Neuer auf Schalke: Emotionale Rückkehr an alte Wirkungsstätte

Manuel Neuer läuft an diesem Samstag wohl zum letzten Mal in der Veltins-Arena auf, dem Ort seiner fußballerischen Wurzeln. Von einer „Abschiedstournee“ will der Bayern-Kapitän dennoch nichts wissen, zu groß ist sein sportlicher Ehrgeiz auch mit 40 Jahren. Für den gebürtigen Gelsenkirchener bleibt die Rückkehr zu Schalke 04 trotzdem ein emotionaler Ausnahmemoment. Kurz nach seinem 600. Pflichtspiel kommt es am Samstag zum langersehnten Wiedersehen in Neuers Heimat. Anstoß ist am Samstag, den 5.9.2026, um 18:30 Uhr, live auf Sky.

Der deutsche Torwart und Kapitän Manuel Neuer wärmt sich vor dem WM-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Ecuador auf. Das Spiel fand am 25. Juni 2026 im New York New Jersey Stadium in East Rutherford statt. Buda Mendes / Getty Images
Der deutsche Torwart und Kapitän Manuel Neuer wärmt sich vor dem WM-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Ecuador auf. Das Spiel fand am 25. Juni 2026 im New York New Jersey Stadium in East Rutherford statt. Buda Mendes / Getty Images
| 5.9.2026-18:30
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Auch nach 15 Jahren im Trikot des FC Bayern verleugnet Neuer seine Herkunft nicht. „Ich bin der größte Fan“, erklärte der in Gelsenkirchen-Buer geborene Schlussmann des deutschen Rekordmeisters mit einem Schmunzeln, ehe er präzisierte: „Wenn sie gegen Dortmund spielen.“ Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) tritt er mit den Münchnern jedoch als Gegner an und verfolgt dabei ganz klare Ziele. Wie er bei DAZN betonte, wolle er „zu null spielen und gewinnen“. Seine Zeit als Schalker „Ultra“ liegt längst hinter ihm, der Siegeswille des Torwarts ist davon unberührt.

Klare Nummer eins trotz Nachwuchshoffnung Urbig

Ein Modell mit geteilten Einsätzen kommt für Neuer nicht infrage, auch wenn sein designierter Nachfolger Jonas Urbig am Mittwoch im Pokal beim 4:1-Erfolg in Osnabrück zwischen den Pfosten stand. Der frischgebackene zweifache Vater bleibt gesetzt. „Es ist wunderschön, in dieser Mannschaft zu spielen“, schwärmte er nach dem gelungenen Saisonauftakt mit Siegen in Dortmund (2:1) und gegen Stuttgart (5:1). „Der Hunger ist nach wie vor riesengroß und es macht Spaß. Deshalb ist es immer eine extra Motivation, für den Verein und die Fans zu spielen.“

Diese Motivation dürfte gegen Schalke besonders ausgeprägt sein. Dort hatte Neuer im Alter von fünf Jahren mit dem Fußballspielen begonnen und als junger Keeper einen revolutionären Stil geprägt. Als „Manu, der Libero“ beziehungsweise „Sweeper-Keeper“ war er zwar nicht der Erfinder des mitspielenden Torwarts, machte diesen Ansatz aber erstmals systematisch zum taktischen Instrument. Ausgerechnet in München rümpfte man anfangs die Nase über den Schalker Import, Stichwort „Koan Neuer“. Diese Episode ist längst Geschichte.

601. Bayern-Einsatz und ein lange ersehntes Duell

Am Samstag läuft Neuer zum 601. Mal für die Bayern auf, exakt 20 Jahre nach seinem ersten Heimspiel als Schalker Torhüter am 25. August 2006 gegen Werder Bremen (2:0). Vier Jahre musste er auf diese Begegnung warten. „Es ist ein Traum für mich, gerade im Hinblick darauf, dass es wahrscheinlich meine letzte Saison sein kann“, sagte er über das Duell mit seinem Heimatverein. „Für mich gehört der Verein einfach in die erste Liga.“

Auch Bayern-Sportdirektor Christoph Freund würdigte die außergewöhnliche Laufbahn seines Kapitäns. Neuer habe „alles erlebt in seiner Fußballkarriere, hat 35 Titel gewonnen, ist nach Verletzungen zurückgekehrt, spielt immer noch auf unglaublichem Niveau, ist ein außergewöhnlicher Kapitän für uns, eine Legende für den deutschen Fußball“. Dennoch sei die Partie in Gelsenkirchen „ein besonderes“ Spiel für ihn, so Freund weiter. „Er ist dort gereift, hat super Spiele gemacht. Es ist eine sehr schöne Geschichte, dass er nach Schalke zurückkehrt und das hautnah erleben kann.“

Matthäus glaubt an Schalke: „Die werden sich fangen“

Statistisch gesehen zählt Schalke ohnehin zu Neuers Lieblingsgegnern. In bisherigen Duellen mit den Knappen blieb er ungeschlagen, 17 Siegen stehen lediglich drei Unentschieden gegenüber, in 15 Partien hielt er seinen Kasten sauber. Nur drei Schalker Spieler konnten ihn je überwinden, Naldo, Max Meyer und Benedikt Höwedes, letzterer gleich zweimal. Bayern-Trainer Vincent Kompany warnte trotz dieser beeindruckenden Bilanz vor Nachlässigkeit angesichts der klaren Favoritenrolle und bezeichnete die Partie als „Riesentraditionsspiel“. Schalke sieht er keineswegs als klassischen Abstiegskandidaten, im Gegenteil, das Team könne bald wieder „höhere Ziele“ verfolgen, so wie es einst bei Neuer der Fall war.

Die Bindung an seine Heimat hat der Torwart nie verloren. Über seine „Kids Foundation“ engagiert er sich seit Jahren sozial in der Region. „Ich bin da aufgewachsen, meine Familie kommt daher“, sagte Neuer. „Ich bin Gelsenkirchen, ich bin Schalke, aber ich habe auch die bayerische Gemütlichkeit.“

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