Achtet auf sein Gesicht, liebe DFB-Stars. Jürgen Klopp (59) hat in einem Interview mit „Sports Illustrated“ ziemlich offen über seinen Charakter und seinen Umgang mit Spielern gesprochen. Herausgekommen ist so etwas wie ein Kodex für die Nationalmannschaft: viel Vertrauen, viel Zuhören, aber auch eine deutliche Warnung an alle, die es schleifen lassen.

„Dann schraube ich die Drehzahl hoch“: die Ansage an die Spieler
Der Bundestrainer lässt keinen Zweifel daran, dass er Nachlässigkeit bemerkt und darauf reagiert. „Mit einer Mannschaft kann ich auch mal lauter werden“, sagt Klopp. „Nicht besonders häufig, aber wenn ich das Gefühl habe, dass jemand die Dinge nebenher so laufen lässt, dann schraube ich schon mal die Drehzahl hoch.“ Die Einschränkung ist ihm dabei wichtig: Lautstärke ist bei ihm das Ausrufezeichen, nicht der Dauerzustand. Wer beim DFB-Team dabei sein will, sollte sich trotzdem darauf einstellen.
| Baustein | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Emotion plus Analyse | Klopp wird gern auf seine Gefühlsausbrüche reduziert, sein Erfolg beruht aber genauso auf nüchternem, analytischem Denken |
| Vertrauen und klare Erwartung | Spieler sollen Verantwortung übernehmen und mutig auftreten, Fehler sind erlaubt, solange die Lernbereitschaft stimmt |
| Schnelle Refokussierung | Nach Rückschlägen zählt sofort die nächste Aufgabe statt langem Grübeln über das Misslungene |
| Bauch plus Kopf | Intensive Vorbereitung und Datenanalyse treffen am Ende auf Intuition und Menschenkenntnis |
| Empathie mit Konsequenz | Verständnis für die Situation des Einzelnen, gleichzeitig klare Forderung nach Leistung und Einsatz |
Zuhören, einordnen, inspirieren: sein Rezept für den Neuanfang

Beim DFB steht Klopp erneut vor genau der Situation, die er in seiner Laufbahn schon mehrfach erlebt hat. Sein Vorgehen ist dabei immer dasselbe: „Ich habe bei jedem Neuanfang zunächst zugehört, mir Dinge angesehen, reingehört“, erzählt er. „Die Kunst besteht dann darin, all das richtig einzuordnen und die Menschen zu inspirieren.“ Der laute Teil kommt also erst, nachdem der leise erledigt ist.
Dass am Anfang immer Unsicherheit steht, gehört für ihn zum Beruf. „Nicht zu wissen, ob es funktioniert, ist das Erste, was du als Fußballtrainer lernst“, sagt Klopp. „Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen. Entweder man sagt: Dann versuche ich es erst gar nicht, oder man sagt: Scheiß drauf, ich gucke jetzt mal.“ Wie er am Ende entscheidet, beschreibt er als Zusammenspiel von Vorbereitung und Instinkt: „Im Job denke ich den ganzen Tag nach. Die Entscheidung wird also im Kopf vorbereitet, getroffen wird sie dann aus dem Bauch heraus.“

Der Gerechtigkeitsfanatiker und sein Umgang mit Niederlagen
Über seine energiegeladene Art in der Coaching-Zone, die ihn schon als BVB-Trainer berühmt gemacht hat, sagt Klopp: „Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker. Da helfen auch keine Argumente wie: Das gleicht sich irgendwann wieder aus. Wenn mir etwas wichtig ist, dann investiere ich alles, und man sieht das.“ Und weiter, mit dem für ihn typischen Selbstspott: „Ich habe einen Gesichtsausdruck, der nicht vergnügungssteuerpflichtig ist. Darauf habe ich offenbar wenig Einfluss. Das ist häufig genug passiert. Und so peinlich, wie es hinterher aussieht, ist es mir auch.“
Für einen Trainer, der eine Nation zur EM 2028 führen soll, ist der Umgang mit Rückschlägen mindestens genauso wichtig. Klopp hält sich damit bewusst nicht lange auf: „Der Versuch erfolgreich zu sein kostet so viel Energie und Lebenszeit, dass ich auf das lange Verarbeiten des nicht maximalen Erfolgs keine Zeit verwenden möchte.“ Als Schönredner sieht er sich deshalb trotzdem nicht. „Mit negativen Konsequenzen setze ich mich auseinander, wenn sie da sind“, erklärt er. „Aber ich bin kein Idiot, der sagt: Wird schon. Wenn man Dinge beeinflussen kann, dann muss man sie so beeinflussen, dass man davon ausgehen kann, dass sie funktionieren.“
Was ihm dabei hilft, ist schlicht die Menge an Erfahrung. „Ich glaube, ich habe inzwischen fast jedes Problem schon einmal gehabt“, sagt Klopp. „Das macht es leichter, die jeweilige Situation richtig einzuordnen.“ Dass er einmal als Anführer einer Nation gelten würde, hätte er selbst allerdings nicht erwartet: „Vor 35 Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, dass man mich heute als Leader bezeichnet, obwohl ich in der Schule Klassensprecher war.“ Wen er für seinen ersten Kader auf dem Zettel hat, steht in unserer Übersicht zu den Kandidaten für die erste Nominierung.
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Häufige Fragen zu Bundestrainer Jürgen Klopp
Seit wann ist Jürgen Klopp Bundestrainer?
Seit dem 24. Juli 2026. An diesem Tag wurde der frühere Trainer von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool am Frankfurter DFB-Campus als 13. Bundestrainer vorgestellt.
Wie beschreibt Klopp seinen eigenen Führungsstil?
Als fordernd, aber nicht als Selbstzweck. Wenn er das Gefühl hat, dass jemand nachlässig wird, schraubt er nach eigenen Worten die Drehzahl hoch. Gegenüber der ganzen Mannschaft kann er dabei auch lauter werden, nach eigener Aussage allerdings nicht besonders häufig.
Wie geht Klopp an einen Neuanfang heran?
Zuerst mit Zuhören und Beobachten. Die eigentliche Arbeit beginnt für ihn danach: das Gesehene richtig einzuordnen und die Menschen im Verein für den gemeinsamen Weg zu begeistern.
Wie trifft er Entscheidungen?
Aus dem Bauch heraus, aber auf Basis eines ganzen Arbeitstags voller Analyse. Vorbereitung im Kopf, Entscheidung im Bauch, so beschreibt er es selbst.
Warum nennt er sich Gerechtigkeitsfanatiker?
Weil ihn Fehlentscheidungen sofort auf die Palme bringen und das Argument, so etwas gleiche sich über eine Saison aus, bei ihm nicht verfängt. Seine Mimik in der Coaching-Zone ist die sichtbare Folge davon.
Wann nominiert Klopp seinen ersten DFB-Kader?
Die erste Nominierung des neuen Bundestrainers steht im September an. Welche Spieler infrage kommen, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengestellt.
Quellen: SPORT BILD sowie das Interview von Jürgen Klopp mit Sports Illustrated (Text: Dirk Adam, 3. September 2026).