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Mexiko ist zum dritten Mal Gastgeber einer WM-Endrunde. Nach der WM 1970 und der WM 1986 eröffnet das Land die Mammut-Weltmeisterschaft am 11. Juni um 21.00 Uhr MESZ im frisch renovierten Aztekenstadion von Mexiko-Stadt vor 87.500 Zuschauern, gemeinsam mit den USA und Kanada. Doch neben der Vorfreude wächst der Blick auf eine Gegenwart, die von Sicherheitsfragen überschattet wird.

Zwischen WM-Märchen und Fußballgeschichte
Die Gastgebergeschichte Mexikos begann im Sommer 1970 mit einer Endrunde, die vor allem den europäischen Fernsehzuschauern in Erinnerung blieb, weil die Spiele dort erstmals in Farbe übertragen wurden. Auch sportlich und atmosphärisch setzte das Turnier Maßstäbe. Wolfgang Overath erinnerte sich später: „Es war die schönste WM aller Zeiten.“ Für Deutschland endete der Traum vom Titel allerdings dramatisch, als die DFB-Elf am 17. Juni im Halbfinale auf Italien traf. Das 1:1 nach 90 Minuten mündete in eine wilde Verlängerung auf höchstem Niveau, die mit einem 3:4 aus deutscher Sicht endete. Weltmeister wurde am Ende zwar nicht Deutschland, aber auch Italien nicht, denn Brasilien mit Pelé holte sich das Endspiel gegen die Azzurri mit 4:1.
Mexiko und sein begeisterungsfähiges Publikum präsentierten sich beim dritten WM-Titel Brasiliens als würdiger Gastgeber. Mit ein Grund dafür, dass nur 16 Jahre später schon wieder dort gespielt wurde, allerdings aus der Not heraus, weil Kolumbien aus politischen Gründen zurückzog. Die Endrunde 1986 wurde dann zur Bühne für Diego Maradona. Der argentinische Fußball-Heilige erzielte im Viertelfinale gegen England erst das legendäre Tor mit der Hand Gottes und danach per Sololauf aus der eigenen Hälfte das von einer FIFA-Abstimmung zum „WM-Tor des Jahrhunderts“ gewählte Kunstwerk. Im Finale gegen Deutschland führte er Argentinien schließlich zum Titel.

Sorge vor der Gegenwart
40 Jahre später reisen die Argentinier als Titelverteidiger nach Mexiko, doch die Vorfreude ist deutlich getrübt. Immer wieder wird diskutiert, ob das Land in einer unruhigen Zeit überhaupt bereit ist, ein solches Großereignis auszurichten. Vor allem die Sicherheitslage sorgt für Zweifel. Im Februar versanken Teile Mexikos im Chaos, nachdem die Armee den berüchtigten Drogenboss Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes getötet hatte.
FIFA-Boss Gianni Infantino hielt das nicht davon ab zu betonen, dass er „sehr ruhig“ sei. „Alles läuft sehr gut, alles wird fantastisch sein“, erklärte er damals in gewohnt optimistischer Manier. Tatsächlich hat sich die Lage seither wieder etwas beruhigt. Auch Präsidentin Claudia Sheinbaum gab sich am Montag zuversichtlich und versprach: „Wir garantieren, dass die Feierlichkeiten zur Weltmeisterschaft reibungslos, friedlich und ruhig verlaufen“. Dennoch bleibt die Stimmung angespannt.
Anfang Juni kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und demonstrierenden Lehrkräften, als Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Protestierenden einsetzten. Die Lehrergewerkschaft CNTE fordert höhere Gehälter und neue Verhandlungen über das Rentensystem und drohte, die Proteste während der WM zu verschärfen. Sheinbaum setzt deshalb auf Tausende Sicherheitskräfte, um einen störungsfreien Ablauf der Spiele zu gewährleisten.
Aztekenstadion im neuen Look
Ob damit auch die lockere Sportfest-Atmosphäre entsteht, die ein Turnier dieser Größenordnung braucht, bleibt offen. Fest steht aber, dass die Stadien Stimmung liefern werden. Besonders das Aztekenstadion nimmt dabei eine Sonderrolle ein. Der legendäre, frisch renovierte Bau ist einer der ganz großen Tempel der WM-Geschichte und könnte im neuen Gewand vielleicht sogar bereit sein für das nächste „Jahrhundert-Ereignis“ im Fußball.