Zinédine Zidane übernimmt am Dienstag die französische Nationalmannschaft und setzt damit eine Reihe prominenter Vereinscoaches bei großen Verbänden fort. Doch die jüngsten Weltmeisterschaften zeigen, dass herausragende Erfolge auf Klubebene keineswegs automatisch zu Titeln mit einer Auswahl führen.

Zidane bereit für Frankreichs Nationalteam
Es wirkt, als habe Zinédine Zidane jahrelang auf diesen Schritt hingearbeitet. Seit fünf Jahren ist der frühere Weltstar ohne Trainerjob geblieben. In dieser Zeit soll sich der 54-Jährige gezielt auf den Moment vorbereitet haben, an dem er die französische Nationalmannschaft übernimmt.
Am Dienstag um 11.00 Uhr wird Zidane als Nachfolger von Didier Deschamps vorgestellt. Nach Carlo Ancelotti, Thomas Tuchel und Jürgen Klopp ist er der nächste prominente Vereinscoach, der seine Erfahrung auf der internationalen Bühne einbringen will. Zidane gilt damit als jüngstes Beispiel für die Annahme, erfolgreiche Arbeit im Klub lasse sich ohne Weiteres auf eine Nationalmannschaft übertragen.
Das WM-Finale erreichten zuletzt allerdings zwei Verbandstrainer. 2022 führte Lionel Scaloni Argentinien zum Titel, 2026 gewann Luis de la Fuente mit Spanien die Weltmeisterschaft. Beide hatten zuvor als Vereinstrainer kaum bedeutende Erfolge vorzuweisen. Der direkte Weg vom erfolgreichen Klub- zum erfolgreichen Nationaltrainer ist somit keineswegs vorgezeichnet.
Zidanes Referenzen sind erstklassig
Die sportliche Vita des neuen französischen Nationaltrainers ist dennoch außergewöhnlich. Als Spieler wurde Zidane Welt- und Europameister. Mit Real Madrid gewann er als Coach zwischen 2016 und 2018 dreimal die Champions League. Hinzu kamen zwei Titel bei der damaligen Klub-WM sowie zwei spanische Meisterschaften.
Den zweiten Ligatitel holte Zidane 2020 während seiner zweiten Amtszeit bei den Königlichen, die von 2019 bis 2021 dauerte. Diese zweite Periode verlief insgesamt weniger erfolgreich als sein erster Aufenthalt auf der Trainerbank von Real Madrid. Seit seinem Abschied hat Zidane auf eine neue Aufgabe gewartet.
Seine Erfolge im Vereinsfußball machen ihn begehrt, eine Garantie für Titel mit einer Nationalmannschaft sind sie jedoch nicht. Carlo Ancelotti, der fünfmal die Champions League gewann, scheiterte mit Brasilien bei der WM im Achtelfinale an Norwegen. Thomas Tuchel, 2021 mit dem FC Chelsea Champions-League-Sieger und Klub-Weltmeister, verlor mit England im Halbfinale gegen Argentinien. Dabei wirkte es, als sei er von einem früheren Nobody taktisch ausgecoacht worden.
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Verbandserfahrung statt Klubruhm
Lionel Scaloni hatte beim FC Sevilla und bei der argentinischen A-Nationalmannschaft als Co-Trainer gearbeitet. 2018 wurde er eher aus der Not heraus zum Chefcoach befördert. Seine Bilanz ist dennoch herausragend: Mit Argentinien gewann er 2022 die Weltmeisterschaft und erreichte 2026 erneut das WM-Finale.
Luis de la Fuente blieb als Vereinstrainer im Grunde ohne nennenswerte Erfolge. Seine Laufbahn verlief stattdessen seit 2013 erfolgreich im Verband. Mit Spaniens U19 gewann er 2015 die Europameisterschaft, mit der U21 folgte 2019 der EM-Titel. Als Verantwortlicher der A-Nationalmannschaft kamen 2024 die Europameisterschaft und 2026 die Weltmeisterschaft hinzu.
Jürgen Klopp bringt nach Ansicht von Rudi Völler dennoch beste Voraussetzungen für seine Aufgabe als Bundestrainer mit. Mit Borussia Dortmund wurde Klopp 2011 und 2012 deutscher Meister. Mit dem FC Liverpool gewann er 2019 die Champions League sowie die Klub-WM und holte 2020 die englische Meisterschaft.
Völler mahnte am Montagmorgen beim Internationalen Trainer-Kongress in Mainz trotzdem zur Vorsicht. Auch der als Trainer „unglaublich erfahrene“ Klopp „merkt schon, welche Wucht dieses Amt hat. Du kannst noch so lange Vereinstrainer gewesen sein, Nationaltrainer ist eine andere Hausnummer.“
Der frühere DFB-Sportdirektor hält Klopps Erfahrung bei Spitzenklubs für eine wichtige Grundlage. „Da kann man bei den besten Klubs der Welt sein, aber Nationaltrainer zu sein bei einem großen Verband, und das ist Deutschland ja immer noch, das ist ein Riesenpfund.“
Gleichzeitig brauche ein Nationalcoach vermutlich ein deutlich dickeres Fell als ein Vereinsübungsleiter. Klopp, so Völler, „wird auch merken, das habe ich auch Julian (Nagelsmann) immer wieder gesagt: Egal, welche Entscheidung man trifft, bei der Nominierung, der Aufstellung, taktisch – da sind 80 Millionen, die das mitdiskutieren. Und man kann es nicht allen recht machen.“