Carro kündigt FIFA-Kampfkandidatur gegen Infantino an

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro hat im Streit um Gianni Infantino klare Kante gezeigt und dem umstrittenen FIFA-Präsidenten offen den Rückhalt entzogen. Mit ungewöhnlich scharfen Worten kündigte der 62-Jährige Widerstand gegen den Schweizer an und forderte eine echte Alternative bei der kommenden Präsidentschaftswahl. Hintergrund ist auch der gescheiterte Investoren-Deal der FIFA, der zuletzt für erheblichen Widerstand gesorgt hatte.

Fernando Carro, CEO von Bayer 04 Leverkusen, vor dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München
LEVERKUSEN, DEUTSCHLAND – 22. April 2026: Fernando Carro, CEO von Bayer 04 Leverkusen, blickt vor dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München in der BayArena auf das Geschehen. (Foto: Pau Barrena/Getty Images)

„Wir führen jetzt einen Kampf gegen Infantino, und den müssen wir gewinnen“, stellte Carro in einem Interview mit der Sport Bild klar. Der Weltverband stehe an einem Punkt, an dem strukturelle Erneuerung unausweichlich sei. Nötig seien „eine verlässliche Führung, die nötige Transparenz und dazu eine echte Wahl im März“, so der Leverkusen-Boss weiter. Ein bloßes Fortführen der bisherigen Amtszeit komme für ihn nicht infrage: „Ein ‚Weiter so‘ mit Infantino sehe ich nicht, das wäre das schlechteste Ergebnis.“

Suche nach einem Gegenkandidaten gestaltet sich schwierig

Dass sich ein ernsthafter Herausforderer findet, sei allerdings alles andere als trivial, räumte Carro ein. Er sprach von einer echten „Herausforderung“ bei der Kandidatensuche. Dabei schließt der ECA-Vorstand einen Bewerber aus den Reihen der UEFA für die aussichtsreichste Position weitgehend aus. Als Begründung führte er die Wahrnehmung europäischer Funktionäre in anderen Weltregionen an: „Wir Europäer werden in Teilen der Welt ohnehin als etwas arrogant wahrgenommen, weil man uns nachsagt, uns als Nabel der Fußball-Welt zu verstehen.“ Wer an der FIFA-Spitze tatsächlich einen Wandel herbeiführen wolle, benötige laut Carro „einen Kandidaten, der auch außerhalb von Europa überzeugt und Mehrheiten gewinnen kann“.

Auf konkrete Nachfrage nannte Carro einen Namen, der aus seiner Sicht ins Rennen passen würde: CONCACAF-Präsident Victor Montagliani bezeichnete er als einen „der naheliegenden Kandidaten“. Der Kanadier bringe die passenden Voraussetzungen mit, da er „anerkannt in seiner jetzigen Funktion“ sei, „die FIFA gut“ kenne, „nicht aus Europa“ komme und deshalb „auch über die CONCACAF hinaus Unterstützer gewinnen“ könnte.

UEFA bereitet Strafanzeige vor

Der Druck auf Infantino wächst dabei nicht nur durch einzelne Funktionärsstimmen. Die UEFA selbst fordert seinen Rückzug und arbeitet nach Informationen aus dem Umfeld bereits an einer Strafanzeige in der Schweiz. Auslöser der Krise ist die Rolle des FIFA-Chefs bei einem inzwischen wieder verworfenen Vorhaben, wonach Anteile an Turnieren des Weltverbands an private Investoren verkauft werden sollten, darunter auch Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump. Die europäische Dachorganisation verfolgt dabei ein klares Ziel: Infantino soll vor der Präsidentschaftswahl beim FIFA-Kongress im März 2027 zur Aufgabe gedrängt werden.

Carro selbst mahnte trotz seiner deutlichen Positionierung zu einem besonnenen Vorgehen bei der juristischen Aufarbeitung. „Wenn es im Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen belastbare Hinweise auf ein Fehlverhalten gibt, müssen diese unabhängig und konsequent aufgeklärt werden“, betonte er. Gleichzeitig warnte der Leverkusen-Geschäftsführer davor, die gesamte Strategie gegen Infantino ausschließlich auf ein mögliches Ermittlungsverfahren zu stützen: „Man sollte nur nicht den Fehler machen, eine politische Strategie allein auf dieses Szenario hin auszurichten.“