Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
Jürgen Klopp hat beim DFB ein radikales Umdenken eingefordert, ohne selbst nach dem Bundestraineramt zu greifen. Statt Personaldebatten stellte er den deutschen Fußball nach dem WM-Desaster grundsätzlich infrage. Seine Botschaft war klar und unbequem. Der Verband müsse strukturell neu aufgestellt werden.

(Photo by Conor Molloy/News Images)
Klopp fordert den Neustart von unten
In einer live ausgestrahlten Analyse zeichnete Klopp ein schonungsloses Bild des deutschen Fußballs. Nach dem erneuten Turnierfrust solle der DFB nicht länger am Selbstverständnis des viermaligen Weltmeisters festhalten, sondern sich ehrlich mit den eigenen Versäumnissen auseinandersetzen. „Deutschland? Wir waren mal Deutschland“, sagte Klopp in aller Härte. „Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir richtig rangehen!“
Gemeint ist für ihn vor allem ein tiefgreifender Umbau. „Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern. Da können wir bei der U10 anfangen und ein paar Jahre warten, was oben rauskommt“, erklärte der frühere Liverpool-Coach. Für Klopp reicht es nicht, punktuell nachzubessern. Er verlangt einen strukturellen Neuanfang, der das gesamte System umfasst.
Auch Tobias Haupt, früherer DFB-Akademieleiter, zog eine ernüchternde Zwischenbilanz. „Wir haben traditionell sehr viel Wert auf Kollektiv, taktisches Verhalten, Verlässlichkeit und Mentalität gelegt. Heute reicht das aber nicht mehr.“ Gegenüber t-online forderte er „konsequentes Handeln und einen großen Schulterschluss“.

Fragen nach der richtigen Richtung
Hinter dem sportlichen Rückschlag steht für Klopp vor allem eine mentale Fehlsteuerung. Er stellte infrage, warum der DFB nach den bitteren Enttäuschungen bei den Turnieren 2018 und 2022 überhaupt wieder vom Titel in Amerika sprechen könne. „Wir kommen hierhin und wollen Weltmeister werden“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Wer sind wir?“
Für die Trainer-Ikone ist das Siegerdenken des großen Favoriten womöglich sogar ein Hindernis. Statt sich als Titelanwärter zu sehen, solle Deutschland wieder in die Rolle des Herausforderers schlüpfen. Als Beispiel nannte Klopp Paraguay. „Schaut auf Paraguay“, rief er aus. „Die weinen alle, so viel bedeutet ihnen das Achtelfinale.“ Erst wenn der Druck des Selbstanspruchs abfalle, könne bei einem Turnier wieder Freude entstehen.
Personell brachte Klopp selbst zwar kein eigenes Interesse am Amt des Bundestrainers ins Spiel, doch in der Debatte um Julian Nagelsmann wächst der Druck. Lothar Matthäus erklärte der Bild-Zeitung, ihm fehle „die Fantasie“, wie es mit Nagelsmann weitergehen könne, und er senkte den Daumen wie einst im Kolosseum. Nach dieser Weltmeisterschaft müsse es „mit einem neuen Trainer weitergehen. Das war einfach zu viel.“
+++ 🟡 NEU zur WM 2026: 📒 Panini Update-Set mit 120 Stickern (Neymar, Neuer & Co.) ⚡ Jetzt für 19,90 € vorbestellen, lieferbar ab 03.07.! ➡️ 🟡 +++
Nagelsmann, Völler und die offene Machtfrage
Julian Nagelsmann denkt allerdings nicht an einen Rückzug. „Ich möchte das weitermachen“, sagte er. „Wenn man das nicht will, muss man mir das sagen.“ Gemeint sind Bernd Neuendorf, der DFB-Präsident, Geschäftsführer Andreas Rettig und Sportdirektor Rudi Völler, die den Kurs des Verbandes mitbestimmen. Völler, der bei der WM als Gute-Laune-Onkel und Beschützer durch Amerika zog, hält Nagelsmann weiterhin für „einen Top-Trainer“ und sogar „wahrscheinlich“ für den besten Kandidaten.
Gleichzeitig machte Völler deutlich, dass er nicht allein entscheiden könne. Genau darin liegt die Brisanz der Lage, denn ein einfaches Weiter so würde für Klopp kaum zu einem echten Neuanfang passen. Nach Turnierblamagen wie mit Joachim Löw und Hansi Flick wäre ein solcher Weg erneut schwer vermittelbar. Klopp sprach deshalb von „Ein Jahrzehnt!“, das verschenkt worden sei.
Auch auf der Spielerseite richtet sich der Blick auf mögliche Konsequenzen. Die als „Generation nix“ kritisierte Gruppe um Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Leroy Sané habe ihre nächste Chance liegen gelassen. Mats Hummels sagte, wer jetzt Anfang 30 sei und bereits vier, fünf oder sechs Turniere ohne Erfolg gespielt habe, solle Platz machen. Manuel Neuer ist mit seinen 40 Jahren ohnehin aus der Nationalmannschaft raus, Antonio Rüdiger ließ seine Zukunft offen.
Joshua Kimmich, der bei der WM Kapitän war, sieht das anders. „Ich werde nicht aufgeben“, sagte er und stellte klar, dass er Nationalspieler bleiben will. Was Klopp davon hält, ist bislang nicht bekannt.