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Sieben Treffer zum Auftakt sind ein Statement, auch wenn der Gegner nur Curaçao hieß. Philipp Lahm sieht die Auswahl von Julian Nagelsmann trotzdem erst am Anfang eines Reifeprozesses und mahnt vor dem nächsten Härtetest zur Geduld. Vor allem die linke Seite und das Zusammenspiel im Mittelfeld stehen für ihn im Fokus.

Brown soll bleiben, Wechsel nur in Maßen
Lahm würde nach dem 7:0 gegen Curaçao an der deutschen Aufstellung kaum rütteln. Schon zuvor hatte er erklärt, dass er David Raum aufgeboten hätte. Jetzt aber spricht er sich klar dafür aus, möglichst wenig zu verändern. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass Nagelsmann die Mannschaft nicht durch zu viele Wechsel aus dem Rhythmus bringt. Deshalb soll Nathaniel Brown weiterhin dabei sein.
Für Lahm liegt die besondere Herausforderung für einen Außenverteidiger darin, nach vorn wie nach hinten verlässlich zu funktionieren. Brown habe gegen Curaçao fast wie ein Mittelfeldspieler agiert, sehr dynamisch und unbekümmert. Wie er sich defensiv gegen stärkere Gegner schlägt, muss sich aus Lahms Sicht erst noch zeigen. Erst dann werde sichtbar, wie weit Brown auf höherem Niveau schon sei.
Links stark, rechts mit Fragezeichen
Über die linke Seite lief deutlich mehr als über die rechte. Dort kam Leroy Sané nach Lahms Einschätzung zu keinen entscheidenden Aktionen. Die kicker-Note 4 kann er nachvollziehen, gleichzeitig versteht er aber auch, weshalb der Bundestrainer den Offensivmann eingesetzt hat. Sané bringt internationale Erfahrung mit.
Jamie Leweling wäre aus Lahms Sicht ein anderer Spielertyp. Er könnte mit Flanken für andere Akzente sorgen und arbeitet zudem ordentlich gegen den Ball. Dennoch hält Lahm einen behutsamen Kurs für den richtigen Weg. Ein, zwei Änderungen seien denkbar, mehr aber bitte nicht. Die Mannschaft müsse sich einspielen.
Pavlovic, Nmecha und die Warnung vor Diomande
Besonders gespannt blickt Lahm auf das Duo Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha. Beide leisteten sich gegen Curaçao einige Leichtsinnsfehler, und genau solche Nachlässigkeiten werden von stärkeren Gegnern bestraft. Für das Spiel an diesem Samstag gegen die Elfenbeinküste stellt sich für Lahm vor allem die Frage, in welchen Zonen sich beide bei Ballbesitz bewegen. Denn in vielen Situationen müsse man schon gut sortiert sein, um mögliche Gegenstöße zu entschärfen.
Mit Yan Diomande kommt ein schneller Angreifer auf Deutschland zu. Entscheidend wird für Lahm sein, wer den Außenverteidiger absichert. Schiebt der Sechser nach, hilft der Innenverteidiger aus, und was passiert, wenn der Außenverteidiger selbst im Angriff ist? Solche Dribbler verteidigt man nur gemeinsam, betont Lahm. Auf Eins-gegen-eins-Duelle zu setzen, sei riskant.
Die Robustheit der Elfenbeinküste sieht er dagegen nicht als Hauptproblem. Deutschland könne dagegenhalten und habe bei Standards bereits getroffen, genau darin sei das Team stärker als andere. Klar sei auch, dass es um Platz 1 in der Gruppe gehe. Schon eine Niederlage könnte diesen Rang kosten, deshalb sei Deutschland ein Stück weit unter Druck. Wie die Mannschaft damit umgeht, werde spannend. Lahm rechnet mit einem hochklassigen Spiel.
Philipp Lahm ist 42 Jahre alt, Weltmeister von 2014 und begleitet die WM als Experte in einer Video- und Textkolumne.