VfB Star zweifelt nach WM 2026 Aus: Meine Schuld?

Wochenlang hat Deniz Undav das peinliche WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft nicht loslassen können. Der Stürmer von Brighton & Hove Albion fragte sich immer wieder, ob er mit einer verpassten Chance gegen Paraguay eine Mitschuld am Turnier-Aus trägt. Jetzt hat der Publikumsliebling seine Gedankenspirale öffentlich gemacht.

Bundestrainer Julian Nagelsmann umarmt Deniz Undav nach dessen Auswechslung im Sechzehntelfinale der WM 2026 zwischen Deutschland und Paraguay. Aufgenommen im Boston Stadium am 29. Juni 2026 in Foxborough, Massachusetts. (Megan Briggs / Getty Images)
Bundestrainer Julian Nagelsmann umarmt Deniz Undav nach dessen Auswechslung im Sechzehntelfinale der WM 2026 zwischen Deutschland und Paraguay. Aufgenommen im Boston Stadium am 29. Juni 2026 in Foxborough, Massachusetts. (Megan Briggs / Getty Images)

In einem Interview mit dem Bundesliga-Magazin, das am Freitag erscheint und aus dem die Bild-Zeitung bereits vorab zitierte, gewährte Undav tiefe Einblicke in seine Verarbeitung des blamablen Achtzehntelfinal-Ausscheidens. „Die ganze Zeit habe ich darüber nachgedacht, ob unser Ausscheiden auch meine Schuld war, weil ich gegen Paraguay gleich nach ein paar Minuten vergeblich aufs Tor geschossen hatte, statt den Ball quer zu passen. Aber ich hatte in dem Moment einfach nicht gesehen, dass ein Mitspieler vielleicht besser positioniert war“, schilderte der Angreifer seine Sichtweise auf die entscheidende Szene.

Nagelsmanns Analyse nährte die Selbstzweifel

Befeuert wurden Undavs Selbstzweifel durch eine Wortmeldung des damaligen Bundestrainers Julian Nagelsmann direkt nach dem frühen Turnier-Aus. Der Chefcoach hatte die strittige Szene aus der fünften Spielminute schonungslos seziert: „Da stehen wir zu viert alleine vor dem Tor, da müssen wir nur querspielen, dann schieben wir den Ball ins leere Tor. Da chippt der Deniz den irgendwie auf den zweiten Pfosten. Das ist eine ganz einfache Aktion, da war ja nicht viel dahinter.“

Diese öffentliche Einordnung ließ Undav nicht mehr los, auch wenn er sich zunächst mit rationalen Argumenten zu beruhigen versuchte. „Wir hatten danach doch noch 115 Spielminuten Zeit, es kann doch nicht nur an der einen Aktion gelegen haben“, habe er sich damals gesagt. Dennoch kehrte der quälende Gedanke immer wieder zurück: „Aber der Gedanke kommt zurück: War es wirklich deine Schuld?“ Ein klärendes Gespräch mit Nagelsmann habe es bis heute nicht gegeben, wie der 30-Jährige einräumte. Einen Groll hegt er deswegen aber nicht: „Noch einmal gemeldet habe sich Nagelsmann nicht bei ihm“, heißt es dazu, „aber das braucht er auch nicht.“

Trotz starker Turnierbilanz bleibt der bittere Nachgeschmack

Am liebsten würde Undav das gesamte WM-Kapitel hinter sich lassen und „einfach verdrängen“. Dabei fällt die individuelle Bilanz des Offensivspielers alles andere als ernüchternd aus. Als Joker von der Bank brachte er mit drei Toren und zwei Vorlagen frischen Wind in ein sonst eher blasses DFB-Team und zählte zu den wenigen positiven Erkenntnissen des Turniers.

Erst im entscheidenden Gruppenspiel gegen Paraguay durfte der 13-malige Nationalspieler, der bislang neun Treffer für Deutschland erzielt hat, wie vielfach von Fans und Experten gefordert von Beginn an ran. Die Startelf-Chance nutzte er jedoch nicht wie erhofft, präsentierte sich über weite Strecken schwach und wurde nach gut einer Stunde vom Feld genommen.