Louis Lemke hat beim 3:0 des Hamburger SV beim SC Verl einen historischen Vereinsrekord aufgestellt. Der 16-Jährige ist der jüngste Pflichtspieltorschütze in der Geschichte des HSV. Dabei gab es zunächst eine falsche Zuordnung: Nicht Uwe Seeler war zuvor Rekordhalter, sondern Otto Sommer. Der HSV hat dies inzwischen klargestellt.
Hinweis zur vorherigen Fassung: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir berichtet, Louis Lemke habe den Rekord von Uwe Seeler gebrochen. Diese Angabe war falsch. Uwe Seeler hielt den Rekord des jüngsten HSV-Torschützen nicht. Der bisherige Rekordhalter war Otto Sommer, der bereits 1922 für den HSV getroffen hatte. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert.

HSV tut sich in Verl zunächst schwer
Der historische Treffer fiel nach einer ersten Halbzeit, in der der Favorit lange keinen Zugriff auf das Spiel fand. Der Drittligist kam vor 5207 Zuschauern in der ausverkauften Sportclub-Arena zu den besseren ersten Möglichkeiten. Mika Clausen verfehlte das HSV-Tor mit einem Distanzschuss in der 13. Minute nur knapp.
Hamburg benötigte 31 Minuten bis zum ersten eigenen Torschuss. Erst kurz vor der Pause erhöhte die Mannschaft von Trainer Merlin Polzin das Tempo und wurde dafür belohnt. Albert Grönbaek brachte den HSV in der 41. Minute mit 1:0 in Führung.
Direkt nach dem Seitenwechsel legte der Däne nach. Nach einem Dribbling über die linke Seite erhöhte Grönbaek auf 2:0, ehe Lemke wenige Minuten später für die Vorentscheidung sorgte.
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Anschließend kontrollierte der Bundesligist die Partie ohne größere Probleme. Für den HSV war es damit der sechste Einzug in Folge in die zweite Runde des DFB-Pokals. Der Gegner für die nächste Runde wird am 5. September ausgelost, gespielt wird am 27. und 28. Oktober.
Lemke schreibt HSV-Geschichte
Louis Lemke selbst ließ den geschichtsträchtigen Abend in Verl zunächst für sich sprechen. Der 16 Jahre alte Linksverteidiger überließ die Interviews nach dem 3:0-Erfolg des HSV seinen erfahrenen Mitspielern. Auf dem Platz hatte er zuvor für den historischen Moment gesorgt.
In der 50. Minute traf Lemke zum 3:0-Endstand. Nach einer Vorlage von Nicolai Remberg schloss der Youngster von der linken Seite flach ins lange Eck ab. Es war sein erstes Pflichtspieltor für die Profimannschaft und zugleich ein Treffer für die HSV-Geschichtsbücher.
Lemke war dabei 16 Jahre, zehn Monate und 17 Tage alt. Damit löste er einen Rekord ab, der mehr als ein Jahrhundert Bestand hatte.
Otto Sommer hielt den Rekord 104 Jahre
Anders als zunächst berichtet, war Uwe Seeler nicht der bisher jüngste Torschütze des Hamburger SV. Der HSV stellte dies am Dienstag klar. Der Rekord gehörte vielmehr Otto Sommer.
Sommer traf am 15. Januar 1922 im Alter von 17 Jahren und 14 Tagen beim 7:0 des HSV gegen den St. Pauli TV. Damit war er 104 Jahre lang der jüngste Torschütze der Vereinsgeschichte.
Lemke unterbot diese Marke nun deutlich. Mit 16 Jahren, zehn Monaten und 17 Tagen ist er der jüngste Spieler, der für den HSV in einem Pflichtspiel getroffen hat.
Auch Uwe Seeler war bei seinem ersten Tor für die Hamburger noch ein Teenager. Die Vereinslegende erzielte am 1. August 1954 beim 8:2 gegen Holstein Kiel im NFV-Pokal seinen ersten Treffer für die Norddeutschen. Seeler war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre, acht Monate und 27 Tage alt.
Damit war er zwar jünger als viele andere HSV-Torschützen, aber nicht der Rekordhalter.
Grönbaek lobt Lemkes Entwicklung
Dass Lemke überhaupt in Verl von Beginn an auf der linken Seite auflaufen durfte, ist das Ergebnis seiner Entwicklung in den vergangenen Monaten. Der gebürtige Hamburger gehört bereits seit Jahresbeginn zur Trainingsgruppe der Profimannschaft und hat sich dort zunehmend etabliert.
Trainer Merlin Polzin bescheinigte dem Talent zuletzt deutliche Fortschritte. „Er bringt richtig gute Leistungen“, erklärte der HSV-Coach. Auch die erfahrenen Spieler hätten erkannt, dass Lemke nicht nur über großes Talent verfüge, sondern im Training konsequent arbeite und sich weiterentwickeln wolle.
Doppeltorschütze Albert Grönbaek hob nach dem Pokalsieg ebenfalls die Entwicklung des Youngsters hervor. Lemke habe die Vorbereitung genutzt und großes Potenzial. Gleichzeitig müsse die Mannschaft dafür sorgen, dass der 16-Jährige trotz der frühen Aufmerksamkeit hungrig bleibe.
„Wir müssen ihn als Team beschützen“, sagte Grönbaek mit Blick auf den Umgang mit dem Nachwuchsspieler.
Bundesliga-Debüt hatte Lemke bereits gefeiert
Der historische Treffer in Verl war nicht Lemkes erster großer Schritt im Profifußball. Bereits am 33. Spieltag der vergangenen Bundesliga-Saison kam er beim 3:2 des HSV beim SC Freiburg zum Einsatz.
Mit 16 Jahren, sieben Monaten und zwei Tagen war Lemke damals der jüngste eingesetzte Profi der HSV-Geschichte. Nun hat er auch den vereinsinternen Torrekord übernommen.
Für den Hamburger Nachwuchsspieler dürfte damit die nächste Phase seiner Entwicklung beginnen. Der HSV will Lemke trotz des frühen Erfolgs behutsam an den Profifußball heranführen. Der Rekord macht ihn zwar schlagartig bekannt, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Aufgabe: regelmäßige Einsätze, körperliche Entwicklung und weitere Erfahrungen auf hohem Niveau.
Seinen besonderen Abend in Verl wird Lemke trotzdem so schnell nicht vergessen. Mit seinem ersten Pflichtspieltor für die Profis hat er nicht nur den 3:0-Sieg des HSV endgültig abgesichert, sondern zugleich einen 104 Jahre alten Vereinsrekord gebrochen.