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Was passiert mit Nagelsmann? Rücktritt? Rauswurf? Fassungslosigkeit! Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM schon wieder gescheitert und hat sich gegen Paraguay im Elfmeterschießen mit 3:4 aus dem Turnier verabschiedet. Julian Nagelsmann hält trotzdem an seinem Posten fest, doch die Zweifel am Bundestrainer wachsen nach dem erneuten Debakel massiv.

Erstes WM-Aus vom Punkt und das bittere Ende nach 64 Jahren
Deutschland hat bei einer Weltmeisterschaft erstmals ein Elfmeterschießen verloren. Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah scheiterten vom Punkt, sodass für den viermaligen Weltmeister wie schon 2018 und 2022 spätestens in der Runde der letzten 16 Schluss war. Dass es an der ersten K.o.-Hürde endete, erinnert an Zeiten, in denen das Viertelfinale fast selbstverständlich war. Heute wirkt diese Phase wie ein fernes Ziel.
Eine große Mitschuld schrieb Nagelsmann dem Unparteiischen zu. Der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed nahm nach VAR-Intervention den Kopfballtreffer von Tah in der 102. Minute zurück, weil Waldemar Anton seinem Mitspieler offenbar regelwidrig den Weg freigeblockt hatte. Nagelsmann sprach von einem „Vollskandal“. Auch aus dem Expertenkreis kam heftige Kritik, etwa von Ex-Bundesliga-Referee Thorsten Kinhöfer, der sagte: „Mir fehlen die Worte“.
Von Betrug wollte die Mannschaft dennoch nicht sprechen. Die Spieler ordneten das Aus nicht dem Referee zu, sondern sahen vor allem eigene Versäumnisse. Tah forderte: „Wir müssen uns an die eigene Nase packen.“ Zu viele Akteure seien nicht in Form gewesen, Florian Wirtz und Jamal Musiala hätten wie verhext gespielt, Deniz Undav habe nur in zwei Partien als Superjoker gestochen. Dazu kamen Defizite bei Führung, spielerischer Ordnung und der letzten Entschlossenheit.
Nagelsmann unter Druck: viele Fehler, wenig Rückhalt
Was für den Bundestrainer noch spricht, ist nach diesem Auftritt kaum auszumachen. Nagelsmann hat selbst viele Fehler gemacht, und auch das Verletzungspech mit Stars wie Serge Gnabry, Lennart Karl und Nico Schlotterbeck taugt nach Ansicht der Kritik nicht als Entschuldigung. Schon seine flapsige Titel-Ansage nach dem unglücklichen, aber zu frühen Aus bei der Heim-EM wirkte überzogen.
Hinzu kam die unstete Linie bei Personal und Taktik. Vor allem das ständige Hin und Her um die Rolle von Joshua Kimmich, dazu unglückliche öffentliche Auftritte, vorpreschende Interviews und teils patzige, unsouveräne Reaktionen belasteten das Bild des Coaches. Auch die missglückte Rückholaktion von Manuel Neuer zählt zu einer Mängelliste, die inzwischen länger ist als die Liste der deutschen WM-Enttäuschungen.
Der Vertrag des Bundestrainers läuft eigentlich bis zur EM 2028, und Nagelsmann will ihn erfüllen. „Ich bin keiner, der wegläuft. Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Wenn man das nicht möchte, muss man mir das sagen“, erklärte er. Zugleich sagte er: „Ich möchte das weitermachen, aber im Fußball hat man nicht alles in der eigenen Hand.“
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Die DFB-Spitze ringt um eine Entscheidung
Über Nibelungentreue entscheidet nun die Führung des Verbands. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Geschäftsführer Andreas Rettig und Sportchef Rudi Völler haben die Lage in der Hand. Völler zeigte sich grundsätzlich weiter überzeugt von Nagelsmann und sagte: „Ich bin immer noch davon überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, aber ich bin nicht der DFB alleine und habe das nicht alleine zu entscheiden.“ Das Wort „wahrscheinlich“ fiel dabei besonders auf.
Wäre es nach Völler gegangen, müsste Nagelsmann nicht um seinen Job bangen. „Ich finde, er ist die richtige Person“, sagte er. Dennoch steigt der öffentliche Druck von Stunde zu Stunde, und auch intern wird über Alternativen gesprochen. Neuendorf wird eine enge Nähe zu Ligapräsident Hans-Joachim Watzke nachgesagt, der bei einer Personalfrage womöglich zu einem Wechsel raten könnte.
Als Name für die Nachfolge steht vor allem Jürgen Klopp im Raum, Watzkes langjähriger Duzfreund. Klopp verfolgte das Drama vor Ort als „Schattenmann“ und „TV-Bundestrainer“ und sagte bei MagentaTV: „Ich habe einen Job und wir haben auch einen Bundestrainer.“ Er bemühte sich erkennbar, die Debatte nicht weiter anzuheizen. „Wahrscheinlich“, beschwichtigte er, mache Nagelsmann ja weiter. Eine klare Absage an ein mögliches Comeback war das aber nicht.
Neuer vor dem Abschied, Kimmich und Rüdiger lassen offen
Bei den Spielern deutet sich ebenfalls ein Umbruch an. Manuel Neuer beantwortete die Frage, ob dies definitiv sein letztes Länderspiel gewesen sei, mit „ja“. Antonio Rüdiger ließ seine Zukunft im Nationalteam offen, während Kapitän Joshua Kimmich weitermachen will. „Was ich niemals tun werde, ist: aufgeben“, sagte er.
Auch Mats Hummels richtete den Blick auf die Generation dazwischen und forderte, man müsse auch an Spieler „ran, die erst Anfang 30 sind, aber schon vier, fünf, sechs Turniere die Chance hatten“. Damit steht nicht nur der Kader, sondern auch die personelle Erneuerung auf dem Prüfstand.
Klopp fordert den großen Umbau im deutschen Fußball
Über den rein sportlichen Frust hinaus stellte Klopp die Grundsatzfrage. „So viele Dinge müssen angeschoben werden“, sagte er und legte nach: „Wir waren Fußball-Deutschland. Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir richtig ran!“ Auf die Kernfrage, wo angesetzt werden müsse, antwortete er deutlich: „Finde den Fehler im System“.
Gemeint sind Ausbildung, Nachwuchs und auch die Bundesliga. All das steht nach dem erneuten WM-Desaster wieder auf dem Prüfstand. In den kommenden Tagen will sich die DFB-Spitze um Neuendorf erklären müssen. Am 24. September startet die Nationalelf mit dem Treffen der Enttäuschten bei Erzrivale Niederlande in die Nations League.