Vor dem DFB-Pokal–Duell beim VfL Osnabrück mahnt Vincent Kompany seine Bayern-Stars zur Demut. Ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt, warum: Schon dreimal traf der Rekordmeister auf die Niedersachsen, und keines dieser Duelle war eine klare Angelegenheit. Morgen am Mittwoch 2.9. soll nun der nächste Schritt Richtung Titelverteidigung folgen.

Am 23. September 1978 erlebte der FC Bayern eine der bittersten Pleiten seiner Pokalgeschichte. Im Olympiastadion unterlag die Mannschaft von Trainer Gyula Lorant dem damaligen Tabellenachten der 2. Liga Nord mit 4:5, obwohl mit Sepp Maier, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge echte Weltklasse im Kader stand. Lorant tobte hinterher öffentlich und nahm besonders Paul Breitner ins Visier: Was der „sogenannte Weltklassespieler“ gezeigt habe, sei „eine Schande“ gewesen, wetterte der Coach und ergänzte, ein paar Spieler hätten schlicht „keine Lust gehabt“. Der kicker fasste das Debakel in Reimform zusammen: „Gestern noch auf hohen Rossen, heute aus dem Cup geschossen.“ Bis heute gilt der Coup als goldenes Kapitel der Osnabrücker Klubchronik.
Dass sich Geschichte wiederholen könnte, will Kompany unbedingt verhindern. Nach dem starken Saisonstart seiner Mannschaft fordert der Belgier absolute Wachsamkeit für das Gastspiel an der Bremer Brücke (Mittwoch, 20.45 Uhr, live bei ARD und Sky). „Die Bayern müssen mental bereit sein für einen richtigen Kampf“, stellte er klar und fügte hinzu: „Das Wichtigste ist, dass man weiß, dass alles schwierig sein kann und dass man das nicht unterschätzt. Ich habe schon viel gehört von der Bremer Brücke und was da alles passieren kann.“
Zwei weitere knappe Pokal-Duelle als Warnsignal
Auch die beiden anderen Pflichtspielbegegnungen zwischen beiden Klubs, jeweils in Osnabrück ausgetragen, verliefen alles andere als komfortabel für den deutschen Branchenprimus. Im Dezember 2001 kämpfte sich der frisch gekürte Weltpokalsieger in Unterzahl mühsam zu einem 2:0-Erfolg. Im September 2004 rettete erst ein Last-Minute-Tor von Roy Makaay das 3:2 und damit den Einzug in die nächste Runde. Die Historie liefert also reichlich Argumente dafür, den Zweitliga-Aufsteiger keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen.
Trotz dieser Vorbelastung blickt der FC Bayern voller Ambitionen auf die laufende Saison. Nach dem 21. Pokaltriumph im Mai in Berlin richtet sich der Blick des Rekordsiegers bereits wieder auf das Endspiel. „Wenn man einmal da ist, möchte man immer da sein“, sagte Kompany mit sichtlicher Vorfreude. Die bisherigen Auftritte untermauern den Anspruch: In der Bundesliga setzte sich München bei Borussia Dortmund mit 2:1 durch und ließ dem VfB Stuttgart beim 5:1 keine Chance.
Personelle Entlastung für Kompany in Sicht
Auch kaderseitig gibt es gute Nachrichten für den Übungsleiter. Zwar wird am Mittwoch Ersatzkeeper Jonas Urbig zwischen den Pfosten stehen, doch in der Offensive kehrt bald wichtige Qualität zurück. Jamal Musiala stehe kurz vor seinem Comeback, verriet Kompany, es fehle nur noch der „richtige Moment“ für den Einsatz. Auch Serge Gnabry soll „in den nächsten zehn Tagen“ wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren.
Vor knapp 48 Jahren halfen selbst prominente Namen nicht weiter. Drei Treffer von Torjäger Gerd Müller reichten damals nicht aus, weil auf der Gegenseite VfL-Angreifer Andreas Wagner ebenfalls einen Hattrick beisteuerte, obwohl die Osnabrücker Halbprofis am Vorabend noch ausgiebig auf dem Oktoberfest gefeiert hatten. „Ich habe vor dem Bayern-Spiel gesoffen. Und danach“, erinnerte sich Wagner Jahre später schmunzelnd.
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Osnabrück glaubt an die nächste Sensation
Der Außenseiter selbst nährt bewusst die Erinnerung an den historischen Coup. In der Innenstadt hängen im Schaufenster der Geschäftsstelle der Neuen Osnabrücker Zeitung noch heute die Originaltrikots von 1978. Trainer Timo Schultz lässt daran keinen Zweifel: „So doof sich das anhört: Ich als Trainer werde meine Mannschaft so darauf vorbereiten, dass wir in die zweite Runde einziehen.“ Sein Team habe schließlich „nichts zu verlieren“.
Sportlich zeigt der VfL zuletzt eine aufsteigende Tendenz. Nach Niederlagen gegen Magdeburg (0:3) und in Heidenheim (3:4) gelang zuletzt ein 1:0-Erfolg in Bochum, der neues Selbstvertrauen brachte. Für den haushohen Favoriten aus München werde es „deutlich unangenehmer“ als beim Bundesliga-Saisonauftakt, kündigte Schultz kämpferisch an: „Wir wollen und wir werden es den Bayern so schwer wie möglich machen.“ Ganz so, wie es die Osnabrücker schon 1978 vorgemacht haben.