In der neuesten Folge unseres WM 2026 Podcasts „Der 5. Stern“ geht es um die große Unbekannte nach Deutschlands vorzeitigem Gruppensieg: Hinter sage und schreibe 495 Kombinationsmöglichkeiten verbirgt sich der Gegner im Sechzehntelfinale – und ein erstaunlich komplizierter FIFA-Regelkatalog entscheidet, wer überhaupt weiterkommt.
Deutschland ist durch – doch der Gegner bleibt ein Rätsel
Nach dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste steht Deutschland als souveräner Sieger der Gruppe E fest. Wann und wo es weitergeht, ist längst terminiert: am 29. Juni in Foxborough bei Boston. Nur wer auf der anderen Seite steht, ist aktuell ein völliges Rätsel – der Gegner kommt als Drittplatzierter aus den Gruppen A, B, C, D oder F.
495 Kombinationen: 15 mögliche Gegner aus fünf Gruppen
Das offizielle FIFA-Reglement listet für diese Zuordnung 495 Kombinationsmöglichkeiten auf. Derzeit kommen noch 15 verschiedene Nationen infrage – darunter Schwergewichte wie Brasilien, die Niederlande, Schweden oder Schottland. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann ein Blindflug, dem er mit fast stoischer Ruhe begegnet: Die anderen Gruppen lassen sich ohnehin nicht beeinflussen.
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So ermittelt die FIFA die acht besten Gruppendritten
Weil im neuen 48-Teams-Format auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen, braucht es klare Kriterien. Zuerst zählt der direkte Vergleich der punktgleichen Teams (Punkte, Tordifferenz, erzielte Tore), danach das Gesamtabschneiden über alle Gruppenspiele.
Fairplay-Wertung und Weltrangliste: Wenn Bürokratie entscheidet
Bleibt es gleich, greift die umstrittene Fairplay-Wertung: Jede Gelbe Karte bringt einen Minuspunkt, Gelb-Rot drei, glatt Rot vier. Und wenn selbst das keine Entscheidung bringt, zieht als allerletztes Kriterium die FIFA-Weltrangliste – ein bürokratischer Akt entscheidet dann über das sportliche Weiterkommen auf der größten Bühne.
Die Themen der Folge
Deutschland als Gruppensieger durch – Sechzehntelfinale am 29. Juni in Foxborough bei Boston
495 Kombinationen: 15 mögliche Gegner aus den Gruppen A, B, C, D und F
Schwergewichte im Lostopf: Brasilien, Niederlande, Schweden und Schottland
Wie die FIFA die acht besten Gruppendritten ermittelt
Die umstrittene Fairplay-Wertung und ihre Folgen für die Schlussphase
Die FIFA-Weltrangliste als allerletztes Kriterium
Nagelsmanns stoische Ruhe im Umgang mit der Ungewissheit
[00:00:00] Sprecher 1: 495 – das ist quasi die exakte Anzahl der Kombinationsmöglichkeiten, auf wen Deutschland im ersten K.o.-Spiel dieser WM treffen könnte. Willkommen zur heutigen Ausgabe vom Montag, den 22. Juni, von „Der 5. Stern“ – täglich Nationalelf- und WM-2026-News. Wir haben eine erfreuliche Ausgangslage: Wir marschieren als souveräner Sieger der Gruppe E weiter. Aber das Warten auf den Kontrahenten für das anstehende Sechzehntelfinale hat es in sich. Wir klären heute, wer aus diesem mathematischen Dschungel als deutscher Gegner auftauchen könnte – und nach welch strengem Kriterienkatalog die FIFA die verbleibenden Tickets für die besten Gruppendritten vergibt.
[00:00:41] Sprecher 2: Guten Morgen zusammen. Foxborough nahe Boston, am 29. Juni um 22:30 Uhr unserer Zeit – Ort und Zeit sind in Stein gemeißelt. Nur das Personal auf der anderen Spielfeldhälfte ist noch ein riesiges Fragezeichen. Der Gegner rekrutiert sich aus den drittplatzierten Teams der Gruppen A, B, C, D oder F. Das gleicht im Grunde einer unberechenbaren Auslosung im DFB-Pokal, wo man bis zur letzten Sekunde im Dunkeln tappt. Man kann unmöglich gezielt trainieren.
[00:01:12] Sprecher 1: Aus diesen fünf Gruppen kristallisieren sich derzeit 15 mögliche Nationen heraus, auf die wir treffen können. Und da sind echte Schwergewichte dabei, das darf man nicht unterschätzen. Wenn man die Tabellenstände von heute Morgen hochrechnet, zittern in Gruppe C etwa Brasilien und Schottland um Platz drei. In Gruppe F drohen Kaliber wie die Niederlande oder Schweden. Bei diesen Namen wird mir schon ein bisschen mulmig.
[00:01:34] Sprecher 2: Aber Bundestrainer Julian Nagelsmann lässt sich aus dieser ganzen Ungewissheit heraus gar nicht aus der Reserve locken. Er strahlt inmitten dieser Situation eine fast schon stoische Ruhe aus. Sein Pragmatismus lautet da einfach: Wir können die anderen Gruppen ohnehin nicht beeinflussen, wir nehmen es, wie es kommt.
[00:01:51] Sprecher 1: Bei so einem dicht beisammenliegenden Teilnehmerfeld stellt sich für viele aber die elementare Frage, wie die FIFA die Tabellen bei Punktgleichheit am Ende überhaupt bereinigt. Wir müssen klären, wie man die acht besten Dritten ermittelt.
[00:02:07] Sprecher 2: Da gibt es feste Kriterien nach der Vorrunde. Schritt eins ist der direkte Vergleich der betroffenen Teams. Man prüft die höhere Punktzahl, die bessere Tordifferenz und die geschossenen Tore – also alles erst mal nur aus den direkten Duellen der punktgleichen Teams untereinander.
[00:02:22] Sprecher 1: Korrekt. Und wenn das keine Klärung bringt, zählt in Schritt zwei das Gesamtabschneiden aller Gruppenspiele, also wieder Tordifferenz und erzielte Tore. Ist auch hier alles identisch, greift der Team-Conduct-Score – die Fairplay-Wertung.
[00:02:33] Sprecher 2: Jede gelbe Karte bringt einen Minuspunkt, Gelb-Rot drei, glatt Rot vier Minuspunkte.
[00:02:40] Sprecher 1: Da muss ich aus rein sportlicher Sicht mal einhaken, ob das dem Fußball wirklich gerecht wird.
[00:02:47] Sprecher 2: Du spielst auf die taktischen Entscheidungen in der Schlussphase an.
[00:02:50] Sprecher 1: Richtig. Du bist Innenverteidiger in der 89. Minute, dein Team steht auf der Kippe. Eigentlich verlangt die Situation das klassische taktische Foul, um den Konter zu unterbinden. Aber du lässt den Stürmer im Zweifel laufen, weil eine einzige umstrittene Gelb-Rote Karte deine gesamte Nation aus dem Turnier wirft. Das entwertet doch die sportliche Komponente auf dem Rasen.
[00:03:14] Sprecher 2: Die Debatte führen wir im Fußball seit Einführung der Regel. Die FIFA hält dagegen, dass Disziplin ein essenzieller Bestandteil des Turniersports ist. Man zwingt die Mannschaften so, ihre Zweikampfführung bis zur allerletzten Sekunde der Vorrunde zu kontrollieren. Es verlagert das Weiterkommen aber auf eine buchhalterische Disziplinebene.
[00:03:32] Sprecher 1: Sollte beim Fairplay ebenfalls Gleichstand herrschen, greift die Ultima Ratio der FIFA. Und da verlassen wir den Rasen dann endgültig.
[00:03:40] Sprecher 2: Dann entscheidet schlicht die aktuelle Position in der FIFA-Weltrangliste. Wer vorher höher gelistet war, zieht ein.
[00:03:48] Sprecher 1: Ein bürokratischer Akt entscheidet über das sportliche Weiterkommen auf der größten Bühne.
[00:03:53] Sprecher 2: So ist es. Da wird einfach die aktuellste Ausgabe der Rangliste herangezogen, bis eine Entscheidung fällt.
[00:03:59] Sprecher 1: Ein passender, provokanter Gedanke für euch zum Abschluss: Es birgt schon eine gehörige Portion Ironie, dass in dieser ohnehin komplizierten Konstellation am Ende dieser Woche ausgerechnet der oft für seine intransparente Mathematik kritisierte Algorithmus der FIFA-Weltrangliste das Schicksal einer Nation und den deutschen Weg besiegeln könnte.
[00:04:18] Sprecher 1: Wir bedanken uns fürs Zuhören heute.