wie wir es gemacht haben.“
Der Frankfurter Übungsleiter kritisierte vor allem die Defensivleistung nach dem Seitenwechsel. „Vier Tore in einer Halbzeit zu bekommen, das geht einfach nicht. Dennoch ich sehe nicht alles negativ. Die erste Hälfte war positiv, die zweite war fürchterlich.“
Vor der Partie hatte Hütter zudem Aussagen zu seinem Verhältnis zu Sportvorstand Markus Krösche getroffen. Trotz zahlreicher Veränderungen im Sommer gebe es keine Spannungen. „Wir haben ein sehr ordentliches Arbeitsverhältnis. Wir hatten im Sommer 38 Transferbewegungen im Verein und 18 Transfers in der ersten Mannschaft. Natürlich konnten nicht all meine Wünsche erfüllt werden, das ist aber auch klar, aber das uns ein schlechtes Arbeitsverhältnis angekreidet wird, das kann ich ganz klar abstreiten.“
Zur Startelf und Neuzugang Lilian Brassier erklärte Hütter vor dem Anpfiff: „Lilian Brassier hat viel Erfahrung aus der Ligue 1 und jetzt konnten wir ihn in Frankfurt verpflichten. Er ist ein Verteidiger, der sehr kopfballstark und zweikampfstark ist und uns in der Defensive Stabilität geben soll.“
Jonathan Burkardt sprach nach der Niederlage von besonders schmerzhaften Minuten unmittelbar nach der Pause. „Die zwei Gegentore zu Beginn der zweiten Hälfte waren schon sehr bitter. Die beiden Tore haben schon wehgetan. Dass wir dann auch noch das dritte und vierte Gegentor bekommen, muss einfach nicht sein. Augsburg war in der zweiten Hälfte deutlich reifer.“ Mit Blick auf den großen Umbruch ergänzte er: „Wir befinden uns mit der jungen Mannschaft, die im Sommer einen großen Umbruch erlebt hat, noch in einem Prozess und dennoch sollten so viele Gegentore nicht passieren.“
Mario Götze sah seine Mannschaft ebenfalls über weite Strecken der ersten 45 Minuten auf einem guten Weg. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Am Ende müssen wir mit einer höheren Führung in die Pause gehen. Dann kommen wir ganz schlecht aus der Halbzeit, bekommen die Gegentore und haben den Faden verloren.“ Für die kommenden Wochen sei eine konstantere Leistung erforderlich: „Wir haben auch gegen Union Berlin ein gutes Spiel über 75 Minuten gemacht und auch gegen Augsburg waren die ersten 45 Minuten sehr gut von uns. Jetzt geht es aber darum, dies auch über 90 Minuten zu zeigen. Dann sind wir auf einem guten Weg.“
Noah Atubolu hatte sich vor seinem ersten Heimspiel in Frankfurt begeistert über die Atmosphäre im Stadion geäußert. „Es ist unfassbar. Ich fand die Spiele hier im Stadion immer sehr gut, wir haben mit dem SC Freiburg hier leider nie gewonnen. Die Atmosphäre hier ist unglaublich.“
Krösche formulierte vor dem Spiel kein konkretes Tabellenziel. „Wir wollen eine andere Art und Weise an den Tag legen, als letztes Jahr. Wir wollen eine gewisse Energie auf den Platz bringen. Eine gewisse Zielstrebigkeit nach vorne und Torgefahr ausstrahlen. Das ist das Primärziel und da haben wir keinen Platz als Saisonziel ausgegeben.“
Der Sportvorstand bezeichnete die jüngste Transferphase als besonders fordernd. „Das muss man schon sagen. Normalerweise sind die Engländer ja sehr aktiv auf dem Transfermarkt, doch in diesem Sommer haben sie signifikant weniger in Deutschland ausgegeben. Das haben alle Vereine gespürt, aber am Ende haben wir unsere Ziele erreicht.“
Zu Spekulationen über seine Person sagte Krösche: „Für mich war immer nur wichtig, was die Protagonisten sagten. Da passte nie ein Blatt zwischen mich, den Aufsichtsrat und den Vorstand und sie haben schnell signalisiert, dass es da keine Diskussionen um mich gibt.“ Die zurückliegenden Wochen beschrieb er so: „Es war eine turbulente Zeit. Wir haben die internationalen Plätze verpasst und dann wollten wir unseren Kader ausdünnen und den einen oder anderen Akzent bei den Transfers auch setzen.“
DAZN-Experte Sebastian Kneißl bewertete den Frankfurter Auftritt ähnlich kritisch. „Vor allem dank der zweiten Hälfte haben sie verdient verloren. In der ersten Halbzeit sehr viel Energie, guter Spielfluss und der Kader hat gezeigt, was er kann. Dann kassieren sie aber nach der Pause in wenigen Sekunden zwei schnelle Gegentore. Insgesamt war das Spiel der Eintracht in Hälfte zwei aber zu langsam.“
Zur Kaderplanung der Hessen sagte Kneißl schon vor dem Anpfiff: „Die Erwartungshaltung für diese Spielzeit ist in Frankfurt, dass sie international nicht vertreten sind, deshalb musste der Kader angepasst werden. Ich finde den Kader sehr spannend. Es sind einige bekannte Gesichter gegangen, doch es sind auch einige junge Spieler dabei, die viel Potenzial versprechen.“