Nächstes Deutschland Länderspiel: Nagelsmann und der Plan B in der Torhüterfrage

Julian Nagelsmann wollte beim ersten WM-Test seine Turnierelf einspielen, doch die Personalprobleme im Tor zwingen den Bundestrainer schon früh zum Umdenken. Vor dem Duell mit Finnland am Sonntag um 20.45 Uhr im ZDF in Mainz rückt der Notfallplan in den Mittelpunkt, weil Manuel Neuer, Kai Havertz und auch Jamal Musiala nicht im gewünschten Rhythmus verfügbar sind.

Bundestrainer Julian Nagelsmann beobachtet aufmerksam die Trainingseinheit der deutschen Nationalmannschaft am 28. Mai 2026 im Homeground in Herzogenaurach. Das DFB-Team bereitet sich dort auf seine letzten Länderspiele vor, bevor es zur FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in die USA geht. Alexander Hassenstein / Getty Images
Bundestrainer Julian Nagelsmann beobachtet aufmerksam die Trainingseinheit der deutschen Nationalmannschaft am 28. Mai 2026 im Homeground in Herzogenaurach. Das DFB-Team bereitet sich dort auf seine letzten Länderspiele vor, bevor es zur FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in die USA geht. Alexander Hassenstein / Getty Images

Neuer fehlt, Baumann springt ein

Beim emotionalen Abschiedsevent mit Frauen und Kindern hatte Nagelsmann eigentlich gemeinsam mit seiner Lena und der großen Nationalmannschaftsfamilie auf den Titel eingeschworen werden wollen. Doch der Weg zum goldenen WM-Ziel beginnt holprig, denn Neuer plagt die „Wade der Nation“, der Rückkehrer fehlt im ersten Turniertest ebenso wie „Neuner“ Havertz, während Musiala vor seinem DFB-Comeback noch nach seiner Form sucht.

„Das“, sagte Nagelsmann über die Störfaktoren, „wird ja auch in einem Turnier passieren können – da haben wir einen Plan B im Kopf.“ Genau zwei Wochen vor dem WM-Auftakt gegen Außenseiter Curacao soll deshalb eine Elf auf dem Platz stehen, die „unter Umständen so beginnen kann im Turnier. Aber es ist jetzt nicht alles in Stein gemeißelt.“

Der Bundestrainer hofft dennoch, dass Neuer bis zur Generalprobe am 6. Juni in Chicago gegen die USA, spätestens aber zum Start am 14. Juni in Houston fit wird. Es gebe „kein Grund zur Sorge“, versicherte er so oft, dass der geneigte Zuhörer doch ein wenig Angst bekommen musste. Bis dahin trainiert Neuer im Gym und dreht Runden auf dem Rasen, während Ersatzmann Oliver Baumann sich in die Schüsse wirft. Über ihn sagte Nagelsmann: „Olli wird es gut machen“ und bezeichnete ihn als seine „Weltklasse-1b-Lösung“ für Mainz.

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An Neuers Ausstrahlung komme Baumann aus Sicht mehrerer Nationalspieler trotz allem nicht heran. „Manu ist einfach Manu. Der hat so eine Aura“, sagte Stürmer Maximilian Beier. Während Neuer am Freitag bei Partner adidas fleißig Autogramme schrieb, rückte der Kampf um die Nummer eins weiter in den Hintergrund des Turnierstarts.

Havertz, Musiala und die Suche nach dem Dreizack

Havertz stößt wegen des Champions-League-Finals erst verspätet zur Mannschaft. Gemeinsam mit Florian Wirtz und Musiala soll er den Dreizack bilden, der bei der Heim-EM 2024 die Fans verzückte. Seitdem standen die drei nur noch vier Mal zusammen auf dem Platz, zuletzt im November 2024. Musiala kam letztmals am 23. März 2025 für die DFB-Elf zum Einsatz und ist nach seiner schweren Verletzung noch nicht der Alte.

Jamal Musiala am Ball beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 28. Mai 2026 im Homeground in Herzogenaurach. Das DFB-Team bereitet sich in der Adidas-Heimatstadt auf die letzten Länderspiele vor der WM 2026 in den USA vor. Alexander Hassenstein / Getty Images
Jamal Musiala am Ball beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 28. Mai 2026 im Homeground in Herzogenaurach. Das DFB-Team bereitet sich in der Adidas-Heimatstadt auf die letzten Länderspiele vor der WM 2026 in den USA vor. Alexander Hassenstein / Getty Images

Nagelsmann will daraus dennoch kein Drama machen. Der Zauberfuß helfe auch „mit 70 Prozent“, betonte er und wollte den 23-Jährigen nicht unter Druck setzen. „Er ist nicht der, der alles alleine entscheiden muss.“ Ähnlich ordnete er Nick Woltemade als Havertz-Ersatz ein. Der Angreifer stürmt in der neuen „Micky Maus“-Ausgabe als „Nick Woltemessi“ „ins Glück“, hatte in Newcastle aber Probleme. Diese, sagte Nagelsmann, würden „ihm helfen“, zudem passe Woltemade besser zum DFB-Spielstil als zu jenem bei United.

Stabil hinten, offen im Zentrum

An seiner aktiven und „über die letzten Jahre gereiften“ Idee hält der Bundestrainer fest. In der Defensive sieht sich die Auswahl gut aufgestellt, wie Nico Schlotterbeck erklärte: Die DFB-Elf habe sich in den jüngsten sieben Spielen mit sieben Siegen stabilisiert. Die Viererkette mit Schlotterbeck und Jonathan Tah im Zentrum sowie Kapitän Joshua Kimmich und David Raum auf den Außenbahnen ist derzeit der einzige Mannschaftsteil, der als eingespielt gilt.

Im Zentrum des Mittelfelds sucht Nagelsmann dagegen weiter nach der passenden Lösung. Aleksandar Pavlovic dürfte gesetzt sein, daneben könnte Felix Nmecha spielen, dem der Coach das Prädikat „Weltklasse“ verlieh. „Wir werden auf jeden Fall ein sehr gutes Doppelsechs-Pärchen haben“, versprach er.

Auch das Selbstvertrauen im Team ist groß. „Ich wüsste ich nicht“, sagte Schlotterbeck, „vor wem wir Angst haben müssten.“ Beim Grillabend im Kreise der Lieben sollte die von Nagelsmann beschworene „Familie“ zusätzlich zusammenrücken. „Diese Dinge“, sagte Kimmich, „können ein positives Gefühl, das du auf dem Platz gemeinsam entwickelst, extrem verstärken.“ Und Ausfälle verkraftbarer machen, wenn mal wieder eine Wade zwickt.