Neue Fußballregeln in DFB-Pokal und Bundesliga: Alle Änderungen im Überblick

Mit dem Startschuss des DFB-Pokals am Freitag beginnt für die Bundesliga-Teams eine Saison, in der sich Spieler, Trainer und Zuschauer an ein verändertes Regelwerk gewöhnen müssen. Eine Woche später folgt der Ligaauftakt. Nicht jede Neuerung, die bei der WM-Endrunde in Nordamerika zum Einsatz kam, wird jedoch ins deutsche Profigeschäft übernommen.

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Bastian Dankert im Einsatz als Schiedsrichter beim Bundesliga-Spiel zwischen dem Hamburger SV und RB Leipzig am 1. März 2026 im Volksparkstadion in Hamburg. Beim Finale der WM 2026 zwischen Spanien und Argentinien ist der Rostocker als Videoassistent im Einsatz. (Selim Sudheimer / Getty Images Europe via Getty Images)
Bastian Dankert im Einsatz als Schiedsrichter beim Bundesliga-Spiel zwischen dem Hamburger SV und RB Leipzig am 1. März 2026 im Volksparkstadion in Hamburg. Beim Finale der WM 2026 zwischen Spanien und Argentinien ist der Rostocker als Videoassistent im Einsatz. (Selim Sudheimer / Getty Images Europe via Getty Images)

Die Internationale Football Association Board (IFAB) und der DFB haben sich bei der Übertragung der WM-Regeln auf einige zentrale Punkte konzentriert, während andere Neuerungen bewusst außen vor bleiben. Auch beim Videobeweis setzt man hierzulande auf eine zurückhaltendere Linie als noch beim Turnier in Übersee.

Countdown-Regeln und schnellere Wechsel sollen mehr Spielzeit bringen

Um dem Zeitspiel entgegenzuwirken, gilt bei Abstößen und Einwürfen künftig ein Fünf-Sekunden-Countdown. Wird dieser überschritten, gibt es Eckball für das gegnerische Team, beim Einwurf wechselt entsprechend das Zuwurfrecht. Auch bei Auswechslungen wird auf Tempo gedrängt: Ausgewechselte Akteure müssen das Feld innerhalb von zehn Sekunden verlassen. Wer sich nicht daran hält, riskiert, dass der Einwechselspieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung nach Ablauf einer Minute eingreifen darf. Ähnliches gilt für Verletzte, die auf dem Rasen behandelt werden oder eine Unterbrechung verursachen: Sie müssen den Platz räumen und dürfen nach dem Wiederanpfiff eine Minute lang nicht zurückkehren. Einzig der Torwart ist von dieser Regelung ausgenommen.

Auch beim Video-Assistenten gibt es eine Anpassung nach WM-Vorbild: Die Prüfbefugnis wird auf die zweite Gelbe Karte bei einer Ampelkarte ausgeweitet, allerdings nur für Fälle, in denen die Karte eindeutig zu Unrecht gezeigt wurde, etwa durch eine klare Fehlentscheidung oder eine Verwechslung des Spielers. Hat der Unparteiische hingegen keine Gelbe Karte gezeigt, obwohl sie gerechtfertigt gewesen wäre, greift der VAR nicht ein.

VAR soll im Hintergrund bleiben, Pokal-Auftakt ohne Video-Hilfe

Die UEFA hatte bereits eine zurückhaltendere Nutzung des Video-Assistenten angekündigt, und diese Linie wird nun auch in Deutschland verfolgt. Jochen Drees, Video-Chef beim DFB, betonte, der VAR solle „stärker im Hintergrund“ agieren. Bundesliga-Sportdirektor Benjamin Schmedes unterstrich diesen Kurs: „Für den Eingriff des Video-Assistenten soll es eine höhere Schwelle geben. Es soll um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen gehen. Wir wollen die Zeit am Bildschirm minimieren.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Trotz allem werden wir Diskussionen nicht vollends vermeiden können.“ In der ersten Pokalrunde bleibt der VAR wie gehabt komplett außen vor.

Nicht alle WM-Neuerungen schaffen es dagegen in den Liga-Alltag. Eckstöße werden anders als bei der Endrunde nicht per Video-Assistent kontrolliert, und auch die Rote Karte für das Zuhalten des Mundes oder das demonstrative Verlassen des Feldes aus Protest entfällt. Diese Regeln waren vom IFAB ohnehin nur als optionale Elemente eingeführt worden. Zudem genießen Torhüter weniger Sonderschutz als bei der WM: Ein Blocken ohne aktive Bewegung in den Keeper hinein bleibt erlaubt. Zur Einordnung: Das nicht gegebene Tor von Jonathan Tah beim deutschen WM-Aus gegen Paraguay hätte nach Bundesliga-Regeln gezählt.

Schiedsrichter hebt die Arme, während Bojan Stanišić (Nr. 44) und Joshua Kimmich (Nr. 6) vom FC Bayern München auf eine Entscheidung reagieren. Die Szene ereignete sich am 6. Mai 2026 im Halbfinale-Rückspiel der UEFA Champions League 2025/26 gegen Paris Saint-Germain in der Allianz Arena in München. (Getty Images)
Schiedsrichter hebt die Arme, während Bojan Stanišić (Nr. 44) und Joshua Kimmich (Nr. 6) vom FC Bayern München auf eine Entscheidung reagieren. Die Szene ereignete sich am 6. Mai 2026 im Halbfinale-Rückspiel der UEFA Champions League 2025/26 gegen Paris Saint-Germain in der Allianz Arena in München. (Getty Images)

Kapitänsregel soll wieder strenger durchgesetzt werden

Kritisch sehen die deutschen Schiedsrichter-Verantwortlichen, dass die Kapitänsregel, wonach im Kampf gegen Rudelbildung nur der Spielführer mit dem Referee sprechen darf, bei der WM praktisch nicht durchgesetzt wurde. In der Bundesliga soll das anders aussehen. Marco Fritz, Leiter Evaluation, Beobachtungen und Regelauslegung bei der DFB Schiri GmbH, erklärte: „Der Umgang mit Unsportlichkeiten war bei der WM sicher nicht beispielgebend für die Bundesliga. Da waren wir schon weiter bei Themen wie ‚Mobbing the Referee‘, dem Kapitänsdialog und der Verhinderung einer schnellen Spielfortsetzung.“

Eine weitere Neuerung betrifft die Vorteilsregel: Lässt der Schiedsrichter das Spiel bei einem Vorteil laufen und entsteht daraus ein Tor, entfallen nachträgliche Sanktionen wie Gelbe oder Rote Karten für das vorherige Vereiteln der Chance. Außerdem kann die Vorteilsregelung künftig auch angewendet werden, wenn eine Spielfortsetzung fehlerhaft war, etwa bei einem falschen Einwurf oder einem falsch ausgeführten Freistoß.

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Beim vieldiskutierten Handspiel im Strafraum bleibt hingegen alles beim Alten. Fritz zeigte sich mit der bisherigen Auslegung trotz zahlreicher Debatten sehr zufrieden. Für die Regelanwendung sind in der kommenden Saison übrigens 22 Bundesliga-Schiedsrichter zuständig, zwei weniger als in der Vorsaison.

Fragen und Antworten zu den neuen Fußballregeln

Welche Neuregelungen aus dem WM-Reglement übernimmt die Bundesliga?

Übernommen werden der Fünf-Sekunden-Countdown bei Abstößen und Einwürfen, die Zehn-Sekunden-Frist für ausgewechselte Spieler sowie die Pflicht für behandelte oder verletzte Feldspieler, das Spielfeld für eine Minute zu verlassen. Bei Überschreitung der Countdown-Zeit gibt es Ecke beziehungsweise ein gewechseltes Einwurfrecht, bei zu spätem Verlassen des Feldes darf der Ersatzspieler erst nach einer Minute bei der nächsten Unterbrechung eingewechselt werden. Torhüter sind von der Verlassenspflicht ausgenommen.

Inwiefern wird der Einsatzbereich des Video-Assistenten erweitert?

Wie bereits bei der WM praktiziert, darf der Video-Assistent künftig auch eine zweite Gelbe Karte überprüfen, die zu einem Platzverweis führte. Das gilt jedoch nur, wenn die Karte eindeutig unberechtigt war, etwa wegen eines klaren Irrtums oder einer Verwechslung des Spielers. Wurde fälschlicherweise gar keine Gelbe Karte gezeigt, obwohl sie angebracht gewesen wäre, schaltet sich der VAR nicht ein.

Wie wird der Videoassistent künftig grundsätzlich eingesetzt?

Analog zur Vorgabe der UEFA soll der VAR spürbar zurückhaltender agieren als bisher. DFB-Video-Chef Jochen Drees betonte, der Assistent solle „stärker im Hintergrund“ bleiben. Bundesliga-Sportdirektor Benjamin Schmedes ergänzte: „Für den Eingriff des Video-Assistenten soll es eine höhere Schwelle geben. Es soll um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen gehen. Wir wollen die Zeit am Bildschirm minimieren“, fügte aber hinzu: „Trotz allem werden wir Diskussionen nicht vollends vermeiden können.“ In der ersten Pokalrunde kommt der VAR, wie zuletzt üblich, gar nicht zum Einsatz.

Welche bei der WM getesteten Regeln finden in der Bundesliga keine Anwendung?

Nicht übernommen werden die Videoüberprüfung von Eckbällen sowie die Rote Karte für das Zuhalten des Mundes oder das Verlassen des Feldes aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung. Diese Regeln hatte das IFAB nur optional zur Verfügung gestellt. Auch der besondere Schutz des Torwarts fällt geringer aus als bei der WM, ein Blocken ohne aktive Bewegung in den Keeper hinein bleibt erlaubt. Das im WM-Achtelfinale gegen Paraguay aberkannte Tor von Jonathan Tah hätte nach Bundesliga-Regeln gezählt.

Welcher Aspekt soll im Vergleich zur WM konsequenter gehandhabt werden?

Die Kapitänsregel, laut der im Umgang mit Rudelbildung nur der Spielführer das Gespräch mit dem Schiedsrichter suchen darf, wurde bei der WM kaum durchgesetzt, was bei den deutschen Schiedsrichter-Verantwortlichen auf Kritik stieß. In der Bundesliga soll sie wieder strenger gelten. Marco Fritz von der DFB Schiri GmbH sagte dazu: „Der Umgang mit Unsportlichkeiten war bei der WM sicher nicht beispielgebend für die Bundesliga. Da waren wir schon weiter bei Themen wie ‚Mobbing the Referee‘, dem Kapitänsdialog und der Verhinderung einer schnellen Spielfortsetzung.“

Welche zusätzlichen Änderungen gibt es abseits dieser Punkte?

Ja, es gibt weitere Anpassungen. Entscheidet sich der Schiedsrichter, wegen eines Vorteils weiterspielen zu lassen, und resultiert daraus ein Tor, entfallen nachträgliche Karten für das vorherige Foulspiel oder die Spielverzögerung. Zudem darf die Vorteilsregel künftig auch greifen, wenn eine Spielfortsetzung fehlerhaft ausgeführt wurde, etwa bei einem falschen Einwurfort oder einem falsch platzierten Freistoß.

Gibt es sonst noch etwas Erwähnenswertes zum Regelwerk?

Ja. Beim regelmäßig diskutierten Handspiel im Strafraum bleibt alles unverändert. Marco Fritz zeigte sich mit der aktuellen Auslegung trotz der anhaltenden Debatten sehr zufrieden. Für die Umsetzung der Regeln sind in der kommenden Bundesliga-Saison 22 Schiedsrichter im Einsatz, zwei weniger als in der vergangenen Spielzeit.