Abfindung bei DFB-Kündigung: 14 Mio. EUR – Nagelsmann erwartet sein „Urteil“

Julian Nagelsmann ist nach dem deutschen WM-Aus wieder in der Heimat angekommen und steht beim DFB offenbar vor einer wegweisenden Entscheidung. Nach dem frühen Ende in der Vorrunde rückt die Zukunft des Bundestrainers immer stärker in den Mittelpunkt, während im Hintergrund bereits über eine Trennung und mögliche Nachfolger spekuliert wird.

Bundestrainer Julian Nagelsmann äußert sich vor dem WM-2026-Sechzehntelfinale zwischen Deutschland und Paraguay auf der offiziellen Pressekonferenz in Boston. (Screenshot: sportschau.de)
Bundestrainer Julian Nagelsmann äußert sich vor dem WM-2026-Sechzehntelfinale zwischen Deutschland und Paraguay auf der offiziellen Pressekonferenz in Boston. (Screenshot: sportschau.de)

Rückkehr mit offenen Fragen

Als Nagelsmann im rosa Sneaker und mit seinem Rollkoffer durch den Flughafen von Charlotte ging, war die Enttäuschung über das Turnieraus aus den Gesichtern kaum zu nehmen. Auf den Monitoren der Airport-Bars sorgten Kylian Mbappé und Michael Olise gerade für Frankreich, also für jene große Glitzermannschaft, die Deutschland im Achtelfinale hätte fordern sollen. Stattdessen trat der Bundestrainer die Heimreise als Verlierer an.

Am Mittwochmorgen um 9.33 Uhr landete Nagelsmann in München und wirkte dabei erstaunlich gelassen, obwohl seine sportliche Lage alles andere als einfach ist. Mit an Bord waren seine Ehefrau Lena und seine Mutter, als er den Flughafen verließ und in eine ungewisse Zukunft blickte. Doch so ungewiss ist diese Zukunft womöglich gar nicht mehr.

DFB unter Druck und das mögliche Aus für Nagelsmann

Seit DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor dem inzwischen geräumten WM-Camp von Winston-Salem gesprochen hat, wirkt es, als sei der Hammer des Richters bereits über dem Kopf des 36-Jährigen aufgehängt und müsse nur noch fallen. Nagelsmann ist beim Verband faktisch ein Bundestrainer auf Abruf. Laut Sky steht Jürgen Klopp als möglicher Nachfolger bereit, falls der Deutsche Fußball-Bund einen Wechsel will.

Dieses Fußball-Video könnte dich interessieren:
DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußert sich bei MagentaTV zum deutschen WM-Aus.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigt bei MagentaTV Gespräche nach dem WM-Aus an.

Die Stimmung kippt spürbar. „Wenn man die ganze Faktenlage gerade so sieht, würde ich sagen: Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern“, sagte Mats Hummels bei MagentaTV. Hummels kritisierte Nagelsmann zudem als „schmallippig und patzig“, räumte aber gleichzeitig ein, dass ihn seine Ausbootung für die Heim-EM emotional weiter befangen mache. „Es ist schon irgendwo schwer vorstellbar, dass es so weitergehen soll.“

Angesichts der deutlichen Absetzbewegung im Verband geht es längst wohl weniger um das Ob, sondern eher um das Wann und Wie einer Trennung. Nagelsmann besitzt einen Vertrag bis einschließlich der EM 2028 und soll rund sieben Millionen Euro pro Jahr verdienen. Als Grundlage für Verhandlungen über eine Abfindung würde damit ein Restwert von 14 Millionen Euro entstehen. Offiziell bestätigt sind die Details nicht, allerdings soll es eine Reißleinenklausel geben, die für den Fall eines Vorrundenscheiterns greifen könnte. Ob auch ein so frühes Aus wie das nach dem Sechzehntelfinale mitgedacht wurde, bleibt offen.

Klopp als Name mit Strahlkraft

Auch die Finanzen spielen in diesem Poker eine Rolle, selbst wenn sich die Lage beim einst knappen Verband durch den Nike-Deal deutlich entspannt haben soll. Der Ausrüstervertrag bringt kolportiert 100 Millionen Euro pro Jahr. Sollte der DFB tatsächlich auf Klopp setzen, müsste auch für ihn ein Paket geschnürt werden, das wohl noch oberhalb des Nagelsmann-Deals liegen würde.

Der frühere Meistermacher von Borussia Dortmund und Liverpool dürfte in diesen Tagen zudem bei Oliver Mintzlaff vorstellig werden. Klopp arbeitet derzeit als Fußball-Chef des Red-Bull-Imperiums und hat sich mit dieser Aufgabe bei Teilen der organisierten Fanszenen keine Freunde gemacht. Trotzdem spricht vieles dafür, dass ein großer Teil der deutschen Nationalmannschaftsfans ihn als Bundestrainer sehen möchte. Der Reiz, es nicht wenigstens zu versuchen, ist offenbar zu groß.

Alte Debatten kehren zurück

Das blamable WM-Aus und die fehlende individuelle Weltklasse lenken den Blick erneut auf die Ausbildung im deutschen Fußball. Sami Khedira brachte das Fiasko von Foxborough gegen Paraguay auf den Punkt und sprach von der „Quittung für die letzten Jahre“. Damit befeuerte der Weltmeister von 2014 eine Diskussion, die nun wieder Fahrt aufnimmt.

„Wir dürfen die Kinder nicht in Watte packen und sagen: Das Gewinnen ist nicht wichtig, wir müssen einfach nur die perfekte Technik haben“, sagte Khedira. Auf „absolutem Topniveau“ brauche es eine „Kombination aus Mentalität und Führungsqualitäten“. Auch Michael Ballack, früherer DFB-Kapitän, vermisst genau diese deutschen Tugenden. Gleichzeitig hat der DFB unter Hannes Wolf in der Nachwuchsarbeit einen Konsens gefunden, der auf motivierende Spielformen ohne Ergebnisdruck setzt.

Klopp bringt Eigenschaften mit, die in eine DFB-Stellenausschreibung passen würden. Leidenschaft, Fachwissen, ein voll gefülltes Trophäenkabinett und die Fähigkeit, aus vergleichsweise wenig enorm viel herauszuholen. „Noch“ aber, wie Klopp selbst mit etwas Nachhall gesagt hat, ist Julian Nagelsmann Bundestrainer. Bis der Hammer fällt.