805.000 Fans in Pittsburgh: Warum der NFL Draft 2026 auch Fußballfans begeistern sollte

Pittsburgh, drei Tage, über 800.000 Fans, ein Kölner Tight End und ein Quarterback mit Heisman-Trophäe. Der NFL Draft 2026 hat sämtliche Rekorde pulverisiert. Auch für Fußballfans, die sonst mit American Football wenig anfangen können, hat das Wochenende ein paar Geschichten parat, die man kennen sollte.

Blick auf die Fan-Fest-Zone beim NFL Draft 2026 in Pittsburgh. Runde zwei und drei des Drafts fanden am 24. April 2026 im Acrisure Stadium statt. (Jason Miller / Getty Images North America via Getty Images)
Blick auf die Fan-Fest-Zone beim NFL Draft 2026 in Pittsburgh. Runde zwei und drei des Drafts fanden am 24. April 2026 im Acrisure Stadium statt. (Jason Miller / Getty Images North America via Getty Images)

Pittsburgh feiert sich selbst

Letztes Wochenende hat Pittsburgh den NFL Draft ausgerichtet, also die jährliche Talentauslese, bei der die 32 Teams Nachwuchs aus den US-Universitäten verteilen. Stellt Euch das wie eine Mischung aus Pokalauslosung und Transferfenster vor, nur dass die schwächsten Teams zuerst dran sind. Knapp 805.000 Fans pilgerten an drei Tagen nach Pittsburgh, allein 320.000 am Donnerstag. Die alten Rekorde aus Detroit und Green Bay sind damit Geschichte.

Mendoza, der neue Heilsbringer

Mit dem ersten Pick schnappten sich die Las Vegas Raiders Quarterback Fernando Mendoza von der Indiana University. Der Spielmacher, sowas wie ein Zehner mit Wurfarm, hat 2025 die Heisman Trophy abgeräumt und Indiana zum ersten Meistertitel der Schulgeschichte geführt. In Las Vegas wartet nun Tom Brady als Mit-Eigentümer und Mentor, der per Statement direkt klarmachte, das hier sei erst der Anfang. Druck? Eher die Untertreibung des Jahres.

Die Überraschungen

Die Los Angeles Rams zogen an Position 13 Quarterback Ty Simpson von Alabama, obwohl Routinier Matthew Stafford noch im Kader steht. Scouts murrten anonym, Simpson sei eine Verlegenheitslösung und zu früh dran. Das es aber noch wilder ging, zeigten die Arizona Cardinals, denn diese nahmen an Position 3 Running Back Jeremiyah Love. So früh wurde seit 2012 kein Laufspieler mehr gezogen, und das galt jahrelang als unwirtschaftlich. Der Running Back ist also offiziell wieder cool.

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Marlin Klein, ein Kölner schreibt Geschichte

Aus deutscher Sicht ist Marlin Klein der Star des Wochenendes. Der gebürtige Kölner, der zuletzt für Michigan spielte, ging in Runde 2 an Position 59 zu den Houston Texans. Damit ist Klein der dritthöchste je gedraftete Deutsche, nur Björn Werner und Sebastian Vollmer waren höher dran. Seine Position Tight End ist eine Art Hybrid aus Stürmer und Innenverteidiger, der blockt und fängt.

Marlin Klein von den Michigan Wolverines spricht mit Medienvertretern beim NFL Draft Combine 2026 im Indiana Convention Center in Indianapolis am 26. Februar 2026. (Michael Hickey / Getty Images North America via Getty Images)
Marlin Klein von den Michigan Wolverines spricht mit Medienvertretern beim NFL Draft Combine 2026 im Indiana Convention Center in Indianapolis am 26. Februar 2026. (Michael Hickey / Getty Images North America via Getty Images)

Gewinner und Verlierer

Die dicksten Gewinner sitzen in Cleveland. Die Browns hatten 2025 ihren Erstrundenpick gegen ein üppiges Paket aus Jacksonville getauscht und kassieren dafür jetzt Wide Receiver KC Concepcion. Und ja, der heißt wirklich so. Jacksonville dagegen durfte am Donnerstag nur zuschauen, weil der damals so umjubelte Travis Hunter inzwischen mit Kreuzbandriss ausfällt. Schmerzhafter kann ein Tauschgeschäft kaum altern.

NFL-Draft-Trivia zum Schluss

Pittsburgh war erstmals seit 1948 wieder Draft-Gastgeber, damals tagte man noch im Hotel Fort Pitt. Mr. Irrelevant 2026, also der allerletzte Pick, ist Linebacker Red Murdock von den Denver Broncos. Ein kleines Kuriosum am Rande ist, dass Murdock den NCAA-Rekord für erzwungene Fumbles hält. Vorher gehörte der Khalil Mack, ebenfalls in Buffalo ausgebildet. Manche Talentschmieden bauen halt sehr spezifisch.

Über den Autor: Mariano Glas ist Gründer von Serienjunkies.de und beschäftigt sich neben Serien, Mikrodramen und Popkultur mittlerweile auch intensiv mit American Football.