Der Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs eskaliert weiter. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und mehrere mächtige Verbandschefs haben Gianni Infantino in einem offenen Brief scharf attackiert und ihm einen Vertrauensbruch vorgeworfen. Der FIFA-Boss denkt jedoch nicht ans Aufgeben und kann sich auf prominente Rückendeckung stützen.

Was einst als interne Verstimmung begann, hat sich längst zu einem öffentlich ausgetragenen Schlagabtausch entwickelt. Infantino und seine Kritiker liefern sich in schöner Regelmäßigkeit verbale Attacken, bei denen kaum noch Rücksicht genommen wird. Die jüngste Eskalationsstufe: Ein Schreiben von Ceferin und seinen Verbündeten, das als direkte Antwort auf den Rundumschlag des FIFA-Präsidenten gegen seine weltweit verteilten Gegner zu verstehen ist.
Ceferin und Verbündete erhöhen den Druck
„Fußball ist die größte gemeinsame Leidenschaft der Welt. Er gehört weder einer Einzelperson noch einer Institution“, heißt es in dem Brief, der an die gesamte „Fußball-Familie“ adressiert ist. Die zuletzt starke Entwicklung der FIFA sei zwar real, jedoch „niemals das Werk einer einzelnen Person“ gewesen, betonen die Verfasser.
Unterschrieben haben neben Ceferin auch Salman bin Ibrahim Al Chalifa, Präsident des asiatischen Verbands AFC, sowie Victor Montagliani, Chef des nord- und mittelamerikanischen sowie karibischen Verbands CONCACAF. Damit hat der UEFA-Boss zwei der einflussreichsten Kontinentalverbände offiziell an seiner Seite. In ihrem Schreiben stellen die drei klar, dass Führung im Fußball nicht bedeute, Macht anzuhäufen oder zu verteidigen, sondern der Fußballfamilie zu dienen, „die einem diese Verantwortung anvertraut“. Weiter heißt es: „Wenn Vertrauen durch Täuschung gebrochen wird, wenn sich eine Person über das Kollektiv stellt, das ihr Autorität anvertraut hat, dann wurde diese Pflicht vernachlässigt.“
Namentlich wird Infantino in dem 720 Wörter langen Papier nicht erwähnt, doch der Subtext lässt keinen Interpretationsspielraum: Der FIFA-Chef soll sein Amt räumen, und zwar zügig. Den Verfassern gehe es dabei explizit nicht darum, die Mitgliedsverbände zu spalten oder bereits gefällte Beschlüsse wie WM-Vergaben rückgängig zu machen. Auf dem Spiel stehe etwas Grundlegenderes, „die Integrität des Spiels und die Integrität derjenigen, die gewählt wurden, um es zu führen“.
FIFA und Verbündete kontern die Vorwürfe
Von einem Rückzug ist bei Infantino bislang nichts zu spüren. Am Wochenende hatte ihm der Weltverband ebenso wie zahlreiche nationale Verbände aus Südamerika und Afrika demonstrativ die Treue gehalten und die Opposition deutlich attackiert. In einem Statement erklärte die FIFA: „Es wird immer deutlicher, dass es gezielte und anhaltende Bemühungen einiger Akteure gibt, die FIFA und ihren Präsidenten zu untergraben.“
Dass der Weltverband im Zuge des inzwischen gescheiterten Investorendeals durchaus eigene Fehler eingeräumt hatte, ändert an der Haltung der Kontinentalverbände nichts. Im Gegenteil, sie erneuerten den Vorwurf, Infantino habe bewusst geplant, die anderen Fußball-Institutionen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Der Vorschlag sei „unter Zeitdruck und ohne sinnvolle Konsultation vorgebracht“ worden und habe den Mitgliedsverbänden keine ausreichende Prüfzeit gelassen. Das sei „nicht das Ergebnis eines Versehens, sondern das Ergebnis einer Absicht, die darauf abzielte, die Kontrolle einzuschränken“, schreiben Ceferin und Co.
Besonders scharf fällt die Kritik am Versuch aus, die „FIFA-Weltmeisterschaft zu verkaufen“. Dies stelle einen „grundlegenden Vertrauensbruch gegenüber genau jenen Institutionen, denen die FIFA eigentlich dienen soll“ dar. Zusätzlich bemängeln die Unterzeichner, dass die von der FIFA versprochene Aufarbeitung der jüngsten Vorfälle nicht vollständig durch eine unabhängige Instanz erfolgen solle. Zum Abschluss ihres Gegenschlags konstatieren die Verbandschefs: „Es herrscht Schweigen, wo Rechenschaftspflicht herrschen sollte, und Distanz, wo Offenheit herrschen sollte.“ Die nächste Runde in diesem Machtkampf dürfte nicht lange auf sich warten lassen.
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