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Haiti startet bei der WM 2026 in ein Turnier, das für das Land weit über den Sport hinaus Bedeutung hat. Wenn die Karibik-Auswahl am Sonntag gegen Schottland um 3 Uhr in ihr XXL-Abenteuer einsteigt, geht es für viele Menschen in Haiti um einen seltenen Lichtblick nach Jahren voller Gewalt, Chaos und Armut.

Die Geschichte der Mannschaft ist auch deshalb außergewöhnlich, weil Nationaltrainer Sébastien Migné das Land, das er betreut, bis heute nie betreten hat. Der 53-Jährige arbeitet seit März 2024 für den Karibikstaat, kann aber wegen der Lage vor Ort nicht anreisen. „Es ist unmöglich, es ist zu gefährlich“, sagte Migné dem France Football Magazine.
WM Spiel von Haiti
Ein Team aus der Ferne geformt
Der Coach muss sich seine Informationen über die Spieler häufig telefonisch von Mitarbeitern des Verbands holen. Eine Reise nach Haiti ist derzeit nicht vorstellbar. „Normalerweise lebe ich in den Ländern, in denen ich arbeite, aber hier geht das nicht. Es landen dort keine internationalen Flüge mehr“, erklärte Migné.
Auch für einige Profis ist das Heimatland nur ein Begriff aus Erzählungen. Mittelfeldmann Jean-Ricner Bellegarde, 27 Jahre alt, wurde in Frankreich geboren und spielt für die Wolverhampton Wanderers in England. Haiti kennt er nur vom Hörensagen. Von den 26 WM-Fahrern des Teams sind insgesamt lediglich zehn in Haiti geboren.

Haiti unter Druck und trotzdem auf Kurs
Haiti wird seit Jahren von brutaler Bandenkriminalität und politischer Instabilität erschüttert. Bewaffnete Gruppen kontrollieren große Teile der Hauptstadt Port-au-Prince. Nach Schätzungen stehen inzwischen rund 90 Prozent der Millionenstadt unter dem Einfluss krimineller Banden. Entführungen, Schießereien und Morde prägen den Alltag im ärmsten Land des amerikanischen Kontinents.
Die Lage hat auch den Fußballbetrieb massiv getroffen. Internationale Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen weitgehend eingestellt, das Nationalstadion ist seit Anfang 2024 geschlossen. Deshalb trägt die Nationalmannschaft ihre Heimspiele im Ausland aus. Auch in der WM-Qualifikation trat Haiti nicht auf heimischem Boden an, sondern auf Curaçao und oft vor nur wenigen Hundert Zuschauern.
Ein seltener Moment der Freude
Gerade deshalb besitzt die WM-Teilnahme für Haiti enorme Symbolkraft, auch wenn viele Menschen die Spiele nur vor dem Fernseher verfolgen können. Wegen eines Einreisestopps der USA dürfen Haitianer ohne Visum das Land nicht betreten. Bellegarde sagte dazu: „Als wir uns qualifiziert hatten, war das Land für ein oder zwei Tage glücklich. Vielleicht schaffen wir so etwas nochmal.“
Sportlich wartet jedoch eine Mammutaufgabe. In der Vorrunde trifft Haiti nicht nur auf Schottland, sondern auch auf Brasilien und Marokko.